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FILM: 10000 Bleistifte gegen «Fake News»

An den 53. Solothurner Filmtagen ragen Schweizer Dokumentarfilme heraus. Vor allem «Die vierte Gewalt», der die Schweizer Medienlandschaft porträtiert, ist in Zeiten von «Fake News» und «No Billag» eine sehenswerte Dokumentation.
«Die vierte Gewalt»: Film über das Schweizer Mediensystem. (Bild: PD)

«Die vierte Gewalt»: Film über das Schweizer Mediensystem. (Bild: PD)

«Noch nie habe ich einen Männerfilm gesehen, der mich so sehr interessiert hat wie dieser.» Nicht eine Durchschnittszuschauerin, sondern die ehemalige Dozentin einer Schweizer Filmschule mit über zwanzig Jahren Lehrtätigkeit äusserte sich am Samstagabend beim Hinausgehen aus dem «Landhaus» so euphorisch. Die Begeisterung war zuvor auch drinnen im 700 Plätze umfassenden Saal mit Händen greifbar ­gewesen.

Dabei schienen weder Titel noch Handlungsanlage im ersten langen Kinofilm von Gregor Frei besonders originell oder viel versprechend zu sein: «Das Leben vor dem Tod». Der Regisseur, Jahrgang 1984, 2015 als einer von zehn Beteiligten am Kollektivfilm «Heimatland» bekannt geworden, ist gleichzeitig auch Co-Protagonist in einem fast zweistündigen Werk, in welchem man ­ansonsten vor allem zwei ego­zentrische ältere Männer sieht, die in einem abgelegenen Tessiner Dorf im Bleniotal miteinander herumzoffen. Der eine, Goffredo Frei, pensionierter Handwerker und Künstler, ist der Vater des Regisseurs – und der andere, Armin Gloor, pensionierter Psychologe, ist Goffredos Nachbar und Freund.

Umwerfender Sinn für Ironie

An seinem 70. Geburtstag werde er mit Exit aus dem Leben scheiden, hatte Armin Gloor als Mittsechziger verkündet, und es war ursprünglich Goffredos Idee gewesen, über und mit dem Sterbewilligen einen Film zu ­machen und ihn von seinem Plan abzubringen. Das Filmprojekt wurde dann aber gewissermassen auf halbem Weg von Sohn Gregor übernommen. Zusammen mit dem Vater drehte er während mehr als vier Jahren ­etwas, das er in Solothurn so ­definierte: «Das Leben passiert und der Film richtet sich danach – und nicht umgekehrt». Armin Gloors messerscharfe Intelligenz, gepaart mit umwerfendem Sinn für Ironie – «Hoffentlich isch dä Siäch gstorbä» sind etwa die letzten Worte des noch Lebenden – kippen nur selten in Sarkasmus. Das Thema des Lebens­endes ist im Schweizer Dokumentarfilm seit Jahren präsent, und so wurde an diesen Solothurner Filmtagen denn auch in diesem Jahr fleissig gestorben, könnte man salopp feststellen, so etwa in Kaspar Kasics «Das Erste und das Letzte» oder in Nathalie Oestreichers «Apfel und Vulkan – Auf der Suche nach dem, was bleibt».

Um den möglichen Tod der ­Medien, so wie wir sie heute noch kennen, ging es schliesslich in «Die vierte Gewalt», einer Reise durch die Schweizer Medienlandschaft. Der vom Publikum ebenfalls begeistert aufgenommene Film des Berner Regisseurs Dieter Fahrer ist in diesen Zeiten von «No Billag» und «Fake News» der wohl aktuellste Kommentar zum Zeitgeschehen. Nicht weniger als 10000 Bleistifte, in edlem Schwarz gehalten, am einen Ende sauber gespitzt, am andern mit Radiergummi versehen, hatten die Macher von «Die vierte Gewalt» in Kinos und Festivalzentrum aufgelegt.

Prinzipien des Journalismus auf den Punkt gebracht

Statt eines Firmenlogos prangt in der Mitte dieses traditionellsten Schreibgeräts des Journalisten die Webseite zum Film – derweil Pfeile Richtung Spitze vom Wort «News», und solche Richtung Radiergummi vom Wort «Fake News» begleitet sind. Knapper lässt es sich kaum auf den Punkt bringen, worum es letztlich in der Medienwelt geht. Dass Dokumentarfilme einfacher zu finanzieren sind als Spielfilme und dass Letztere gerade deshalb in einem kleinen Land ohne grosse Filmindustrie wie der Schweiz auf staatliche Förderung angewiesen sind, ist eine Binsenwahrheit.

Clemens Klopfenstein, ein Urgestein des Schweizer Experimentalfilms, hat mit «Das Ächzen der Asche» einen langen Kinofilm realisiert, den er gänzlich aus eigenen Mitteln und mit der Hilfe von Freunden realisiert. Regisseur Jonathan Jäggi hat seinen Erstling «Tranquillo» über einen Zürcher Hobby-DJ mit Tinnitus via Crowdfunding finanziert. Es ist ein Film von einer Lebendigkeit, die man bei manch etablierten Regisseuren vermisst.

Geri Krebs

Solothurner Filmtage

Infos zu den Filmen unter: www.solothurnerfilmtage.ch

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