Pink-Panorama-Festival: Filme gegen Schubladendenken

Das Pink Panorama Luzern liefert aktuelle Impulse zur Diskussion von Geschlechtsidentität und Sexualität.

Regina Grüter
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«And Then We Danced» handelt von der Liebe zwischen zwei Tänzern. Die Proteste in Tiflis sorgen für ungewollte Aktualität. Bild: Cineworx

«And Then We Danced» handelt von der Liebe zwischen zwei Tänzern. Die Proteste in Tiflis sorgen für ungewollte Aktualität. Bild: Cineworx

Am letzten Wochenende kam es in der georgischen Hauptstadt Tiflis zu Protesten gegen den Film «And Then We Danced». Der von Publikum und Kritik gefeierte Spielfilm handelt von der Liebe zwischen zwei Tänzern am nationalen georgischen Ensemble. «Schande» sollen Gegner des Films vor den Kinos gerufen haben. Das Luzerner Filmfestival Pink Panorama zeigt «And Then We Danced» (Donnerstag, 21 Uhr), uraufgeführt in Cannes, als Schweizer Premiere.

«Ja, wir haben in der Schweiz ein Problem mit LGBTIQ + Feindlichkeit», sagte auch Roman Heggli, Geschäftsleiter Pink Cross, nachdem im Mai in Zürich ein Informationsstand des Vereins «Achtung Liebe» von jungen Männern verwüstet wurde. Die traurige Ironie: Genau dieser Feindseligkeit gegenüber homo- und bisexuellen, inter- und transsexuellen Menschen wollte man entgegenwirken.

Oberstleutnant und ­Transgenderfrau

Aufklärung als Mittel gegen die Ignoranz, darauf setzt das Filmfestival Pink Panorama seit Anbeginn; und auf das Kino als ein Ort der Emotionen und der Empathie. Der Fussball und das Militär, beides gilt immer noch als zutiefst homophobes Umfeld. Von einer Transgenderfrau in der Bundeswehr handelt der Dokumentarfilm «Ich bin Anastasia» (Samstag, 16.30 Uhr). Anastasia Biefang erzählt in Luzern persönlich von ihrem Entschluss, sich auf dem Höhepunkt ihrer Karriere einer Geschlechtsoperation zu unter- ziehen.

Homophobie ist auch das Thema im slowenischen Coming-of-Age-Drama «Konsequenzen» (Freitag, 18.30 Uhr). Der 18-jährige Andrej muss sich in einer Jugendstrafanstalt behaupten. Und da haben seine wahren Gefühle keinen Platz.

Tagesthema am Sonntag ist «Intergeschlechtlichkeit». Dazu läuft der Dokumentarfilm «Ni d’Ève, ni d’Adam. Une histoire intersexe» (15.30 Uhr), der vor einem Jahr im nationalen Wettbewerb von Nyon vertreten war. Audrey Aegerter, Mitbegründerin und Präsidentin von Inter Action Suisse, ist Protagonistin im Film und diskutiert im Anschluss mit dem Publikum darüber, was es heisst, für sich und für andere dafür zu kämpfen, in keine der beiden Geschlechtsschubladen gesteckt zu werden. Um 17.30 Uhr folgt das venezolanische Drama «Yo imposible» von Patricia Ortega.

Die Filme sind aktuell und nehmen gesellschaftliche Themen auf, welche die Community beschäftigen. Das Pink Panorama ist am Puls der Zeit. Und es gibt immer noch zu tun.

Hinweis

Pink Panorama Filmfestival Luzern, 14. bis 17. November, Stattkino, Luzern; Infos zu allen Filmen und zum Rahmenprogramm: www.pinkpanorama.ch, Reservation:
Tel.041 410 30 60

Pink Panorama Filmfestival Luzern, 14. bis 17. November, Stattkino, Luzern; Infos zu allen Filmen und zum Rahmenprogramm: www.pinkpanorama.ch, Reservation: Tel.0414103060.