Fasnachtsgrafiken und Malereien: Ausstellung in Kornschütte zeigt das Werk von Luzerner Thyl Eisenmann

Die Kornschütte blickt auf das Werk von Thyl Eisenmann zurück. Dabei sind dessen Fasnachtsgrafiken nur der Anfang.

Susanne Holz
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Die Gedenkausstellung zeigt auch Malereien Thyl Eisenmanns.

Die Gedenkausstellung zeigt auch Malereien Thyl Eisenmanns.

Bild: Jakob Ineichen (Luzern, 5. Februar 2020)

Manchmal findet die erste umfassende Ausstellung eines Künstlers erst posthum statt. So wie jetzt im Fall von Thyl Eisenmann (1948-2015). Das Werk des verstorbenen Luzerner Zeichners und Malers erfährt aktuell eine Würdigung in der Kornschütte. Treibende Kräfte der Ausstellung sind Thyl Eisenmanns ältere Brüder, Olivier und Orlando, Musiker und Historiker der eine, Karikaturist und Illustrator der andere.

Am Tag vor der heutigen Vernissage, die auch eine Buchpräsentation beinhaltet, führen einen die beiden Brüder durch die im Aufbau begriffene Ausstellung und lassen so Werk und Person des Verstorbenen sichtbar werden. «Thyl war ein aktiver Fasnächtler», erzählt Orlando Eisenmann. «Er spielte Saxofon und Klarinette und war selber Akteur mit einer grossen Liebe für die Aktivitäten rund um die Fasnacht.»

Fasnachtsgrafik von Thyl Eisenmann von 1997.

Fasnachtsgrafik von Thyl Eisenmann von 1997.

Bild: Emanuel Ammon/ AURA Foto Film Verlag GmbH

Ein Eulenspiegel lockt die böse Stiefmutter

Orlando Eisenmann führt entlang der vielen, feinen und detailverliebten Fasnachtsgrafiken seines Bruders Thyl, entstanden zwischen 1978 und 2015. Fein sind diese Radierungen sowohl in ihrer Machart als auch im innewohnenden, liebevollen Humor. Ein Eulenspiegel lockt da die Stiefmutter von Schneewittchen, ein Clown erleidet Schiffbruch und eine leicht bekleidete Schöne tanzt auf dem Tisch.

In der zeitgleich zur Werkschau erscheinenden Monografie des Kunsthistorikers Ueli Habegger zum künstlerischen Werk von Thyl Eisenmann – «Thyl Eisenmann. Zeichner, Maler, Radierer: Künstler» – schreibt Bruder Orlando, dass die ersten Fasnachtsradierungen von Thyl Auftragsarbeiten verschiedener Guggenmusiken waren, mit vorgegebenen Themen. Einem Regisseur gleich habe der Künstler sein Ensemble auf den schönsten Plätzen vor den reizvollsten Fassaden Luzerns gruppiert. Orlando charakterisiert diese Fasnachtsgrafiken auch so: «Und es bleibt still und verträumt. Der Urknall ist nicht zu vernehmen.»

Gedenkausstellung wie Monografie widmen sich aber auch den Malereien Thyl Eisenmanns. Seine Acryl- und Ölgemälde setzen sich mit Werden und Vergehen, Natur und Mensch auseinander. Spannend zudem: In der Ausstellung zeigt ein Film den Künstler bei seinem Schaffen. Und in der Monografie beleuchtet Bruder Olivier den familiären Hintergrund: Vater Will Eisenmann war Komponist und Dramaturg, Mutter Eva Eisenmann-Westphal Geigerin und Autorin. Beide Elternteile waren vor den Nationalsozialisten in die Schweiz geflohen.

«Thyl Eisenmann (1948-2015). Zeichner, Maler, Radierer: Künstler». Ausstellung in der Kornschütte Luzern, Kornmarkt 3. Vernissage und Buchpräsentation, Donnerstag, 18-20 Uhr. Einführung: Ueli Habegger, Autor. Musik: Alfred Felder, Cello. Bis 13.2. Geöffnet Mo-Fr, 10-18 Uhr, Sa und So, 10-16 Uhr.