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FILM: Nur die Spanier sind zufrieden

Das 71. Festival von Cannes hat einen glamourösen Fehlstart hingelegt. «Todos lo saben» des iranischen Oscarpreisträgers Asghar Farhadi erweist sich trotz Starbesetzung als Enttäuschung.
Laura (Penélope Cruz) trifft in ihrem Heimatdorf auf ihre Jugendliebe Paco (Javier Bardem). (Bild: Frenetic)

Laura (Penélope Cruz) trifft in ihrem Heimatdorf auf ihre Jugendliebe Paco (Javier Bardem). (Bild: Frenetic)

Nur ja nichts falsch machen, scheint sich der künstlerische Direktor Thierry Frémaux gesagt zu haben und programmierte am Dienstag zur Ouvertüre «Todos lo saben» von Asghar Farhadi. Der Iraner hat mit dem Meisterwerk «A Separation» (2011) den Oscar für das beste Drehbuch und mit dem – etwas überschätzten – Drama «The Salesman» (2016) den Oscar für den besten fremdsprachigen Film gewonnen. Nun hat er in Spanien ein Melodrama mit Penélope Cruz und Javier Bardem gedreht.

Der ideale Eröffnungsfilm also: Der Autorenfilmer Farhadi stellt die Cinéphilen zufrieden, das spanische Traumpaar Cruz-Bardem elektrisiert die People-Presse. Was auf dem Papier wie ein sicherer Wert erschien, stellte sich auf der Leinwand als Enttäuschung heraus. «Todos lo saben» ist ein seelenloser Film nach einem schwachen Drehbuch. Es wurde nicht ersichtlich, was Farhadi an diesem Stoff gereizt hat. Penélope Cruz spielt Laura, eine Spanierin, die in Buenos Aires lebt und mit ihren Kindern für eine Hochzeit in ihr Heimatdorf in der Nähe von Madrid zurückkehrt. Ihr Ehemann (Ricardo Darin) folgt ihnen später.

Die erste Stunde ist von gepflegter Belanglosigkeit: Hallöchen da, Küsschen dort. Schnell begreifen wir jedoch, dass Laura noch immer angetan ist von ihrer Jugendliebe Paco (gespielt von Cruz’ Ehemann Javier Bardem).

Weder Sittenbild noch Genrekino oder Autorenfilm

Als die laute Hochzeitsfeier den Zenit überschritten hat, kommt es zu einem Stromausfall. Morgens um vier merkt Laura, dass ihre 16-jährige Tochter Irene verschwunden ist. Bald erhält Laura ein SMS der Entführer, die 300000 Euro Lösegeld verlangen. Endlich etwas Drama!, denkt man und wird sogleich enttäuscht, weil sich Farhadi kaum für den Kriminalfall interessiert, weder für die Motive der Täter noch für die Entführte.
Stattdessen sorgt die Verzweiflung dafür, dass die Angehörigen ihre Vergangenheit aufarbeiten. Paco verkauft seine Weinberge, Laura macht ein Geständnis bezüglich der Vaterschaft ihrer Tochter. Diese Twists wirken bemüht und «drehbuchig».

«Todos lo saben» taugt weder als sozialkritisches Sittenbild (der Film hat nichts über die Gesellschaft zu sagen, die er porträtieren möchte) noch als spannendes Genrekino, obwohl er mit den dreckigen Schuhen einer Verdächtigen für ein wenig Suspense sorgt. Und schon gar nicht taugt er als kunstsinniger Autorenfilm – man merkt, dass der Iraner Asghar Farhadi in Spanien nicht in seinem Element war. Land und Leute, die er teilweise wie ein Tourist einfängt, blieben ihm fremd. Halt schien ihm einzig das Drehbuch zu geben. Das Resultat: ein geschwätziger Film ohne Bilder, die sich einprägen.

Zufrieden sein können einzig die Spanier. Nach dem Franzosen Cédric Klapisch («L’auberge espagnole»), dem Mexikaner Alejandro Gonzalez Inarritu («Biutiful») und dem Amerikaner Woody Allen («Vicky Cristina Barcelona») haben sie abermals einen namhaften Autor zum Drehen ins Land gelockt – mit massiven Steuerrabatten für die Produzenten. Diesmal ist leider nur Europudding dabei rausgekommen.

Christian Jungen, Cannes

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