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Blue Balls: Film über den obercoolen Popstar des Jazz

Ist über Miles Davis nicht fast alles gesagt? Der Film «Birth of the Cool», der jeden Abend am Blue Balls gezeigt wird, beweist das Gegenteil.
Pirmin Bossart
Miles Davis bei einem Auftritt 1986 in New York. (Bild: Peter Carrette/Getty)

Miles Davis bei einem Auftritt 1986 in New York. (Bild: Peter Carrette/Getty)

Regisseur Stanley Nelson hat mit dem Dokfilm «Miles Davis – Birth of the Cool» ein sensationelles Porträt des grossen Musikers realisiert. Der Film wird am Blue Balls jeden Abend im KKL Auditorium gezeigt. Viel tolles Archivmaterial, aussagekräftige Interviews, rare Fotos und Filmausschnitte, die man noch nie gesehen hat, werden im fast zweistündigen Werk verdichtet.

Die Geschichte wird mit Auszügen aus der Autobiografie von Miles Davis erzählt. Da ist die leise und heisere Raspel-Stimme, die von Cal Lumbly gesprochen wird. Man meint, Miles zu hören. Miles Davis (1926-1991) hat die Entwicklung des modernen Jazz mehrere Jahrzehnte mitgeprägt. Er war schon in den 1950ern Inbegriff des «cool man», der sich nicht nur elegant kleidete, sondern mit seinem gedämpften Sound und lyrisch-melodiösen Linien einen «coolen» Kontrapunkt zur abgehobenen Virtuosität des Be Bop gesetzt hat.

Opfer von Rassismus 
und eigene Heroinsucht

Die Geschichte von Miles Davis wird chronologisch erzählt: Erste Begegnung mit Charlie Parker und Dizzie Gillespie, seine Romanze mit Juliette Gréco in Paris, dann die ernüchternde Rückkehr in die rassistisch geprägten USA. Davis wird heroinsüchtig, kommt davon los, hat ab Mitte der 1950er-Jahre die ersten Erfolge und veröffentlicht 1959 «Kind of Blue» (1959). Das Album gilt als das meist verkaufte Jazzalbum. Es machte Miles zum Mainstream-Star.

Ab 1964 spielt er schwindelerregend grandiosen Jazz mit seinem zweiten Quintett, das er wie schon auf «Kind of Blue» mit einigen der besten jungen Musiker besetzte, die später selber Jazzgeschichte schreiben (Wayne Shorter, Herbie Hancock). 1975 zieht er sich, abgekämpft und wieder süchtig geworden, aus dem Business zurück. In den 1980ern feiert er ein Comeback und stirbt 1991 mit 65 Jahren an einem Schlaganfall.

Mit elektrischen Fusionen und späteren Abwandlungen wurde er zu einem Wegbereiter für die Elektronik-Fusion-Szene und den Hip-Hop. Er trat auch regelmässig in Montreux auf.

Der Film wirft auch ein ungeschminktes Licht auf Davis’ dunkle Seiten. Seine Sucht, seine oft ausgrenzende Eigenwilligkeit oder sein gewalttätiger Umgang mit seiner zweiten Frau Frances Taylor, die er innig liebte, aber auch eifersüchtig beherrschte. Es ist berührend, wie die 88-jährige Frau, die Ende 2018 gestorben ist, im Film ihre Zeit mit Miles Davis reflektiert.

Das filmische Porträt ist so spannend und gut gelungen, dass auch langjährige Miles-Fans ihre Freude daran haben und neue Facetten entdecken werden. Und wer Miles Davis bisher nicht verfolgt haben sollte, wird nach diesem Film sofort seine Musik hören wollen.

«Miles Davis – Birth of the Cool»: 19. bis 27 Juli, jeweils 21 Uhr im KKL Auditorium.

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