Kurzfilme über Homeschooling und bizarre Folgen einer Impfung: Schweizer Filmemacher verarbeiten die Coronakrise

Der Lockdown wegen des Coronavirus trifft die Künstler hart. Immerhin: Die Krise setzte grosse Kreativität frei. Wie, das lässt sich nun auf SRF in 33 Kurzfilmen sehen.

Daniel Fuchs
Drucken
Teilen
Wie in die Öffentlichkeit schleichen? In «Dass niemand weiss» lassen Alte viel Fantasie walten.

Wie in die Öffentlichkeit schleichen? In «Dass niemand weiss» lassen Alte viel Fantasie walten.

Bild: Screenshot SRF

Ein wenig können wir nun schon darüber lachen. Nach Wochen des Heimunterrichts und Homeoffice schauen wir gerne in die vier Wände desjenigen Filmemacher-Paars, das den eigenen Familienwahnsinn während der Coronakrise filmisch festgehalten hat. «Heimschule bei Klugscheissers» heisst einer von 16 Kurzfilmen aus der Deutschschweiz, die das Schweizer Fernsehen SRF nun aufgeschaltet hat.

Nur zwei Wochen hatten die Filmemacher Zeit, einen Kurzfilm mit ihrer Sicht auf die Krise abzuliefern. Das ist rekordverdächtig.

«Gerade in der freien Filmszene der Schweiz ist man sich gewohnt, dass allein die Postproduktion viel Zeit in ­Anspruch nimmt»

, sagt Urs Augstburger, bei SRF verantwortlich für diese «Lockdown-Collection».

In der SRG den Geldgeber gefunden

Anfang April seien drei Produzenten aus der Romandie, der italienischsprachigen Schweiz und der Deutschschweiz auf die SRG zugekommen, mit dem Vorschlag eines Wettbewerbs zur filmischen Verarbeitung der Coronakrise, so Augstburger. «Mit der Idee, Aufträge für die von der Krise stark getroffenen Filmemacher zu generieren.»

Die Verantwortlichen bei der SRG fanden den Vorschlag gut und im von den SRG-Regionalgesellschaften geäufneten «Pacte de l’audiovisuel» ein unkompliziertes Mittel zur Finanzierung.

5000 Franken für jedes der 33 Projekte

Über 80 Bewerber hätten auf die Ausschreibung Anfang April hin ihre Konzepte eingereicht. Eine Jury, bestehend aus Produzenten und SRG-Verantwortlichen hat daraus 33 Projekte erkoren. «Die hohe Zahl der Einsendungen und die Qualität haben uns überrascht», sagt Augstburger.

Zur Realisierung erhielt jedes der 33 Projekte 5000 Franken. Auch das Bundesamt für Kultur fand die Idee gut und sprach für drei Produzenten aus den Sprachregionen insgesamt 150'000 Franken. Da kam immerhin etwas zusammen: Die Filmbranche ist vom Lockdown stark betroffen. Filme werden nicht mehr in den Kinos gezeigt, Dreharbeiten sind wegen der Massnahmen gegen das Coronavirus ganz oder teilweise auf Eis gelegt.

Unter den 16 Beiträgen aus der Deutschschweiz finden sich Kurzfilme bekannter Regisseurinnen und Regisseure wie Andrea Štaka oder Michael Steiner. Heute Abend werden sie auf SRF ausgestrahlt. Darunter sind Doks wie der eingangs erwähnte oder «Echo», der in schönen Bildern zwei Bergler aus Grindelwald begleitet und sie über ihren Blick auf Corona und die Krise sinnieren lässt.

Ironie beim Abstandgebot zwischen den Generationen

Auch Fiktionen wurden eingereicht: «Nebenwirkungen» zum Beispiel wagt einen Blick in die Zeit, in der es einen Impfstoff gegen das Sars-CoV-2-Virus gibt. Doch eben, leider mit unerwarteten Nebenwirkungen: Geimpfte verwandeln sich zu Haustieren und ein paar übriggebliebene (ungeimpfte) Menschen fangen die Kätzchen und Hündchen ein. Bis das Virus mutiert.

Oder «Dass niemand weiss» von Martin Guggisberg über rebellierende Alte, die sehr viel Fantasie walten lassen in der Krise.

Bis zu zehn Minuten dauern die Beiträge. Derzeit arbeiten die Fernsehmacher an den Untertiteln. Noch diesen Monat sollen sämtliche 33 Kurzfilme in allen Landesteilen zugänglich sein. Ein Wettbewerb mit einer Preisvergabe ist nicht geplant.

«Collection Lockdown» by Swiss Filmmakers: Online in der SRF-Mediathek und heute Abend in der «CH Filmszene».