Ein Highlight und schwierige Raucherszenen: Wiedersehen mit Wilder und Kägi auf SRF

In «Wilder II» wird Rosa Wilder wieder zu einem Mord in die Berge gerufen. Diesmal nicht in die verschneiten Alpen von Staffel I, sondern in den herbstlichen Jura. Knüpft die zweite Staffel auch qualitativ an die erste an? So war die erste Folge.

Daniel Fuchs
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Ermittlerduo Kägi (Marcus Signer) und Wilder (Sarah Spale).

Ermittlerduo Kägi (Marcus Signer) und Wilder (Sarah Spale).

Bild: SRF

Früher Sonntagmorgen, der Boden der Wohnung ist übersät mit Kinderspielzeug, Rosa Wilder (gespielt von Sarah Spale) liegt mit ihrem kleinen Sohn im Bett. Gutenachtmusik aus der Spieluhr ertönt. Der Fernsehzuschauer reibt sich verwundert die Augen. Wer hat sie um diese Uhrzeit aufgezogen? Und warum liegt das Handy, das nun klingelt, auf dem Bauch des schlafenden Kinds?

Egal: Zum Nachdenken über Ungereimtheiten bleibt bei der zweiten Staffel der SRF-Serie «Wilder» keine Zeit. Gestern Abend lief auf SRF 1 die erste Folge. Rosa Wilder wird zu einem Tatort auf eine Juraweide gerufen. In der Nacht ist es zu einem Dreifachmord gekommen. Und mittendrin landen wir Zuschauer in einer verquickten Geschichte um einen französischen Drogenring, Wilders eigene schwierige Vergangenheitsbewältigung und ein dunkles Dorfgeheimnis. Die erste Staffel lässt grüssen.

Der Doppeladler muss es schon sein

Serienrückblende: Das Publikum lernte Rosa Wilder vor zwei Jahren kennen, als sie im verschneiten und erfundenen Berner Oberländer Dorf Oberwies in einem Mordfall ermittelte. Ausgerechnet dem Ort, in dem Rosa Wilder aufgewachsen war und ihren Bruder bei einem Bergsturz verloren hatte. Dieser war menschengemacht, wie die Ermittlungen zeigen sollten. Und wegen des Mordfalls mussten sich die Dorfbewohner und mit ihnen Rosas Familie der eigenen Vergangenheit stellen. Rosas Vater, Paul, landete am Schluss sogar im Gefängnis.

Mit der zweiten Staffel knüpft SRF drei Jahre nach den Vorgängen in Oberwies an. Diesmal geht es wiederum um eine alte Dorfgeschichte, die an die Oberfläche tritt, als zwei Kosovo-­Albaner, der eine schwul, der andere in Drogengeschäfte verwickelt, sowie eine Schweizer Spitex-Mitarbeiterin ermordet werden. Natürlich ziert ein Doppeladler die Kühlerhaube des Wagens des Drogenkuriers. Sowieso haben die Macher von «Wilder II» tief in die Klischeekiste gegriffen, was der ersten Folge nicht nur guttut.

Kägi sorgt für glückliche Erinnerungen an Staffel I

Trotzdem ist Staffel II insgesamt erfreulich: Das ist besonders auch Bundespolizist Kägi (gespielt von Marcus Signer) zu verdanken, der wieder mit seinem Airstream-Wohnwagen durch die Landschaft tingelt. Apropos Stil: Die Landschaftsaufnahmen, diesmal aus dem herbstlichen Jura, sind noch schöner als die des verschneiten Alpentals in Staffel I. Und Kägi hat an seinem Auftritt nichts geändert. In seinem feinen Tuch wirkt er auf den Pferdeweiden im Jura wiederum ständig leicht deplatziert.

Diesmal ist Kägi sogar selbst in den Fall verwickelt, weil seine Schwester mit drinsteckt – wie auch sein Neffe, den er einen «Schnudderi» nennt (ein schönes Wort, das nicht jeder Schauspieler benutzen sollte, bei ­Marcus Signer aber wunderbar ­herüberkommt). Kägi ist ein Highlight, bis auf die immer wiederkehrenden Raucher­szenen. Wie Kägi raucht, raucht niemand. Die Qualmerei wirkt aber nicht nur bei ihm bemüht. Und sowieso fragen wir uns verwundert: Weshalb wird in einer Serie von 2020 noch so viel geraucht?

«Wilder» Staffel II. 6 Folgen. Dienstags auf SRF 1. Folge 1 sowie Staffel I jetzt online.

Hier geht es zum Trailer: