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FILM: Rassenwahn im Vorzeigeland Schweden

Amanda Kernell erzählt in ihrem Début «Sami – A Tale from the North» von der ­Demütigung der Samen im Schweden der 1930er-Jahre.
Walter Gasperi
Elle Marja (Lene Cecilia Sparrok) verleugnet ihre Herkunft. (Bild: Xenix)

Elle Marja (Lene Cecilia Sparrok) verleugnet ihre Herkunft. (Bild: Xenix)

Amanda Kernell, die selbst Tochter eines Samen und einer Schwedin ist, hat für ihren ersten Spielfilm eine klassische Form gewählt: Das Begräbnis der Mutter von Elle Marja dient ihr als Rahmen, um die inzwischen selbst alte Frau auf ihre Jugend zurückblicken zu lassen. Präzise beschreibt die Regisseurin am Schicksal der 14-Jährigen die Demütigungen und Schikanen, die die Samen in den 1930er-Jahren in Schweden, das doch als Vorzeigeland des Sozialen gilt, erfahren mussten. Wie indigenen Völkern in anderen Ländern von den Maoris in Neuseeland bis zu den verschiedenen Nationalitäten in der Sowjetunion war auch den Samen in dieser Zeit die Benutzung ihrer eigenen Sprache in der Öffentlichkeit strikt verboten. Jedes Fehlverhalten wurde mit Schlägen bestraft.

Wie Zirkustiere werden die Schülerinnen des Internats, das Elle Marja (Lene Cecilia Sparrok) mit ihrer jüngeren Schwester (Mia Erika Sparrok) besucht, vorgeführt, als eine Abordnung aus Uppsala kommt. Unweigerlich Assoziationen an den nationalsozialistischen Rassenwahn stellen sich ein, wenn die Körper der Samen in der Biologiestunde detailliert vermessen und sie nackt fotografiert werden.

Nicht verwundern kann es daher, dass Elle Marja aus diesem Leben als Samin ausbrechen und sich an die schwedische Kultur anpassen will. Sie träumt davon, Lehrerin zu werden, muss aber bald erfahren, dass Samen der Besuch einer höheren Schule nicht gestattet ist. Dennoch versucht die Jugendliche ihr Glück in der Stadt, muss aber auch dort bittere Erfahrungen machen. Leise, aber erschütternd erinnert Kernell gerade durch die Konzentration auf die von Lene Cecilia Sparrok grossartig gespielte Protagonistin an diesen schwedischen Rassismus. Gleichzeitig erzählt sie aber auch bewegend von diesem Befreiungsversuch Elle Marjas und dem Preis, den sie für diesen Bruch mit ihren Wurzeln, die Verleugnung der eigenen Identität und die bedingungslose Anpassung an den schwedischen Lebensstil zahlen muss. Wesentlich zur Dichte von «Sami» trägt bei, dass Kernell nicht versucht, das ganze Leben der selbstbewussten Samin nachzuerzählen, sondern sich auf ihre Jugend und ihren Bruch mit der Familie und ihrem Umfeld konzentriert. Immer wieder macht die 38-jährige Regisseurin dabei in langen Einstellungen, in denen sie Elle Marja im Raum isoliert, die Einsamkeit dieses Teenagers erfahrbar. Viel Zeit lässt sie auch der in jeder Szene präsenten Sparrok, die Gefühle ohne viele Worte einfühlsam zu vermitteln.

Durch diese ruhige Erzählweise entwickelt der Film, der auch eine Coming-of-Age-Geschichte erzählt, eine Tiefe und emotionale Kraft, die dafür sorgen, dass man das fiktive individuelle Schicksal Elle Marjas nicht so schnell vergisst.

Walter Gasperi

Ab Donnerstag im Kino.

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