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FILM: Mark Hamill: «Ich fand ‹Star Wars› saukomisch»

Mitte Dezember kommt «Star Wars: Die letzten Jedi» in die Kinos. Untrennbar mit dem Science-Fiction-Abenteuer verbunden ist Mark Hamill. Der US-Schauspieler verkörpert seit den 70er-Jahren Luke Skywalker.
André Wesche
Mark Hamill: «Ich dachte, wir machen diesen spassigen Film.» (Bild: Lucasfilm)

Mark Hamill: «Ich dachte, wir machen diesen spassigen Film.» (Bild: Lucasfilm)

Interview: André Wesche

Der US-Amerikaner Mark Hamill ist Luke Skywalker, die Zentralfigur der klassischen «Star Wars»-Filme «Krieg der Sterne», «Das Imperium schlägt zurück» und «Die Rückkehr der Jedi-Ritter». An letzteren Film knüpfte 2015 die erfolgreiche Fortsetzung «Das Erwachen der Macht» an, für die der 66-Jährige zu seiner Rolle zurückkehrte. Nun ist Hamill auch in «Star Wars: Die letzten Jedi» zu erleben.

Mark Hamill, die Figur Luke Skywalker hatte einen grossen Einfluss auf Ihr Leben. Können Sie beschreiben, was Sie darin sehen?

Zunächst einmal hätte ich nie erwartet, dass sich diese Sache so lange hält, wie sie es tut. «Star Wars» ist überaus populär. Damit geht aber auch etwas anderes einher. Ich nahm an, diese Filme würden für mich mit schönen Erinnerungen verbunden bleiben. Aber es hat sich herausgestellt, dass sie niemals von der Bildfläche verschwunden sind. Es ist natürlich schön, mit einer Sache assoziiert zu werden, an der die ganze Familie gemeinsam Spass haben kann. Das ist eigentlich die grösste Befriedigung. Wer «Star Wars» damals als Kind gesehen hat, geht nun mit seinen eigenen Kindern ins Kino.

Erinnern Sie sich an Ihre erste Lektüre des Drehbuchs von «Star Wars»?

Ja. Es war ein netter, optimistischer, positiver Film. Ich habe darin immer eher ein Märchen gesehen als echte Science Fiction. Das Buch erinnerte mich stärker an den «Zauberer von Oz» als an «Forbidden Planet». Besonders markant war für mich der Humor. Die meisten Science-Fiction-Werke geben sich sehr ernst und trocken. Kubriks «2001» ist ein Klassiker, aber der Film ist nicht gerade sehr heiter. Ich las dieses «Star Wars»-Buch und fand es grossartig. Roboter stritten sich darüber, wer die Schuld trägt. Sie beklagten sich, wie sehr sie Ausflüge in den Weltraum hassen. Das war von einer sehr aufrichtigen Einfalt. Ich fand das Buch einfach nur saukomisch.

Haben Sie für die neuen Filme sofort zugesagt?

Als man mich fragte, ob ich wiederkomme, sagte ein Teil von mir ja, schliesslich hat es grossen Spass gemacht. Der andere Teil war in Schockstarre. Wie können wir die Fans noch einmal zufriedenstellen? Aber wenn ich es nicht noch einmal machen würde, wäre ich der meistgehasste Mann der ganzen «Star Wars»-Gemeinde. Zornige Fans würden sich mit Lichtschwertern vor meinem Haus versammeln wie die Bauern in «Frankenstein» mit ihren Fackeln und Forken.

Luke Skywalker hat vor 40 Jahren Ihr Leben verändert. Glauben Sie, es könnte jetzt noch einmal eine Wendung erfahren?

Nein. Ich sage Ihnen ehrlich, dass wir keine Ahnung hatten, was auf uns zukommt. Ich dachte, wir machen diesen spassigen Film. Ich hätte mir nicht vorstellen können, zu was für einer Supernova sich diese Geschichte entwickelt. Es ist um uns herum passiert, als hätten wir uns im Auge des Hurrikans befunden. Carrie, Harrison und ich haben den Film in ­Kanada beworben. In der Zwischenzeit lief er in den US-ame­rikanischen Kinos an. Als wir nach Chicago zurückkehrten, gab es diese grosse Menschentraube am Flughafen. Ich sagte zu den anderen: Hey, Leute, da muss jemand sehr Berühmtes im Flugzeug gewesen sein. Wir schauten uns um und erwarteten Mick Jagger oder so jemanden. Dann sagte ich zu Carrie: Schau mal, das Mädchen ist genauso gekleidet wie du im Film. Plötzlich sah ich auch Luke-Skywalker-Kostüme. Was passierte da?

Was für ein Gefühl ist es, eine eigene Actionfigur zu haben?

