Filme auch während der Corona-Krise: So unterstützen Sie die Zentralschweizer Kinos

Zentralschweizer Kinos bekommen ihre eigene Auswahl auf Schweizer Streaming-Portalen.

Regina Grüter
Hören
Drucken
Teilen
Das Bourbaki und das Stattkino weichen auf Streaming-Plattformen aus.

Das Bourbaki und das Stattkino weichen auf Streaming-Plattformen aus. 

Patrick Huerlimann, Luzern, 24. Maerz 2020

Kinos, Verleiher und Schweizer Streaming-Portale arbeiten zurzeit auf Hochtouren zusammen, um Filme trotz Coronavirus sichtbar zu machen und ein klein wenig Geld zu verdienen. Unter dem Label «Cinema’s Choice» hat nun auch das Stattkino Luzern eine Plattform auf filmingo.ch erhalten. Wer über «Cinema’s Choice» sein Kino anklickt, sorgt dafür, dass dessen anteilsmässige Vergütung an den Streaming-Einnahmen steigt. Abgerechnet wird, wenn die Kinos wieder offen sind.

Unter den zwölf Titeln sind der aktuelle Kinofilm «Ema y Gastón» sowie die Premiere «You Will Die At 20». Nicht ganz aktuell ist, wurde aber in Luzern nie gespielt, «Des moutons et des hommes» über einen algerischen Jungen und seinen Schafsbock. Das Programmkino ist aber auch bekannt für seine Filmreihen, die Meilensteine der Filmgeschichte zurück auf die grosse Leinwand holen. Das tut Stattkino-Leiter Peter Leimgruber auf filmingo.ch mit «Solaris» von Andrei Tarkowski, «Der Blick des Odysseus» von Theo Angelopoulos und «Ikiru» von Akira Kurosawa.

Einen schönen Link zur Gegenwart stellt er mit «Touki Bouki» von Djibril Diop Mambéty her. Die senegalesische Bonnie-und-Clyde-Geschichte aus dem Jahr 1973 stammt von Mati Diops Onkel. Die Pariserin sorgte letztes Jahr mit ihrem eindrücklichen Debüt in Cannes für Aufsehen, und natürlich ist «Atlantique» auch in der Auswahl.

Szenenbild aus «Touki Bouki» von Djibril Diop Mambéty.

Szenenbild aus «Touki Bouki» von Djibril Diop Mambéty.

PD

Ebenfalls auf filmingo präsent ist das Zuger Arthousekino. Die «Cinema's Choice: Gotthard Zug» umfasst derzeit elf Titel. Neben aktuellen Filmen wie dem Oscar-nominierten Dokumentarfilm «For Sama» aus dem Bürgerkriegsland Syrien sind das drei Filme des Deutschen Christian Petzold, dessen jüngstes Werk «Undine» eigentlich im März in die Kinos hätte kommen sollen («Transit», «Barbara» und «Phoenix») sowie Michael Hanekes Meisterwerk «Amour» mit Emmanuelle Riva und Jean-Louis Trintignant in den Hauptrollen – bester nicht-englischsprachiger Film bei den Oscars 2013. Und, ganz besonders, sechs Filme von Aki Kaurismäki!

50/50 zwischen Kinos und Verleiher

Das Kino Bourbaki, Luzern, arbeitet derweil mit cinefile.ch zusammen und portiert unter «Bourbaki on Demand» gerade prominent die aktuellen Filme «Mare» und «About Endlessness» sowie mit «Portrait de la jeune fille en feu» und «Shoplifters» zwei unbedingt sehenswerte Werke aus der jüngsten Kinogeschichte. Und unter dem Titel «Das südkoreanische Kinowunder» präsentiert das Bourbaki ausserdem «acht Filme des Oscar-Preisträgers und seiner Mit-Grenzsprenger». Neben vier Filmen des «Parasite»-Regisseurs Bong Joon Ho sind das etwa «Burning» von Lee Chang Dong oder «Pietà» von Kim Ki-duk.

Mit «Jeanne» von Bruno Dumont lanciert auch der Verleih Outside the Box eine Deutschschweizer Premiere auf Video-on-Demand. Ab Donnerstag, 26. März 2020, kann man den Musikfilm über Frankreichs Nationalheilige Jeanne d’Arc für zehn Franken streamen. Den Link findet man auf der jeweiligen Webseite der mitmachenden Kinos, wozu auch das Bourbaki gehört. «50% der Einnahmen gehen an die Kinos und 50% an den Verleiher des Films», schreibt Outside the Box. «Eine kleine Massnahme, um (ein wenig) einen Sektor zu unterstützen, der mit voller Wucht von den aktuellen Einschränkungen getroffen wurde und um das Ritual des Kinostarts am Donnerstag am Leben zu erhalten.»

Wenn Sie also ein regelmässiger Kinogänger sind, überbrücken Sie doch die Zeit mit dem digitalen Angebot und schauen Sie aktuelle Kinofilme und sogar Premieren zu Hause; nehmen Sie sich die Südkoreaner vor oder schauen Sie sich mehrere Filme von Aki Kaurismäki hintereinander an – es ist noch nicht lange her, widmete das Stattkino dem finnischen Kultregisseur eine Retrospektive. Das Positive daran: Mit einem Programm, in dem man die Seelen der Kinomacher spürt, spricht man nicht nur Kinogänger an, sondern Filmliebhaber generell.

Mehr zum Thema