FIGURENTHEATER: Tierische Figuren ziehen Kinder in ihren Bann

Das Stück «Karneval der Tiere» feierte am Samstag Premiere. Die Geschichte verzauberte das Publikum auch dank einer Neuheit.

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Szene aus «Karneval der Tiere» des Figurentheaters Petruschka. (Bild: Dominik Wunderli)

Szene aus «Karneval der Tiere» des Figurentheaters Petruschka. (Bild: Dominik Wunderli)

Ein Ballett tanzender Elefant, ein singender Esel und akrobatisch springende Kängurus: Nein, die (Tier-)Welt steht nicht kopf, sondern dies sind drei Zirkusnummern in der Geschichte «Karneval der Tiere», welche das Figurentheater Petruschka im Rahmen des Lucerne Festival am Samstag erstmals aufführte. Dicht gedrängt sahen und hörten 70 Kinder und ihre Eltern im ausverkauften Pavillon Tribschenhorn die detailreichen Figuren, denen von zwei ganz in Schwarz gekleideten Schauspielerinnen Leben eingehaucht wurde. In die Geschichte, die von einem Zirkus handelt, den die Tiere selbst auf die Beine stellen, wurden die Kinder interaktiv miteinbezogen. «Die Reaktionen der Kinder fallen erfahrungsgemäss immer unterschiedlich aus, sodass wir oft improvisieren», sagt Marianne Hofer, Leiterin des Figurentheaters Petruschka.

Aufwendige Inszenierung

Von Abweichungen vom Drehbuch bekam das Publikum allerdings kaum etwas mit. Und neben der erzählten Geschichte überzeugte die Aufführung insbesondere aufgrund ihrer aufwendigen Inszenierung: etwa die Sandmalereien, welche zu Beginn und am Schluss live gefertigt und auf eine Leinwand projiziert wurden, die in Neonfarbe leuchtenden und synchron schwimmenden Fische oder die zierliche Puppe der Seiltänzerin zum Schluss. «Am meisten gefallen haben mir die Kängurus und die Seiltänzerin wie sie sich bewegten, hat echt super ausgesehen», schwärmte der 11-jährige Jovin. Auch seine kleine Schwester Zoé (5) war hin und weg: «Die Dinosaurier haben lustig getanzt», sagt sie.

Dass die Aufführung auf positive Resonanz von Klein, aber auch von Gross stösst, kommt nicht von ungefähr. Schliesslich steckt viel Arbeit im Karneval, wie Marianne Hofer aufzeigt: «Für den Löwen allein habe ich gut eine Woche aufgewendet, vom Schnittmuster bis hin zum beweglichen Mund, der sich dank einer Klammer öffnen und schliessen lässt.» Die vielen Puppen insgesamt sind es elf verschiedene – seien dieses Jahr die grösste Herausforderung gewesen, was das Schauspielern und die Vorbereitungen gleicher- massen betreffen. Neu hergerichtet wurden ebenso alle Requisiten, vom mannshohen Zirkuszelt bis zum farbigen Wohnwagen.

Erstmals mit Live-Musik

Es ist schon das dritte Mal, dass das Figurentheater ein Stück am Lucerne Festival im Sommer aufführt. Ein Novum ist heuer die musikalische Live-Unterstützung: Ein Quartett unterstreicht mit Klavier, Flöte, Cello und Vibrafon das gezeigte Figurentheater noch in der akustischen Dimension. Die klassische Musik von Camille Saint-Saëns, der seinen «Karneval der Tiere» 1886 komponierte, wird durch die Einbettung in die Zirkusgeschichte kindergerecht wiedergegeben. «Dadurch bekommt die Musik eine ganz andere Bedeutung», sagt Klavierspielerin Stefanie Burgener.

Musik und Figuren-Schauspiel sind sorgsam aufeinander abgestimmt, das Zusammenspiel funktioniert. «Die ganze letzte Woche haben wir alle zusammen intensiv geprobt», so Stefanie Bur­gener. «Das Einstudieren der eigenen Elemente hat aber bereits im Januar begonnen.»

Und die Moral von der Geschicht ...

Auffallend an der Premiere vom Samstag war, dass die Kinder ab fünf Jahren mehrheitlich ruhig und aufmerksam das 60-minütige Stück verfolgten, obwohl sie immer wieder zum aktiven Mitmachen animiert wurden. Bis zur Schlussszene, bei der es mucksmäuschenstill war, waren die Kinder im Bann der Figuren. Wie die Geschichte endet, soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Wichtig scheint jedoch die Moral, die in der Erzählung steckt, denn diese beinhaltet Lehrreiches für die Kinder. So spricht etwa die erzählte Initiierung des Zirkus durch die Tiere selbst das Thema der Selbstentscheidung an: «Jeder darf machen, was er möchte und für richtig hält, und ist dadurch auch motiviert dafür», erklärt Marianne Hofer.

Niels JosT

Hinweis

Der «Karneval der Tiere» ist jeden Mittwoch, Samstag und Sonntag bis zum 27. September um 14.30 Uhr im Pavillon Tribschenhorn zu sehen. Abendaufführungen: 29. 8., 18. 9. und 25. 9. um 19.30 Uhr. Tickets online unter www.lucernefestival.ch/young oder an den Festivalkassen beim KKL und bei Musik Hug.