FESTIVAL STRINGS: Strings suchen neue Identität

Künstlerische Höhenflüge trotz finanzieller Notlage: Der Kanton Luzern stellt ein neuerliches Engagement für das Luzerner Kammerorchester in Aussicht.

Urs Mattenberger
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Die Geigerin Arabella Steinbacher glänzt mit den Festival Strings auf CD und im Konzert. (Bild PD/Peter Rigaud)

Die Geigerin Arabella Steinbacher glänzt mit den Festival Strings auf CD und im Konzert. (Bild PD/Peter Rigaud)

Die Festival Strings Lucerne wagten vor zwei Jahren eine erfolgreiche künstlerische Neuorientierung ohne Dirigent: Seither spielt das Orchester unter der Leitung von Daniel Dodds als Konzertmeister und setzt auf die Eigeninitiative der Musiker, wie es für Kammerorchester heute gang und gäbe ist.

Ausgerechnet in dieser Situation droht dem Ensemble das finanzielle Aus. Auslöser war 2008 die neue Subventionsaufteilung zwischen Kanton und Stadt Luzern sowie den in der Regionalkonferenz Kultur (RKK) zusammengeschlossenen Gemeinden. Demnach subventioniert der Kanton hauptsächlich die umsatzstärksten Kulturbetriebe wie das Luzerner Theater und Sinfonieorchester und strich seinen Beitrag von 80 000 Franken an die Festival Strings. Die RKK sprang nach Absprache mit dem Kanton in die Lücke. Aber auch diese Beiträge fielen 2010 weg, weil der Gemeindeverband für die Unterstützung regionaler Kultur zuständig ist – und nicht für ein Kammerorchester, das neben sieben bis zehn Konzerten im KKL auf Tournee im In- und Ausland unterwegs ist.

Zwar sprachen der Kanton und die RKK seither wiederholt Swisslos-Mittel für Projekte. Aber dass das Orchester grundsätzlich zwischen Stuhl und Bank gefallen ist, haben jetzt die Verantwortlichen des Kantons erkannt. In Gesprächen mit Repräsentanten der Strings signalisierten Bildungsdirektor Reto Wyss und die Kulturbeauftragte Nathalie Unternährer, dass das Dossier wieder geöffnet wird. Damit werden dem Kammerorchester neuerliche Beiträge des Kantons in Aussicht gestellt.

Rettung im letzten Moment?

Die Rettung könnte in letzter Minute kommen. Denn auch die Stadt plant, mit der Umsetzung der «Kulturagenda 2020» ihren Strukturbeitrag von 80 750 Franken (seit 1986) umzuwandeln in nur noch jährlich wiederkehrende Projektbeiträge. Und weil die Musikhochschule seit «Bologna» nur hauseigene Formationen unterstützt, stellte sie die in der gemeinsamen Geschichte begründeten finanziellen Zuwendungen ein und unterstützt das Orchester zurzeit nur mit Sachleistungen.

Damit müssen die Strings im fünften Jahr mit rund 160 000 Franken weniger auskommen – und das in einer Zeit, in der die bis 2007 ähnlich hohen Subventionen vergleichbarer Kammerorchester in Basel, Zürich oder Bern deutlich aufgestockt wurden. Wie konnte das Ensemble in dieser Situation überleben? «Wir haben die Verwaltungsausgaben nochmals gesenkt und überleben vor allem dank der Eigeninitiative unserer Musiker», sagt Geschäftsführer Hans-Christoph Mauruschat: «Das ist eine Art Raubbau, den wir uns nicht mehr leisten können.» Konkret heisst das etwa, dass weniger Proben angesetzt werden oder dass sich das Orchester teurer verkaufen muss als die höher subventionierte Konkurrenz. «Viele prestigeträchtige Engagements können wir aus diesem Grund nicht wahrnehmen».

Die prekäre finanzielle Lage steht im Widerspruch zur künstlerischen Entwicklung auf der Höhe der Zeit. Denn auch im Orchesterbereich setzen heute «freie Ensembles» – bis hin zum Lucerne Festival Orchestra – Massstäbe. Und mit seinem kammermusikalisch inspirierten Musizieren gewinnen die Strings Top-Solisten wie jetzt Arabella Steinbacher: Sie wählte für ihre Mozart-Aufnahme die Festival Strings als Partner und ist Solistin im Konzert im KKL.

Lange Tradition topaktuell

Kommt hinzu, dass sich bei den 1956 gegründeten Strings dieses aktuelle Modell mit einer langen Tradition verbindet. Mauruschat verweist auf den von Wolfgang Schneiderhan begründeten «Wiener Klang»: «Die Streicher spielen mit viel Bogen, was einen hellen, luftigen, leicht süsslichen Klang ergibt. Diese Tradition wurde über Baumgartner bis zu Daniel Dodds weitergegeben, sie prägt den Klang bis heute.»

Seit die Strings, die am Ende der Ära Baumgartner stilistisch im Abseits standen, diesen Wiener Klang historisch informiert auffrischten, fanden sie zum Erfolg auf dem Tourneemarkt zurück: «Mit Tourneen an Festivals und in grosse Konzertsäle aktuell in Deutschland, Südamerika, Russland oder China», so Mauruschat, «sind die Strings ein erfolgreicher internationaler Botschafter der Musikstadt Luzern. Und klar jenes Luzerner Orchester, das Jahr für Jahr die grösste Auslandspräsenz erzielt.»

Hinweis

Konzert: Sonntag 15. Juni, 11 Uhr, Konzertsaal, KKL, Luzern (Festival Strings Lucerne mit Arabella Steinbacher, Werke von Mozart, Bartók u. a.). VV: Tel. 041 226 77 77.