Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

FESTIVAL «ZAUBERSEE»: Der Zauber von Maya und Yaman

Maya Plisetskaya mit dem «Boléro» auf der Leinwand, Yaman Okur mit einem Breakdance-Ballett auf dem realen Bühnenboden: Das Zaubersee-Festival vereint Welten. Vom 13. bis 17. Mai im KKL Luzern.
Maya Plisetskaya in Maurice Ravels «Boléro» nach der Choreografie von Maurice Béjart (1976). (Bild: PD)

Maya Plisetskaya in Maurice Ravels «Boléro» nach der Choreografie von Maurice Béjart (1976). (Bild: PD)

Spätestens beim «Boléro»-Finale in der Choreografie von Maurice Béjart offenbart sich, weshalb Maya Plisetskaya mit dem russischen Ballettpreis «Seele des Tanzes» ausgezeichnet worden ist. Dann beginnt nämlich das nächste Spektakel: Im Rhythmus des Applauses feiert die Russin jeden Teil ihres Körpers. Die Schlüsselposen, mit denen sie sich zuvor zum Höhepunkt geschwungen hat, inszeniert sie nochmals in alle Himmelsrichtungen. Eine Diva, barfuss und im minimalistischen Gymnastikanzug, umringt von 20 Tänzern, die ihre makellosen Körper während des ganzen Ereignisses nur partiell bewegen durften.

Jahrhunderttänzerin

Gezeigt wird die Filmaufnahme des «Boléro» im Sinfoniekonzert des Luzerner Sinfonieorchesters im Rahmen des Zaubersee-Festivals. Dieses ist alljährlich russischer Musik gewidmet und macht dieses Jahr erstmals Tanz zum Thema.

Dazu hätte im KKL die Jahrhunderttänzerin, die als «Boléro»-Diva bereits 51 Jahre alt war, auch live erscheinen sollen. Weil sie am 2. Mai mit 89 Jahren an einem Herzinfarkt verstorben ist, wird der Abend vom 15. Mai zum Gedenkkonzert. Der künstlerische Leiter des Festivals, Numa Bischof Ullmann, würdigte die Künstlerin, die «Schwanensee» noch mit 71 Jahren in Tokio aufführte, als «Tänzerin, die wirklich über die Weltbühnen fliegen konnte, während andere versucht haben, sie auf dem Untergrund festzunageln».

In eine russisch-jüdische Künstler- und Diplomatenfamilie geboren, verschwand zunächst ihr Vater, dann die Mutter im Zuge der stalinistischen Säuberungen. 1943 durfte Maya Plisetskaya dem Bolschoi-Theater beitreten, bei dem bereits ihre Tante tanzte. Auch wenn sie erst ab 1959 auf USA-Tournee gehen durfte, verkörperte sie das Haus während Jahrzehnten.

Yaman tanzte für Madonna

Die Reaktion der Ballettdiva auf das Breakdance-Ballett von Yaman Okur nach Shakespeares «Romeo und Julia» wäre interessant ge­wesen. Hochfliegendes weibliches Ballett im «Battle» gegen männlichen Breakdance? Subversiv und energiegeladen können beide Stile sein. Harte Arbeit und Passion verbänden die beiden Disziplinen, findet Yaman Okur (37). Wie er seine akrobatischen Bewegungen einfriert, um sie dann wieder fliessen zu lassen, hat keiner Geringeren als Madonna imponiert. Der Franzose mit türkischem Blut begleitete sie auf der «Sticky and Sweet»- und auf der «MDNA»-Tournee. «Madonna mochte meine verzerrten Slow Motions sehr. Sie ist immer auf der Suche nach Tänzern, die Bewegungen zeigen, welche sie noch nie gesehen hat. Anscheinend war ich ein solcher Tänzer.»

Hip-Hop-Battle

Sein Lieblingsvideo ist allerdings im Rahmen von «Cercle Underground», dem «Battle international de danses hip hop» entstanden. Und wie er sich dort auf einem runden Parkett herumschiebt, als sei er ferngesteuert, ist eine Art magischer Spacewalk. Auf Youtube kommentieren Fans: «isolating boy moves ... probably a new generation in hip hop», «this guy is so fuckin’ amazing».

Und nun also «Shakespeares ‹Romeo und Julia› als Breakdance-Ballett» im KKL. Sieben Tänzer sollen Shakespeares Werk verkörpern. Für einige ist es der erste Auftritt auf einer klassischen Bühne. Die Herausforderung liege eher im Rhythmus, sagt Yaman Okur. Der Takt wird nämlich von noch ganz anderen Virtuosen wie dem Rockkomponisten David Chalmin und dem klassischen Klavierduo Katia und Marielle Labèque vorgelegt.

