Film
Oscar-reife Leistung von Glenn Close in «The Wife»

Glenn Close spielt in «The Wife» die Frau eines Nobelpreisträgers und rechnet leise mit dem Patriarchat ab.

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Glenn Close - hier bei der Verleihung der Tony Award 2017.

Glenn Close - hier bei der Verleihung der Tony Award 2017.

KEYSTONE/AP Invision/MICHAEL ZORN

Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine Frau, die ihm den Rücken freihält. Aus dieser Redewendung hat der schwedische Regisseur Björn Runge einen Film gedreht. In «The Wife» erzählt er die Geschichte von Joan (Glenn Close) und Joe Castleman (Jonathan Pryce), einem in die Jahre gekommenen Intellektuellen-Ehepaar. Joe gilt als einer der bedeutendsten US-Gegenwartsliteraten, der sich gern im Glanz der eigenen Bedeutung sonnt. Joan steht an seiner Seite, ein Stück hinter ihm.

Der Film beginnt mit einem Anruf aus Stockholm. Joe Castleman bekommt den – aus seiner Sicht hochverdienten – Literaturnobelpreis. In Rückblenden wird erzählt, wie alles begann. Sie: die talentierte Studentin. Er: ihr verheirateter Professor. Dann nimmt das Schicksal seinen Lauf und das Bild des Vorzeige-Ehepaars bekommt nach 40 Jahren Risse.

Dreh- und Angelpunkt des Films, der auf einem Roman von Meg Wolitzer beruht, ist Glenn Close, die sich auskennt mit den grossen Beziehungsdramen. Unvergessen die Badewannen-Szene ihrer mörderischen Liebe zu Michael Douglas in «Fatal Attraction». Oder als Intrigantin in «Dangerous Liaisons», wo sie versuchte, John Malkovich in den Abgrund zu reissen. Ihre Darstellung der Joan ist nun ungleich unaufgeregter, aber mindestens so packend. Mit feiner Ironie rechnet der Film mit dem Klischee des erfolgreichen Mannes ab. Kleine Nuancen im Gesicht von Glenn Close, kleine Zuckungen im Mundwinkel zeigen, dass es hinter der ruhigen, fast stoischen Fassade zu brodeln beginnt. Da ist eine Frau, die viel mehr ist als das charmante Anhängsel ihres Mannes. Eine Frau, die ihren nach Aufmerksamkeit heischenden Mann und dessen Affären nur noch schwer ertragen kann.

Nach und nach reisst der Film Fassade um Fassade herunter, bis beide Protagonisten in einem völlig anderen Licht erscheinen. So gelingt eine vordergründig leise, aber grundlegende Abrechnung mit dem Patriarchat.

«The Wife» (USA/Schweden) mit Glenn Close. Regie: Björn Runge. Ab Do im Kino.