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FILMFESTIVAL: Cannes – zwischen Stars und Showdown

In Cannes steigt die Spannung in Hinblick auf die Vergabe der Palmen am Sonntag. Vor allem auch, weil das Gezeigte bisher bemerkenswert war.
Je nachdem cool, herzlich oder nachdenklich, aber stets wirkungsvoll gaben sich auch gestern in Cannes die Stars. Hier Lea Seydoux, ... (Bild: Keystone)

Je nachdem cool, herzlich oder nachdenklich, aber stets wirkungsvoll gaben sich auch gestern in Cannes die Stars. Hier Lea Seydoux, ... (Bild: Keystone)

are/cj/sda. Natürlich ist Cannes auch dieses Jahr das Stelldichein der Stars und der Sternchen, es wird im Blitzlichtergewitter posiert, es gibt viel Schönes zu sehen, und beiliebe nicht nur das Kino ist beim Aufmarsch der grossen Namen vertreten. So schlenderte gestern Punkrock-Ikone Iggy Pop herbei, um fotogen die Arme auszubreiten. Anwesend ist auch er wegen eines Filmes: Regisseur Jim Jarmusch zeigt die Musikdoku «Gimme Danger» über Iggy Pop.

Moderne Schwäche

Doch der ganze Glamour darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es in Cannes in erster Linie um cineastische Qualität geht. Das war schon immer so, und dieses Jahr besonders, wenn man das bisher Gezeigte Revue passieren lässt. Einer der Favoriten auf die Goldene Palme als bester Film ist «Toni Erdmann». Der Film von Maren Ade handelt von Ines, die in Bukarest lebt und eine sehr moderne Schwäche hat: Sie will immer online sein, immer noch eine E-Mail schreiben, statt sich auf die Menschen links und rechts von ihr einzulassen. Der Film handelt somit also von der Entfremdung des Menschen.

Überzeugt hat auch Pedro Almódovars Mutter-Tochter-Drama «Julieta» (siehe Filmkritik in der Ausgabe vom Mittwoch). Der spanische Starregisseur hat damit zu alter Erzählkraft zurückgefunden. Wenn wir schon bei grossen Regienamen sind: Woody Allen («Café Society») und Steven Spielberg («Big Friendly Giant») haben es vorgezogen, ihre Filme ausserhalb des Wettbewerbs zu zeigen. Immerhin. Beim Publikum kamen diese sehr gut an.

Gesellschaftliche Themen

Seit Beginn des Festivals und auch weiterhin ein Topfavorit auf die Palme ist das Familiendrama «Sieranevada» von Cristi Puiu. Der Rumäne ist einer der unbestrittenen Meister des europäischen Autorenkinos und hat mit 49 Jahren das Reifealter, das in Cannes oft prämiert wird. Zuversichtlich dem Sonntag entgegenblicken darf auch die Britin Andrea Arnold. Ihr Film «American Honey» handelt von einer 18-jährigen Mutter am Rande des Existenzminimums, die sich einer Gruppe ausgelassener Aussteiger anschliesst. Doch die vermeintliche Freiheit kippt in Tyrannei um.

Sozialkritische Kost bietet auch das grossartige Rassismusdrama «Loving» von Jeff Nichols. Der US-Amerikaner erzählt von der Ehe einer Schwarzen und einem Weissen im Amerika der 1950/60er-Jahre. Auch «Loving» gehört zu den Anwärtern auf die Goldene Palme. Nichols hätte einen zornigen Film machen können, der offene Türen einrennt und vom Publikum Betroffenheit einfordert. Doch er erzählt ruhig und konsequent aus der Perspektive der Betroffenen, für welche die Liebe eine Selbstverständlichkeit ist. Das Thema Rassismus wird nicht in den Vordergrund gerückt, sondern beiläufig verhandelt. Im Zentrum stehen das Familienleben sowie die Sorge der Lovings, über die Runden zu kommen.

Dokfilm über Assange

In Hinblick auf die Palme im Auge behalten sollte man auch den Film «Ma’ Rosa» von Brillante Mendoza. Der Philippiner, der eine hyperrealistische Bildsprache pflegt und dessen Filme von anrührender Poesie plötzlich in Gewalt kippen, erzählt diesmal von einer armen Frau mit drei Kindern, die in einem Slum von Manila einen kleinen Lebensmittelladen hat und Drogen verkauft.

Unabhängig vom Wettbewerb feierte gestern in Cannes eine Doku über Wiki­leaks-Gründer Assange Premiere: «Risk» von US-Regisseurin Laura Poitras, die für ihre frühere Doku «Citizenfour» über Edward Snowden bereits einen Oscar gewonnen hat. «Ich unterstützte die Arbeit von Wikileaks», sagte Portras. Wirklich Neues zeigt der Film nicht, er gibt aber einen spannenden Einblick in Assanges Leben. Der Australier ist auch in der ecuadorianischen Botschaft in London zu sehen, wo er sich seit Jahren einem schwedischen Haftbefehl wegen Vergewaltigungsvorwürfen entzieht.

Malina Manovici, Maria Dragus und... (Bild: Keystone)

Malina Manovici, Maria Dragus und... (Bild: Keystone)

Vincent Cassel. (Bild: Keystone)

Vincent Cassel. (Bild: Keystone)

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