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Wetten, dass es an den langweiligen Moderatoren liegt?

«Wetten, dass ..?» wird morgen Abend beerdigt. Zweifellos ist Moderator Markus Lanz mitverantwortlich für das Aus der Sendung. Der Fernsehlandschaft mangelt es an Charakterköpfen

Alexandra Fitz
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Markus Lanz konnte als Moderator von «Wetten, dass ..?» nie überzeugen – im Gegensatz zu Thomas Gottschalk, der die Sendung geprägt hatte.

Markus Lanz konnte als Moderator von «Wetten, dass ..?» nie überzeugen – im Gegensatz zu Thomas Gottschalk, der die Sendung geprägt hatte.

Keystone

Es ist ziemlich beleidigend, als Gast erst ein- und dann wieder ausgeladen zu werden. Genau das passierte den ehemaligen Moderatoren der Kultshow «Wetten, dass ..?». Morgen Abend wird wegen des deutlich gesunkenen Interesses die letzte Sendung ausgestrahlt. Nach knapp 34 Jahren geht die Fernsehära «Wetten, dass ..?» zu Ende.

Ursprünglich hätten die Ex-Moderatoren Frank Elstner, Thomas Gottschalk und Wolfgang Lippert morgen in Nürnberg dabei sein sollen. Sie hätten ihre Lieblingswette präsentiert oder auf Höhepunkte der Show zurückgeblickt. Zweifellos hätten sie auf die Bühne gehört – ob als Co-Moderatoren oder als Couch-Gäste. So wie die Ex-Moderatoren bei der 20-Jahr-Feier und der 100. Sendung dabei gewesen sind.

Keine Lust auf Frust

Doch das ZDF entschied sich anders und lud die Eingeladenen wieder aus. Zu dieser Unverschämtheit äusserte sich ein ZDF-Sprecher im «Spiegel» wie folgt: «Wir wollen kein Staatsbegräbnis.» Im Umfeld des ZDF hiess es, dass die Ehemaligen dem amtierenden Moderator Markus Lanz womöglich die Schau gestohlen hätten. Wahrhaftig, im direkten Vergleich wäre Lanz vermutlich noch flacher, noch langweiliger rübergekommen als ohnehin schon. Manche Zuschauer hätten sich vielleicht wehmütig in eine Zeit vor der Lanz’schen Ära gewähnt. Doch die Sendung wäre besser gewesen, die Quote höher, der Abschied gebührender.

Wie auch immer: Zwei Moderatoren hatten ohnehin keine Lust auf Frust. Elstner sagte, er wolle nicht seine eigene Sendung zu Grabe tragen. Gottschalk teilte mit, «dass die Moderation der letzten Sendung ausschliesslich in den Händen von Markus Lanz liegen sollte». Entweder haben die Showmaster mit der Sendung abgeschlossen oder aber es ist ein verdammt nobler Zug. Nur Lippert, der die Show ein Jahr moderiert hat und vom ZDF telefonisch ausgeladen wurde, wäre gerne dabei gewesen.

Schluss ist, weil die Show nicht mehr zeitgemäss ist, die einstigen Quoten verpufft sind, das Fernsehen sich verändert hat und nicht mehr im Familienclan samstags «Wetten, dass ..?» geschaut wird. Was für viele Kinder stets ein Höhepunkt war, weil sie aufbleiben durften bis zum Schluss; und das Merkmal der Sendung war ja schliesslich das Überziehen. Beim jetzigen Showmaster will hingegen niemand eine Verlängerung – er trägt nämlich Mitschuld am Tod der Sendung.

Langweilig und zu glatt

Markus Lanz mag gut aussehen und nett sein. Vielleicht auch Züge des perfekten Schwiegersohns haben. Aber er ist langweilig. Zu glatt. Lanz gehört in die Kategorie Kai Pflaume, Oliver Geissen, Jörg Pilawa – alle flach, ohne Ecken und Kanten. «Damit steht also gerade nicht die vermeintliche Lanz’sche Unhöflichkeit das Problem dar, sondern genau das Gegenteil: seine Nettigkeit. Es ist seine Nettigkeit von wüstenweiter Ödnis», kritisierte Oliver Jungen im Januar den Moderationsstil von Lanz in der Online-Ausgabe der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung». «BILD» argwöhnte: «Entertainer wird man nicht, man ist es. Markus Lanz ist es nicht, er ist Journalist.

Und Perfektionist. Heisst: nicht spontan, sondern Streber (...) Lanz wirkte wie ein Fremdkörper in der eigenen Sendung. Er war nicht authentisch, sein Lachen verkrampft.»

Dieter Thomas Heck, langjähriger Moderator der ZDF-Hitparade, macht Lanz gar für das Aus des TV-Klassikers verantwortlich: «Ich bin sicher, mit Thomas Gottschalk oder Frank Elstner wären die Quoten nicht so gesunken wie mit Lanz und die Show würde noch weitergehen.»

«Wetten, dass ..?», die als grösste Fernsehshow Europas gilt, steht und fällt mit dem Moderator. Er ist nicht nur das Salz in der Suppe, sondern auch das Wasser. Diese Sendung braucht einen Charakterkopf. Einen mit Witz, mit Intelligenz oder mit bizarrem Modegeschmack. Er muss auffallen, so wie Elstner, Gottschalk oder auch Günther Jauch, die zur ersten Garde der deutschen Fernsehunterhaltung zählen. Klar, Gottschalk moderierte auch in einer dankbareren Fernseh-Epoche und hatte in 33 Jahren und 125 Sendungen Zeit, die Zuschauer für sich zu gewinnen und sich unverzichtbar zu machen. Diese Chance bekam sein gLANZloser Nachfolger in knapp zwei Jahren und 16 Sendungen nicht.

Glättegefahr auch in der Schweiz

Der deutschen Fernsehlandschaft fehlt es an guten Moderatoren, an Showmastern und an solchen, die es werden könnten. In der Schweiz sieht es nicht anders aus. Sven Epiney wirkt so aalglatt, dass er überall eingesetzt wird und doch nirgends heimisch wirkt. Jonas Projer, der neue «Arena»-Moderator, ist so farblos, dass man sich den alten Haudegen Filippo Leutenegger zurückwünscht. Und Stephan Klapproth, einer der letzten Charakterköpfe unter den Schweizern Moderatoren, katapultiert sich mit seinem Wechsel zur Nischensendung «Sternstunde Philosophie» gleich selber in die Bedeutungslosigkeit. Wo bleiben die Moderatoren, die uns nicht wegen, sondern trotz ihres Aussehens an den Bildschirm fesseln?

Frank Elstner, der «Wetten, dass ..?» erfunden hat, glaubt nicht an das Ende, sondern an eine Wiederbelebung des TV-Klassikers. Hat er recht, wird neben der Suche nach Zuschauern vor allem die «Fahndung» nach einem geeigneten Moderator zur Herkulesaufgabe.

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