Filmdiva taucht nach Monaten wieder auf

Drei Monate war die chinesische Schauspielerin Fan Bingbing verschwunden. Nun ist sie wieder da – und muss umgerechnet 110 Millionen Euro an Strafen und Steuern nachzahlen.

Felix Lee, Peking
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«Ich schäme mich»: Fan Bingbing.  (Franck Robichon/EPA)

«Ich schäme mich»: Fan Bingbing.  (Franck Robichon/EPA)

Plötzlich war sie weg. Seit dem 1. Juli postete die chinesische Schauspielerin Fan Bingbing nicht mehr in den sozialen Medien. Es erschien auch nichts über sie in der chinesischen Klatschpresse. Dabei war sie im sozialen Netzwerk Weibo bis dahin äusserst mitteilungsbedürftig. Ihre 62 Millionen Fans wissen, welche Gesichtscreme sie mag. Sie kennen Details über die Beziehung mit Schauspielkollege Li Chen. Und sie wussten Bescheid, auf welcher Weltbühne ihr mal wieder der rote Teppich ausgerollt wurde.

Am Mittwoch hat sie sich das erste Mal seit drei Monaten wieder zu Wort gemeldet. Und zwar mit einem Geständnis: «Ich schäme mich zutiefst und fühle mich schuldig für das, was ich getan habe», schreibt sie auf Weibo. Sie akzeptiere die Bestrafung und werde ihr Bestes tun, das Geld zusammenzubringen, um die Strafen und Steuern zu bezahlen. Und: «Ohne die gute Politik der Partei und des Staates und ohne die Liebe der Volksmassen gibt es keine Fan Bingbing.»

Verhaftet wegen Steuerhinterziehung

Damit hat sie bestätigt, was seit Monaten bloss als Gerücht kursierte: Die chinesischen Behörden haben gegen sie wegen Steuerhinterziehung ermittelt. Sie soll sich einer unter chinesischen Schauspielerkreisen weit verbreiteten Praxis bedient und mit den Filmgesellschaften sogenannte Yin-und-Yang-Verträge abgeschlossen haben. Dabei werden zwei Verträge mit unterschiedlichen Gagen geschlossen. Der Vertrag mit der niedrigeren Gage wird dann beim Finanzamt eingereicht.

Chinesische Medien berichten, die Behörden hätten Fan Bingbing in einer Ferienanlage in der Provinz Jiangsu in einer Art Untersuchungshaft festgehalten. In dieser Anlage werden sonst Funktionäre der KP-Führung vernommen. Mittlerweile soll sie sich nicht mehr in Gewahrsam befinden. Offiziell verurteilt ist sie zwar nicht. Doch wie Chinas amtliche Nachrichtenagentur Xinhua nun berichtet, könne sie der Strafverfolgung entgehen, wenn sie bis Ende des Jahres 883 Millionen Yuan bezahlt, was etwa 127,5 Millionen Schweizer Franken entspricht.

Bestbezahlte Schauspielerin Chinas

Geboren in der ostchinesischen Stadt Qingdao machte sie bereits mit 17 Jahren in der beliebten chinesischen Fernsehserie «Meine edle Prinzessin» ihre ersten Erfahrungen vor der Kamera. Seitdem spielte sie in mehr als 50 Filmen und Fernsehproduktionen mit. International bekannt wurde sie mit ihren Auftritten in den Hollywood-Streifen «X-Men: Zukunft ist Vergangenheit» und «Iron Man 3». Immerhin wurde sie 2017 in die Wettbewerbsjury der Filmfestspiele von Cannes berufen. Im selben Jahr nahm auch die Academy of Motion Picture Arts and Sciences sie auf, die jährlich die Oscars vergibt.

In China, dem inzwischen grössten Filmmarkt der Welt, ist sie aber ein Superstar. Allein im vergangenen Jahr soll sie rund 38 Millionen Euro verdient haben. Damit ist sie die bestbezahlte Schauspielerin des Landes.

Ganz offensichtlich will die chinesische Führung den Fall Fan Bingbing dazu nutzen, um ein Exempel zu statuieren. Die Finanzbehörden kündigten an, generell gegen Steuerhinterzieher in der Film- und Fernsehbranche vorzugehen. Wer sich bis Ende des Jahres freiwillig meldet und nachzahlt, kommt straffrei davon.