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FILM: Paulina García brilliert in neuer Hauptrolle

Die Chilenin Paulina García hatte 2013 an der Berlinale den Silbernen Bären als beste Schauspielerin gewonnen. Nun ist die 58-Jährige erneut in einer grossartigen Hauptrolle zu bewundern.
Geri Krebs
Paulina García trotzt als «Desert bride» der Wüstenhitze. (Bild: Filmcoopi)

Paulina García trotzt als «Desert bride» der Wüstenhitze. (Bild: Filmcoopi)

Geri Krebs

kultur@luzernerzeitung.ch

Paulina García ist derzeit gleich in mehreren starken Frauenrollen zu sehen: In der Netflix-Serie «Narcos» spielt sie die Mutter von Drogenboss Pablo Escobar, im Politkrimi «La Cordillera» des argentinischen Regisseurs San­tiago Mitre verkörpert sie an der Seite von Argentiniens Superstar Ricardo Darín die chilenische Präsidentin – und im Erstlingswerk «La novia del desierto» ist sie die titelgebende «Desert ­bride», so der internationale Verleihtitel.

Das charmante Roadmovie, ein Erstlingswerk der beiden Argentinierinnen Cecilia Atán und Valeria Pivato, handelt von der Hausangestellten Teresa, die 30 Jahre lang bei ihrer Herrschaft in Buenos Aires gedient hat. Nun wird sie nicht mehr gebraucht, doch wenigstens haben die Arbeitgeber ihr eine neue Stelle verschafft. Allerdings ­befindet die sich nicht weniger als 1000 Kilometer weit von der argen­tinischen Hauptstadt entfernt, in der ganz im Nordwesten des Landes gelegenen Wüstenstadt San Juan. So bleibt der wenig reiseerprobten, stillen Frau nichts ­anderes übrig, als sich per Bus auf den Weg zu machen. Und als der unterwegs eine Panne erleidet und Teresa auch noch ihr Gepäck abhandenkommt, beginnt der tragikomische Selbstfindungstrip einer Frau, die plötzlich ganz ­ungeahnte Stärken in sich entdeckt.

Sinn für kleine und kleinste Gesten

Paulina García, 1960 in Santiago de Chile geboren, verkörpert diese Teresa mit spielerischer Leichtigkeit und einem traumwand­lerischen Sinn für kleine und kleinste Gesten. Und ihre unbändige Spielfreude steigert sich zusammen mit ihrem Filmpartner, dem zehn Jahre jüngeren argentinischen Komiker Claudio Rissi – im Film der etwas verschrobene fahrende Händler «el Gringo» –, zu wahren Höhenflügen. Der eigentlich handlungsarme Film wird dabei ganz von der stupenden Präsenz dieser beiden immer etwas linkisch wirkenden ­Figuren, hineingeworfen in eine grossartige Wüstenlandschaft, getragen.

Und Paulina García ist eine Schauspielerin, die durchaus ­Erfahrung darin hat, wie es ist, wenn ein Film ganz allein von ihrer Präsenz lebt. Die Rede ist natürlich von «Gloria» ihres Landsmannes Sebastián Lelio, ­jener Tragikomödie um eine Mittfünfzigerin, mit dem sie 2013 an der Berlinale für ihre schauspielerische Leistung den Silbernen Bären gewann.

Paulina García, an diesem sonnigen Septembertag im spanischen San Sebastián, wo der Film kurz vor seiner Schweizer Vorpremiere am Zurich Film Festival nach Cannes seinen zwei- ten Festivalauftritt hatte, seufzt leicht, als im Gespräch der Titel jenes Films auftaucht, der sie weltbekannt machte. «Ja, natürlich, es stimmt, ‹Gloria› hat alles verändert, ich war zwar schon während 30 Jahren in meinem Land eine recht bekannte Schauspielerin in Theater, TV und Film gewesen, doch Sebastián Lelio hat mir den internationalen Durchbruch ermöglicht», meint sie dann freundlich und lächelt. Doch man merkt ihr an, sie musste wohl schon ein paar Mal zu viel Auskunft geben über jenen Film mit ihrer 100-minütigen schauspielerischen Parforce-Tour, der von nichts mehr und nichts weniger handelt als von der in unzähligen Bonmots, Sentenzen und Zoten beschworenen schieren Unmöglichkeit einer Frau über 50, noch einen Mann zu finden – zumindest einen, der ernsthaft an einer Liebesbeziehung interessiert ist.

Koproduktionen sichern südamerikanische Filme

Man könne die beiden Filme kaum miteinander vergleichen, sagt sie dann auf die Frage, welcher die grössere schauspielerische Herausforderung dargestellt habe. Anstrengender sei auf jeden Fall «La novia del desierto» gewesen. Bei meist über 40 Grad in der Wüste zu agieren, sei kein Pappenstiel, gibt sie zu bedenken. Und sie lacht dann laut, als sie sagt, schliesslich werde sie auch nicht jünger, und da merke man halt physische Anstrengungen in zunehmendem Masse. Dass sie nun als Chiles weiblicher Superstar – auch in Chile war «Gloria» einer der erfolgreichsten einheimischen Filme überhaupt – als Protagonistin in einem argentinischen Film eine Argentinierin verkörpert, war für sie in keinem Moment ein Problem. «Sie spielen wohl auf die traditionelle Rivalität zwischen beiden Ländern an?», fragt sie und erklärt dann, dass die Kultur schon längst verstanden habe, was leider manche Politiker immer noch nicht begriffen: dass nationale Grenzen keine Rolle spielten und dass man nur in internationaler Zusammenarbeit weiterkomme.

Gerade das jüngere lateinamerikanische Kino sei dafür doch ein wunderbares Beispiel: «La novia del desierto» ist eine argentinisch-chilenische Koproduktion, wie es in den letzten Jahren schon zahlreiche gegeben hat, und dann gebe es ja auch noch Länder wie Venezuela, denen es wirtschaftlich so schlecht gehe, dass sie alleine schon längst keine Filme mehr realisieren könnten. Und sie verweist auf «Desde allá – Los amantes de Caracas» («einer der besten lateinamerikanischen Filme überhaupt») des Venezolaners Lorenzo Vigás. Er gewann als erster venezolanischer Film überhaupt im Jahr 2015 am Filmfestival Venedig den Goldenen Löwen – und er war eine mexikanisch-venezolanische Koproduktion mit einem chilenischen Hauptdarsteller.

Hinweis

«La novia del desierto» läuft ab Donnerstag im Stattkino Luzern.

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