Edith Arnold/mm

Event-Daten

FR, 15. Mai, 19.30 Uhr
KKL Luzern, Konzertsaal, in memoriam Maya Plisetskaya,
Tschaikowskys fünfte Sinfonie u. a., Luzerner Sinfonieorchester

SA, 16. Mai, 20 Uhr
KKL Luzern, Luzerner Saal, «Star Cross’d Lovers»
mit Yaman Okur, David Chalmin, Katia und Marielle Labèque (Klavier) u. a.

Das Programm: Bekannte und weniger bekannte russische Schätze

Eröffnet wird das Festival Zaubersee am Mittwoch, 13. Mai, um 19.30 Uhr im Hotel Schweizerhof in Luzern, wobei im Mittelpunkt der atemberaubende «Sacre du printemps» von Igor Strawinsky in der Fassung für zwei Klaviere steht – ein wahres Fressen für das weltbekannte Klavier-Duo Katia und Marielle Labèque.


Strawinsky hielt sich wie Tschaikowsky eine Zeit lang am Genfersee auf. Den umgekehrten Weg ging der Komponist Paul Juon. Er wuchs in Moskau als Sohn von Schweizer Eltern auf und verbrachte nur die letzten sechs Jahre in der Schweiz. Das Schweizer Carmina-Quartettund der Pianist Oliver Triendl spielen das 1909 entstandene Klavierquintett in F-Dur, ein Bindeglied zwischen Tschaikowsky und Strawinsky.

Die Geschwister Labèque treten nochmals auf im Luzerner Saal mit einer Suite aus Bernsteins «West Side Story». Im Mittelpunkt steht jedoch die schweizerische Erstaufführung von Shakespeares «Romeo und Julia», das der Rockkomponist David Chalmin als Breakdance-Ballett gestaltet hat (16. Mai, 20 Uhr, siehe Haupttext).

In der St. Charles Hall finden zwei Lunch-Konzerte statt mit dem vor 30 Jahren gegründetenSt. Petersburg String Quartet(14. und 15. Mai, je 20.30 Uhr). Auf dem Programm stehen hauptsächlich bekannte Werke von Tschaikowsky und Prokofjew. In beiden Konzerten erklingt jedoch auch je ein Werk der Georgier Sulchan Tsintsadze und Zurab Nadarejshvili.

Das Extrakonzert des Luzerner Sinfonieorchesters (15. Mai, 19.30 Uhr) war gedacht als Widmung zum 90. Geburtstag der weltberühmten Bolschoi-Tänzerin Maya Plisetskaya. Nun ist das Konzert durch den Tod der Tänzerin zu einem «Abend in memoriam Maya Plisetskaya» geworden (siehe Haupttext). Der Alleskönner Mikhail Pletnevgibt im Rezital II sein Debüt als Pianist am Zaubersee-Festival mit einem Tschaikowsky-Programm (16. Mai, 12.30 Uhr). Neben der Klaviersonate von Sergei Rachmaninow widmet im Rezital I der als Virtuose gefeierte Boris Berezovskysein Rezital eher weniger bekanntem russischen Komponisten (14. Mai, 19.30 Uhr).

Erstmals gastiert das Zaubersee-Festival in Engelberg, wo der südkoreanische Pianist Kun Woo Paikmit Alexander Skrjabin, Beethoven und Mendelssohn das Schlusskonzert bestreitet (Barocksaal Kloster Engelberg, 17. Mai, 17.30 Uhr).

Einen ganz eigenen Akzent setzt kurz zuvor am gleichen Tag das Chorkonzert des Trinity Cathedral Choiraus Tiflis, Georgien, mit georgischer Choral- und Volksmusik (14.30 Uhr, Klosterkirche; Eintritt frei, Kollekte).

Fritz Schaub


MI, 13., bis SO, 17. Mai,
Zeugheersaal, Hotel Schweizerhof, Luzern, Villa St. Charles Hall, Meggen, KKL Luzern, Kloster Engelberg; Infos: www.zaubersee.ch,
VV: Tel. 041 226 05 15 (LSO-Kartenbüro)

«Die Herausforderung liegt eher im Rhythmus als im Auftritt auf einer klassischen Bühne.» (Bild: PD)

«Die Herausforderung liegt eher im Rhythmus als im Auftritt auf einer klassischen Bühne.» (Bild: PD)

Carmina-Quartett. (Bild: Lukas Beck / PD)

Carmina-Quartett. (Bild: Lukas Beck / PD)

Mikhail Pletnev. (Bild: Phil Sayer / PD)

Mikhail Pletnev. (Bild: Phil Sayer / PD)

Trinity Cathedral Choir. (Bild: PD)

Trinity Cathedral Choir. (Bild: PD)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.