Andermatt
Gotthard-Festival setzt ein Hoffnungszeichen im Herbst

Trotz Pandemie soll das Klassik-Festival in Andermatt Ende September stattfinden: Das jetzt veröffentlichte Programm umfasst sieben Konzerte mit Klavierstar Rudolf Buchbinder und einer neuen Stilvielfalt zwischen Klassik, Volksmusik und Jazz. Intendant Jörg Conrad wurde dazu auch durch die Einschätzung des BAG ermutigt.

Urs Mattenberger
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Konzert am letztjährigen Gotthard-Festival in der Kirche St. Peter und Paul in Andermatt.

Konzert am letztjährigen Gotthard-Festival in der Kirche St. Peter und Paul in Andermatt.

Peter Fischli

Das ehemalige Osterfestival Andermatt hält unter dem neuen Namen Gotthard Klassik-Festival Andermatt an der Verschiebung in den Herbst fest und soll vom 24. September bis 3. Oktober zum siebten Mal durchgeführt werden. Das jetzt publizierte Programm wird eröffnet vom Starpianisten Rudolf Buchbinder, der mit den Festival Strings Lucerne Klavierkonzerte von Beethoven spielt. In Preisträgerkonzerten treten wiederum junge Ensembles auf, verstärkt wird die Stilvielfalt zwischen Klassik, Volksmusik und Jazz.

Ausgelöst wurde der Wandel und die Verschiebung von Ostern in den Herbst durch Corona. Dass Intendant Jörg Conrad daran festhält, hat aber nur teilweise mit der Pandemie zu tun. Conrad freut sich:

«Die Verschiebung in den Herbst und der neue Name Gotthard Klassik-Festival hat ein enormes Medienecho ausgelöst.»

Und er sagt weiter: «Das ‹Opernmagazin.de› stellte uns in eine Reihe mit Häusern wie der Staatsoper Berlin, der Tonhalle Zürich oder den grossen Schweizer Klassikfestivals. Die Etablierung ist offenbar gelungen.»

Stilistische Vielfalt ist heute selbstverständlich

Inhaltlich führte das dazu, dass es statt eines Schwerpunkts zu Ostern noch mehr stilistische Vielfalt gibt. «Wie schon im letzten Herbst haben wir wiederum eine Big Band im Programm. Das führen wir auch in Zukunft so weiter», sagt Conrad und erklärt: «Heute rücken Klassik, Volksmusik und Jazz auch an den Musikhochschulen immer selbstverständlicher zusammen. Festivals sollten meiner Meinung nach diese Entwicklung mitmachen. Wichtiger als Stilfragen ist, dass die Musik die Menschen echt bewegt.»

«Ohne Optimismus könnte ich diesen Job gar nicht machen»: Jörg Conrad, Intendant des Gotthard Klassik-Festivals Andermatt, war Trompeter im Luzerner Sinfonieorchester und wohnt in Horw.

«Ohne Optimismus könnte ich diesen Job gar nicht machen»: Jörg Conrad, Intendant des Gotthard Klassik-Festivals Andermatt, war Trompeter im Luzerner Sinfonieorchester und wohnt in Horw.

Bild: Florian Arnold

Dass die Menschen gerade jetzt «nach Musik drängen», haben Conrad die vielen Reaktionen gezeigt. «Die Kultur hat im Bewusstsein der Menschen eine Bedeutung erlangt, die man ihr vor der Pandemie gar nicht zugetraut hätte», glaubt er. Und: «Vielen wurde erst durch den Lockdown bewusst, welchen Stellenwert sie hat, wie viel auf dem Spiel steht, wenn sie nicht stattfinden kann. Das gilt auch wirtschaftlich und gesellschaftlich, weil die Kultur unsere Gesellschaft zusammenschweisst.» Conrad geht noch einen Schritt weiter:

«Es klingt verrückt, aber ich kann mir vorstellen, dass die Pandemie der Kultur guttut, wenn es uns gelingt, die heutige Aufmerksamkeit und Dringlichkeit für die Zukunft zu bewahren.»

Tickets für Liebe und Leidenschaft ab 1. August

Im Fall des Gotthard-Festivals heisst das, dass es ein breiteres Publikum ansprechen will. Das reicht von den vier Tenören I Quattro über das Blechbläserquintett Generell 5 bis zum Saxofonquartett Strax Bravura. Das Belenus Streichquartett thematisiert mit Werken von Clara und Robert Schumann «Liebe und Leidenschaft». Volksmusik ist mit der Husistein Musik vertreten. Die Jazzsängerin Karin Bachner und The Pocket Big Band beschliessen das Festival mit einer Hommage an Ella Fitzgerald.

Das Konzertprogramm ist auf der Website des Festivals publiziert. Der Ticketverkauf startet aber erst am 1. August. Glaubt Conrad also selber noch nicht richtig an eine Durchführung im Herbst? «Doch», bekräftigt er und verweist auf die Einschätzungen, die er beim BAG eingeholt hat. «Demnach kann man bis August wegen der wärmeren Temperaturen und der Impfungen von einer sinkenden Tendenz ausgehen.» Aber momentan könne man nicht sagen, unter welchen Bedingungen das Festival durchgeführt werden kann: «Ob es reicht, jeden zweiten Platz frei zu lassen, ob es zusätzlich ein Contact-Tracing mit Ausweispflicht braucht, oder ob bis dahin gar geregelt ist, ob Veranstalter nur geimpfte Personen zulassen dürfen – im August dürften solche Rahmenbedingungen klarer sein. Ohne gesunden Optimismus wäre ein Festival zur heutigen Zeit gar nicht denkbar.»

Swiss Alps Classics im Juni

Auf Hochtouren laufen auch die Vorbereitungen für das Festival Swiss Alps Classics, das zwei von vier Konzerten ebenfalls in Andermatt durchführt. Es bietet vom 2. bis 5. Juni vier Konzertabende unter dem Motto «Variationen zum Thema Musik». Die vielfach preisgekrönte österreichisch-rumänische Pianistin Maria Radutu spielt und erklärt in ihrem Soloabend «Phoenix» (3. Juni, The Chedi Andermatt) Werke aus vier Jahrhunderten mit Liszts «Mephisto-Walzer Nr. 1» als pianistischem Höhepunkt. Die amerikanische Sopranistin Marisol Montalvo schildert in der One-Woman-Show «Mad Scene» Höhen und Tiefen des Berufsstandes einer Sängerin und wird bei Arien verschiedenster Stilrichtungen von Werner Lemberg begleitet (5. Juni 2021, Konzerthalle Andermatt).

Gotthard Festival Andermatt: www.swisschamber-musiccircle.ch, Tickets sind online auf ticketcorner.ch und in den Ticketcorner-Vorverkaufsstellen erhältlich.