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FILM: «Tarantino ist mir sehr wichtig»

Ennio Morricone ist 87 Jahre alt und komponiert erstmals seit 40 Jahren wieder Filmmusik für einen Western. Dabei faszinierten ihn die Bösewichte.
«Mein Job hilft mir, Fortschritte zu machen», sagt Ennio Morricone auch noch mit 87 Jahren. (Bild: Keystone)

«Mein Job hilft mir, Fortschritte zu machen», sagt Ennio Morricone auch noch mit 87 Jahren. (Bild: Keystone)

Interview Steffen Rüth

Seit 40 Jahren hatte Ennio Morri­cone, dessen Musik für Sergio Leones Filmklassiker «Spiel mir das Lied vom Tod» eine der berühmtesten aller Zeiten ist, nicht mehr für einen Western komponiert. Bis Quentin Tarantino kam und den Maestro um den Soundtrack für seinen neuen Film «The Hateful Eight» (Start: 28. Januar) bat. Und Morricone lieferte.

Ennio Morricone, was hat Sie an «The Hateful Eight» gereizt?

Ennio Morricone: Für mich ist dieser Film kein Western, wie alle sagen. Sondern vielmehr ein Abenteuer, ein historisches Drama, das in den USA spielt. Mit sehr interessanten Bösewichten. Vielleicht die schlimmsten Bösewichte der Kinogeschichte. Das war sehr interessant für mich. Die Musik, die ich komponiert habe, ist jedenfalls keine Westernmusik.

Mögen Sie im Film generell die Böse­wichte lieber als die Guten?

Morricone: In normalen Filmen mag ich die Bösen überhaupt nicht gern. Ich ziehe die Guten vor. Aber in diesem Film sind die Bösen so interessant, dass ich sie mag. Sie spielen eine relevante Rolle; in diesem Drama sind sie sehr wichtig. Vergleichen wir es mit Shakespeare: Jago ist in «Othello» ja auch kein guter Mensch, aber er ist so stark und mächtig. Seine Figur unterstützt das gesamte Drama.

Sind Ihnen die Gewaltszenen in Taran­tinos Filmen manchmal zu heftig?

Morricone: Einige Szenen in Tarantino-Filmen sind extrem gewalttätig. Das hat mich manchmal schockiert. Aber dann habe ich noch mal nachgedacht. Ich glaube, Tarantino verwendet diese sehr gewalttätigen Szenen, um ein Statement zu machen: für die Schwachen, die Unterlegenen, die Minderheiten. Wenn er den Horror der Gewalttätigkeit gegen diese Menschen zeigt, will er sie womöglich unterstützen und verteidigen. Diesen Horror, diese Gewalt zu zeigen, ist ein menschlicher Akt. Manchmal, wenn wir eine sehr gewalttätige Szene in einem Film sehen, erinnern wir uns für immer daran. Wir erinnern uns an den Horror. Sehr selten denken wir an das Opfer dieser gewalttätigen Szene. Tarantino will unsere Aufmerksamkeit auf die Opfer lenken.

Was war Ihnen beim Komponieren der Musik für «Hateful Eight» wichtig?

Morricone: Ich war sehr glücklich darüber, mit Tarantino zu arbeiten. Das bereitete mir grosse Freude. Was ich wirklich wollte: Ich wollte für diesen Film etwas völlig anderes schreiben. Es sollte anders sein als die Musik, die ich für frühere Western komponiert habe. Und auch anders als die Musik aus früheren Tarantino-Filmen. In der Vergangenheit hat Tarantino verschiedene Stücke von unterschiedlichen Musikern verwendet. Die Musik war sehr gut, aber ihr fehlte die Kontinuität.

Tarantino hat Sie gebeten, den «Django Unchained»-Soundtrack zu komponieren. Warum haben Sie das Angebot ausgeschlagen und ihm nur ein Stück zur Verfügung gestellt?

Morricone: Ich erinnere mich nicht daran, dass mich Tarantino gebeten hätte, den Soundtrack für diesen Film zu komponieren. Er bat mich, den Soundtrack für «Inglorious Basterds» zu schreiben, ich lehnte ab. Bei «Django Unchained» wurde ich nur um ein einzelnes Stück gebeten. Bei «Inglorious Basterds» gab mir Tarantino zu wenig Zeit. Mir blieben nur zwei Monate, das war mir zu kurz.

Sie haben aber daraufhin gesagt, dass Sie nie wieder mit Tarantino arbeiten wollten.

Morricone: (lebhaft) Das ist ein grosses Missverständnis. Jeder fragt mich danach. Ich habe das nie gesagt. Und auch Taran­tinos Filme nie kritisiert. Oder die Art, wie er seine Musik verwendet. Manchmal geht es bei dem Gesagten nur um winzige Nuancen. Die werden dann verkürzt wiedergegeben. Nach dem Motto: Morricone will nicht mehr mit Tarantino ar­beiten. Aber das stimmt nicht. Es tut mir leid, dass es zu diesem Missverständnis kam. Tarantino ist mir sehr wichtig.

Wie würden Sie Ihr Verhältnis zu Taran­tino beschreiben?

Morricone: Ich kann nicht sagen, dass wir Freunde sind, weil wir uns erst kürzlich persönlich getroffen haben. Ich habe ein paar Stunden mit ihm verbracht. Er besuchte mich zu Hause in Rom, wir waren zusammen essen, dann kam er später zur Aufnahme nach Prag. Mein Eindruck ist: Er ist ein sehr netter, liebenswerter Typ. Er hat mir völlig vertraut. Er hat sich so über die Musik gefreut, die ich komponiert habe. Er hat gesagt, er würde sich freuen, wenn ich die Musik für seinen nächsten Film komponieren würde. Ich denke, ich werde das tun.

Sie sind 87 Jahre alt und arbeiten immer noch viel. Sind Sie ein Workaholic?

Morricone: Nicht unbedingt. Ich arbeite viel, das ist wahr. Der Grund dafür ist: Mein Job hilft mir, Fortschritte zu machen. Wenn ich die Musik höre, die ich vor einigen Jahren komponiert habe, erkenne ich, dass ich Fortschritte gemacht habe. Zugleich denke ich weiter darüber nach, was ich besser hätte machen können. Ich weiss, dass ich mit der Zeit und meinen Erfahrungen leichter verständlich geworden bin. Das ist sicherlich ein Fortschritt. Zugleich ist es möglich, dass meine Technik darunter gelitten hat. Ich denke immer noch darüber nach. Das ist ein stetiger Prozess. Dass ich so viel arbeite, hilft mir, mir diese Frage zu stellen.

Sie machen es sich ganz schön schwer, nicht wahr?

Morricone: Ich kann nicht anders. Meine Karriere basiert auf Selbstkritik. Auf sehr strenger Selbstkritik. Wenn ich weiter arbeite, werde ich auch mit diesem Prozess weitermachen.

Ennio Morricone: Soundtrack «The Hateful Eight» (Universal)

Bewertung: 4 von 5 Sternen

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