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FILM: «Es ist immer das erste Mal»

Sie sind seit siebzehn Jahren im Geschäft – Lukas Hobi und Reto Schaerli von Zodiac Pictures. Während viele Innerschweizer Filmschaffende nach Zürich abwandern, sind die Produzenten ihrer Heimat Luzern in all den Jahren treu geblieben.
Regina Grüter
Reto Schaerli (links) und Lukas Hobi präsentieren das Filmplakat ihres jüngsten «Babys». (Bild: Eveline Beerkircher (Luzern, 9. Februar 2017))

Reto Schaerli (links) und Lukas Hobi präsentieren das Filmplakat ihres jüngsten «Babys». (Bild: Eveline Beerkircher (Luzern, 9. Februar 2017))

Regina Grüter

regina.grueter@luzernerzeitung.ch


Die Luzerner Lukas Hobi und Reto Schaer­li sind Zodiac Pictures. Oder Reto Schaerli und Lukas Hobi. Um zu entscheiden, welcher Name bei den Credits zuerst erscheint, werfen sie jeweils eine Münze. «Ich habe gerade einen guten Lauf», meint Schaerli und lacht. So ist ihr jüngstes Kind, «Die göttliche Ordnung», eine Reto-Schaerli-Lukas-Hobi-Produktion.

Für ihr junges Alter sind sie schon lange im Geschäft. Im April 2000 gründete Lukas Hobi (41) die Filmproduktionsfirma Zodiac Pictures, im November selben Jahres stiess Reto Schaerli (36) dazu, erst als Praktikant. Kennen gelernt haben sich die Filmfreaks durch Kollegen in der Bar des Luzerner Konzerthauses Schüür. Während die anderen fürs Konzert nach oben gingen, sind die beiden an der Bar hängen geblieben. Eine lange Freundschaft und Geschäftspartnerschaft nahm ihren Anfang.

«Man muss den Zeitgeist ­antizipieren»

Heute sind Schaerli und Hobi gleichberechtigte Partner und begleiten ihre Produktionen ab der ersten Sekunde; von der Idee bis zur Auswertung sind sie für alle Schritte verantwortlich. Die Vorstellung, dass der Filmproduzent allein für die Finanzierung zuständig sei, führen die beiden gründlich ad absurdum. «Das Geld ist nur ein kleiner Teil», erklärt Hobi ihre Arbeitsweise. Sie überwachen die Dreharbeiten, künstlerisch und ökonomisch. Bei einem grossen Projekt seien bis zu über hundert Leute angestellt, die alle einen Vertrag haben müssten. «Der Regisseur ist derjenige, der eine Vision hat oder eine Vision umsetzt, zu vergleichen mit einem Architekten. Wir sind die Bauleiter», verdeutlicht Lukas Hobi. Er kümmert sich mehr um die wirtschaftliche Komponente wie Finanzierung, Logistik und Vermarktung; Creative Producer Reto Schaerli hat als «Anwalt der Kreativen» mehr mit den Autoren und Regisseuren zu tun. Dadurch entstehe eine konstante Reibung. Aber: Alle grossen Entscheide würden gemeinsam gefällt.

Der Anteil an selber initiierten Projekten ist gross. Es würden wenig Filmstoffe an sie herangetragen, meinen sie. Wenn, dann eher aus Deutschland, wo ein Markt vorhanden sei; oder von Leuten, mit denen sie bereits zusammengearbeitet haben. So kennen die Produzenten Petra Volpe von «Traumland» her, einem Arthouse-Film, der im Zürcher Rotlichtmilieu spielt. Und von «Heidi», für den Volpe das Drehbuch schrieb (Regie: Alain Gsponer). Für die Umsetzung eines Films zum Thema Schweizer Frauenstimmrecht haben Zodiac Pictures die Drehbuchautorin und Regisseurin mit ins Boot geholt. Der Erfolg gibt ihnen recht. Nach der Weltpremiere an den Solothurner Filmtagen und sieben Nominationen für den Schweizer Filmpreis Quartz ist dem Spielfilm wohl eine siegreiche Kinolaufbahn beschieden. «Entscheidend ist das Timing», so Schaerli. «Man muss den Zeitgeist antizipieren.» Nimmt doch eine Produktion vom ersten Funken bis zur Vollendung mindestens vier Jahre in Anspruch.

Rund ein Dutzend ­ Projekte gleichzeitig

Nun ist es ein Allgemeinplatz, dass man im Filmgeschäft bei jedem neuen Projekt praktisch wieder auf Feld eins rückt. «Es ist immer das erste Mal. Absolute Sicherheit gibt es nicht», sagt Schaerli. Und Hobi ergänzt: «Filmemachen ist ein Prototypengeschäft.» Name und Beziehungen sind etwas, aber sogar ein Martin Scorsese musste jahrelang für seinen neusten Film «Silence» kämpfen. Ist das nicht entmutigend und auf Dauer zermürbend? Vielleicht werde das im Alter ein Thema, meint Reto Schaerli. Im Jetzt kann davon keine Rede sein. Mit grossem Elan und Enthusiasmus produzieren die Luzerner drei bis vier Langspielfilme pro Jahr – eine sehr hohe Zahl. Sie betreuen zehn bis zwölf Projekte in verschiedenen Stadien. Denn das Geheimnis des Erfolgs sei eine hohe Kontinuität, sagt Lukas Hobi. «Manchmal stirbt ein Projekt auch auf dem Weg zur Drehreife.»

Ein Thema aus verschiedenen Perspektiven beleuchten

Das tue weh, aber «wenn man nicht mit Enttäuschungen umgehen kann, darf man keine Filme machen». Die grösste Genugtuung ist es für Reto Schaerli, wenn der Plan aufgeht. Die Devise ist, ein Thema mittels klassischem Erzählkino aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten – in welchem Genre auch immer. «Ich fahre jetzt ganz anders durch diesen Tunnel» ist etwa eine Zuschauerreaktion auf die Grossproduktion «Gotthard», die Schaerli besonders freut.

Seit «Im Namen der Gerechtigkeit» (2001) von Stefan Jäger arbeiten Zodiac gut und eng mit dem Schweizer Fern­sehen zusammen. «SRF ist der wichtigste Förderer von konstantem Schaffen im Schweizer Film», sagt Hobi. Er ist Vizepräsident des 2004 gegründeten Vereins «Film Zentralschweiz», während Schaer­li mehr auf Bundesebene filmpolitisch aktiv ist. Schaerli meint: «Lukas ist wohl der noch leidenschaftlichere Luzerner als ich.» Neben ihrem Büro an der Pilatusstrasse mitten in Luzern haben die beiden aber doch noch ein zweites in Zürich, der Stadt mit der stärksten Filmförderung der Schweiz. Der Innerschweizer Filmpreis der Albert Koechlin Stiftung ist ein weiterer grosser Schritt hin zur Stärkung der Zentralschweiz als Filmregion.

Am 4. März gehen denn auch zwei Preise an Zodiac Pictures, für «Gotthard» und «Heidi» – beides Hobi-­Schaerli-Produktionen. Das war wohl vor Schaerlis «gutem Lauf».

Hinweis

Innerschweizer Filmpreis: 4./5. März im Stattkino und Bourbaki, Luzern. «Die göttliche Ordnung»: ab 9. März im Kino.

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