FESTIVAL: Unsere Highlights am Blue Balls

In seiner 22. Aus­gabe setzte das Blue Balls vermehrt auf sichere Werte. Eine Aufwertung erfuhr dafür das Rahmenprogramm.

Michael Graber
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Ganz alleine, nur mit Loop-Gerät, Stimme und Gitarre, lieferte Ed Sheeran am Eröffnungsabend eine Riesenshow ab. (Bilder Nadia Schärli und Keystone)

Ganz alleine, nur mit Loop-Gerät, Stimme und Gitarre, lieferte Ed Sheeran am Eröffnungsabend eine Riesenshow ab. (Bilder Nadia Schärli und Keystone)

Aus und vorbei: Die 22. Ausgabe des Blue Balls ist Geschichte. Kurz nachdem die letzten Töne der Söhne Mannheims im KKL verstummt waren, begannen bereits die Aufräumabreiten, und in wenigen Tagen sieht man keine Spur mehr von dem neuntägigen Festival – ausser vielleicht in den müden Gesichtern derjenigen, die täglich bis spätnachts unterwegs waren.

Und das waren viele: Zwar liegen noch keine offiziellen Zahlen vor (diese gibt Festivaldirektor Urs Leierer erst heute bekannt), aber es dürfte wieder im Rahmen der letzten Ausgaben liegen. Vielleicht waren es etwas weniger als die 100 000 Besucher aus den Vorjahren: Im Gegensatz zur letztjährigen Ausgabe war Petrus dem Blue Balls weniger freundlich gesinnt. Sonne und Regen hielten sich in etwa die Waage.

Auch Durchschnittliches

Immerhin: Bei den Konzerten im KKL bleibt man so oder so trocken – also abgesehen von einigen Schweisstropfen, natürlich. Als besonders schweisstreibend bleibt uns vor allem das Konzert der Schweden von The Hives in Erinnerung, die mit ihrem kratzigen Rock für eine regelrechte Party im Luzerner Saal sorgten. Sie haben es zusammen mit James Blunt, Ed Sheeran und Sophie Zelmani auch in unsere Highlight-Auswahl geschafft (siehe Bilder rechts).

Und was ja eigentlich besonders erfreulich ist: Enttäuschungen blieben komplett aus. Es war längst nicht alles überragend – die Konzerte von Archive und Travis waren beispielsweise eher durchschnittlich –, aber wirklich abgefallen ist kein Künstler und auch keine Band. Das könnte natürlich auch daran liegen, dass heuer etwas weniger mutig programmiert worden war als noch in früheren Ausgaben.

Freude am Pavillon

Für mehrere Musiker war es nicht der erste Auftritt am Blue Balls, dazu kamen einige sichere Werte, und die ganz grossen Entdeckungen blieben ebenfalls aus. Fairerweise muss man aber sagen, dass gerade die Blue-Balls-Ausgabe 2013, mit der das diesjährige Festival jetzt natürlich verglichen wird, voller Perlen und Geheimtipps steckte und das käumlich jedes Jahr wiederholt werden kann. Der Konkurrenzkampf unter den Festivals macht die Programmation schwierig.

Freude machten die Konzerte auch beim Pavillon. Hier konnte man grossartige Konzerte erleben, etwa Sleaford Mods und Blues Pills. Insgesamt hat man das Gefühl bekommen, dass 2014 das Rahmenprogramm insgesamt etwas aufgewertet wurde. Das ist schön. Denn die Konzerte im KKL sind zwar wichtig, aber das eigentliche Herz ist der grosse Trubel rund um das Seebecken. Wenn das Wetter stimmt, dann ist dort oft fast kein Durchkommen. Das ist richtiges Festival-Feeling mitten in der Stadt. Es ist halt ein bisschen wie an der Fasnacht: Entweder man liebt es, oder man macht einen grossen Bogen drum.

Wichtige Diskussion

Urs Leierer und sein Team sind gut beraten, den eingeschlagenen Weg konsequent weiterzugehen. Das Blue Balls hat sich mittlerweile in der Schweiz etabliert und sich einen guten Namen verschafft. Und wer Weltstars wie ein James Blunt (mehrfach) ins KKL holt, dem gebührt auch eine schöne Portion Respekt. Insofern ist auch die Diskussion über die Beteilung an den Polizeikosten, die Leierer angestossen hat, richtig. In den letzten neun Tagen konnte man erleben, welchen Mehrwert das Blue Balls für Luzern schafft.

Jetzt muss die Politik entscheiden, ob ihr das auch etwas wert ist.

Mehr Bilder finden Sie unter www.luzernerzeitung.ch/bilder