Mein Sohn Nathan wurde geboren, als wir «Das Imperium schlägt zurück» gedreht haben. Bei «Die Rückkehr der Jedi-Ritter» war er ein Kleinkind. Ich habe George Lucas gefragt, ob ich auf die Liste derjenigen gesetzt werden kann, die kostenlos mit «Star Wars»-Artikeln bemustert werden. Ich dachte an ein ­T-Shirt oder ein Soundtrack-Album. Ich hatte nicht damit gerechnet, auf elektrischen Zahnbürsten, Unterhosen oder Schlafsäcken abgebildet zu sein. Aber ich liebe all diesen Kram. Ich erinnere mich noch daran, als ich meinem Sohn sagte: Schau mal, mein Gesicht ist auf einer C-3PO-Cerealien-Verpackung. Er sagte nur: wie auch immer. Es hat ihn nicht interessiert. Aber ich fand es cool.

Waren Sie auch einmal von jemandem Fan?

Für mich als Elfjährigen waren die «Beatles» das Adäquat zu «Star Wars». Ich konnte es gar nicht fassen. Ich liebte die Musik so sehr, und sie waren so lustig drauf. Sie waren auch ziemlich exotisch, ich konnte ihren Akzent nicht einordnen. Ich kann die obsessive Natur des Fantums gut nachvollziehen. Man will alles über seine Idole wissen. Ich würde sie nicht stalken oder vor ihren Häusern herumlungern. Aber meine Faszination ging weit über ihre Musik hinaus.

Sind Sie ein Sammler?

Der Memorabilia-Aspekt ist faszinierend für mich. Ich hatte nie erwartet, welche Ausmasse das annehmen würde. Ich selbst sammle keine «Star Wars»-Artikel. Nathan heute schon. Er trug noch Windeln, als diese grossen Kisten von der Firma «Kenner» ankamen. Sein erstes Wort war «Mama». Und ich schwöre, sein drittes Wort war «Kenner». Er hat es sofort erkannt, wenn eine solche Sendung ankam. Natürlich haben wir sie ausgepackt. Ich weiss, dass ich sie als Sammler unversehrt auf den Dachboden hätte bringen müssen. In zehn oder fünfzehn Jahren würden sie ihren Wert enorm steigern. Aber was für ein Vater wäre ich gewesen, wenn ich gesagt hätte: Nein, lass uns die Sachen für deinen College-Fonds zurücklegen?

Und heute?

Heute schaut Nathan natürlich in die Sammlerkataloge und fragt mich, warum ich ihn die Puppe von Prinzessin Leia, gespielt von Carrie Fisher, habe auspacken lassen. Originalverpackt ist sie heute 1400 Dollar wert. Warum hast du zugelassen, dass ich ihr eine Sinead-O’Connor-Frisur verpasse? Ich konnte nur antworten: Weil du es so wolltest. Erst hast du ihre Haarknoten gelöst. Dann hast du die Haare geschnitten und sie sah aus wie die Eiskunstläuferin Dorothy Hamill. Ich habe die Entscheidung getroffen, dich damit spielen zu lassen. Auch wenn du dir heute eine goldene Nase auf Ebay verdienen könntest.

Apropos Leia. Lucasfilm hat versprochen, die verstorbene Carrie Fisher nicht via Computer wiederauferstehen zu lassen.

In «Rogue One» hat man Peter Cushing wiederbelebt. Das wirft ethische Fragen auf. Man muss die Genehmigung der Hinterbliebenen einholen. Es ist ziemlich nervenaufreibend, wenn man seine eigenen Kinder diskutieren hört: Sollen wir zustimmen, wenn sie Dad nach seinem Tod wiederauferstehen lassen wollen? – Kids, hallo? Ich bin hier im selben Raum. Vielleicht gibt es eines Tages eine perfekte Technologie. Heute kriegen sie meines Erachtens den menschlichen Blick noch nicht richtig hin. Aber wer weiss? Vielleicht wird man eines Tages wieder John-Wayne- oder Bob-Hope-Filme drehen. Heute schon verkaufen Gene Kelly oder Marilyn Monroe als Werbeträger Produkte.

Wie schwer ist es für Sie, auf Carrie Fisher verzichten zu müssen?

Wie man es auch immer dreht, man kann dieser Tatsache nichts Tröstliches abgewinnen. Zunächst war ich sehr zornig. Normalerweise war ihr Timing doch immer hervorragend. Carrie sollte im neunten Teil ihren ganz grossen Auftritt bekommen. Die Nachricht von ihrem Tod war einfach niederschmetternd. Sie ist unersetzlich. Ich kenne Carrie sehr genau. Wenn sie jetzt hier wäre, würde sie mit mir Unfug treiben. Sie hat mich immer zum Lachen gebracht. Als ich mit ihr nach so vielen Jahren wieder zusammentraf, geschah das auf einer sehr vertrauten und komfortablen Basis.

Star Wars: Die letzten Jedi

Ab 14. Dezember in den Kinos

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