Serien-Hit
Als Aids Europa erreicht: Diese Miniserie offenbart die wahren Sünder einer Pandemie

«It’s A Sin» begleitet ein Trio in Schwulenclubs durch die 1980er in London. HIV ist da noch unbekannt. Eine grosse Entdeckung.

Daniel Fuchs
Drucken
Teilen
Liebes- und Sexszenen: Mit ihnen geizt «It’s A Sin» nicht.

Liebes- und Sexszenen: Mit ihnen geizt «It’s A Sin» nicht.

Bild: Red Production Company

Sie sind schwul, wechseln ihre Sexpartner so häufig, dass einem schwindlig wird, und konfrontieren das London der 1980er mit einem nonkonformistischen Gegenentwurf: Ritchie, Roscoe und Colin bilden das Trio, das die britische Miniserie «It’s A Sin» durch ein ganzes Jahrzehnt begleitet.

Da ist Colin, ein schüchterner junger Mann aus Wales, der für ein Praktikum in einem Herrenkonfektionsgeschäft nach London kommt und im Umfeld aufblüht.

Der Trailer zu «It's a Sin».

Quelle: Youtube

Da ist der queere Roscoe, Sohn streng religiöser Einwanderer aus ­Nigeria, der sich gerne in Frauenkostümen kleidet und seine Homosexualität offen ausleben will.

Eine Packung Kondome fliegt über die Reling – und wir ahnen Schlimmes

Und da ist der auf einer Atlantikinsel aufgewachsene Ritchie, der in London Schauspielerei statt Jurisprudenz studiert, wie er seine Eltern glauben lässt. Das Geständnis, sie diesbezüglich hinters Licht geführt zu haben, fällt Ritchie bedeutend leichter als das Coming-out.

Auf der Überfahrt ans Festland drückt ihm sein Vater eine Packung Kondome in die Hand. Dass Ritchie die Frauenherzen nur so zufliegen werden in London, daran hegt der selbstgefällige Dad keinen Zweifel. Später betrachtet Ritchie die Kondome schmunzelnd und wirft sie in hohem Bogen über die Reling. Eine frühe Vaterschaft, weiss er, müssen seine Eltern nicht fürchten.

Die Szene ist bezeichnend für den vorherrschenden Zeitgeist: Die Vorstellung, der Sohn könnte auf Männer stehen, ist abstrus, Homosexualität wird tabuisiert. Die Szene hinterlässt auch ein fahles Gefühl in der Magengrube der Zuschauer. Die Kondome könnten Ritchie schliesslich auch das Leben retten.

Schwule in der «Jauchegrube» und dem Zeitgeist ausgeliefert

Bereits werfen Nachrichten aus Amerika über eine mysteriöse Erkrankung, die unter schwulen Männern kursiert, einen Schatten auf die Fröhlichkeit. Niemand weiss etwas über Aids, und diejenigen mit Wissen informieren nicht. Die Kondome werden erneut zum Thema, als Ritchies neuer Partner zwar ein Gummi benutzen will, ihn jedoch als Lusttöter empfindet und doch darauf verzichtet. Kurz darauf bricht bei Ritchies Partner Aids aus.

Dasselbe Schicksal ereilt Colin. Seine Erkrankung erschüttert die Clique, zu der auch die gemeinsame Freundin Jill gehört, in ihren Grundfesten. Als einzige im Bunde erkennt sie die Tragweite und rät zu etwas Zurückhaltung.

«Wenn er sich in diese Jauchegrube begeben will, ist das sein Problem», wird der Mutter des erkrankten Colin beschieden, als sie diesen im Spital abholen will. Doch als «öffentliche Bedrohung» wird Colin eingesperrt.

Die fünf Episoden von «It’s A Sin»zeigen neben hochtrabenden Gefühlen vor allem, wie himmeltraurig die ersten Aids-Patienten in Europa behandelt worden sind. Und darin liegt die wahre Sünde.

«It’s A Sin»; Regie: Russell T. Davies. Jetzt bei Starzplay und Sky Show.

Aktuelle Nachrichten