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FILMFESTIVAL: Harte Filmkost zum Start in Locarno

Ein Zombie-Thriller bildete gestern den Auftakt des Filmfestivals Locarno. Und Hollywoodstar Bill Pullman durfte einen Award entgegennehmen.
Theodora Peter, sda
Die britische Schauspielerin Gemma Arterton mit der jungen Sennia Nanua gestern Abend in Locarno. Beide wirken im Eröffnungsfilm mit, dem Zombie- Thriller «The Girl With All The Gifts». (Bild: Keystone/Alexandra Wey)

Die britische Schauspielerin Gemma Arterton mit der jungen Sennia Nanua gestern Abend in Locarno. Beide wirken im Eröffnungsfilm mit, dem Zombie- Thriller «The Girl With All The Gifts». (Bild: Keystone/Alexandra Wey)

Theodora Peter, sda

Beim Eröffnungsempfang von gestern Abend wies Bundesrat Alain Berset auf die «enorme kulturelle Bedeutung» des Festivals für die Schweiz hin. Zudem sei Locarno für die einheimische Filmszene wie für das «anspruchsvolle internationale Filmschaffen» unverzichtbar.

Mädchen als Hoffnungsträgerin

Dem interessierten Filmpublikum wurde zum Start des Festivals einiges abverlangt. Am Abend wurde als offizieller Eröffnungsfilm «The Girl With All The Gifts» des schottischen Regisseurs Colm McCarthy gezeigt. Carlo Chatrian, künstlerischer Leiter des Festivals, hatte schon im Vorfeld prophezeit, dass der Film zu reden geben würde, auch wegen exzessiver Gewaltszenen.

Er handelt von der 10-jährigen Melanie, die wie viele andere Kinder mit einem Zombie-Virus infiziert worden ist. Nun werden sie in einem Bunker untersucht, mit dem Ziel, ein Heilmittel zu finden. Denn das Virus zeigt bei ihnen eine andere Wirkung als bei üblichen hirnlosen Zombies. Er verstärkt vielmehr intellektuelle und körperliche Fähigkeiten. Die 12-jährige Newcomerin Sennia Nanua spielt Melanie, zu den erwachsenen Stars gehören unter anderem Gemma Arterton und Glenn Close.

Mord an einem Juden

Ebenfalls anspruchsvoll ist der Schweizer Film «Un Juif pour l’exemple», der bereits gestern Nachmittag uraufgeführt worden war. Er spielt im Jahr 1942, als Frontisten in Payerne einen jüdischen Viehhändler ermorden. Der am Mittwoch in Locarno uraufgeführte Film von Jacob Berger basiert auf dem gleichnamigen Roman von Jacques Chessex. Darum ist es gut möglich, dass dieser beklemmende Film ebenso viel Staub aufwirbeln wird wie Chessex’ 2009 erschienener Roman, dem letzten vor seinem Tod. Das Buch über das Exempel, das die Frontisten an einem Juden in Chessex’ Heimatort Payerne statuierten, wurde zum Verkaufsschlager.

Chessex war 1942 acht Jahre alt, als das Verbrechen in seiner Heimatstadt geschah. Regisseur Berger lässt den 75-jährigen Schriftsteller – im Film gespielt von André Wilms – in Flashbacks zurücktauchen in seine Kindheit in Payerne. Die Wege des Buben kreuzen im Film sowohl die Familien der Täter wie auch des späteren Opfers. So sitzt der Lehrersohn auch am Gästetisch des leutseligen Kaufmanns Arthur Bloch (Bruno Ganz). Bloch beobachtete zwar die Judenhetze und die Deportationen in Deutschland mit Sorgenfalten, doch um seine eigene Sicherheit fürchtet er nicht. «Wir sind doch hier in der Schweiz!», sagt Bloch zu seiner Frau. Am Viehmarkt läuft der gutmütige Bloch dann doch in die Falle, als man ihm in einem Stall eine Kuh zum angeblichen Verkauf zeigen will. Er wird erschlagen, wie bei einer Schweinemetzgete in Stücke gehauen und in Milchkannen im Neuenburgersee versenkt. Nicht allen in der Region gefiel es, dass der Schriftsteller das dunkle Kapitel wieder aufrollte, Empörung prasselte auf Chessex nieder. Der sonst wortgewaltige Schriftsteller konnte sich kaum mehr dagegen wehren und sah sich als Fasnachtssujet gar der Lächerlichkeit preisgegeben. Am 9. Oktober 2009 brach Chessex an einer Veranstaltung zusammen und starb.

Bereits am Dienstagabend war der Fernsehspielfilm «Gotthard» von Urs Egger uraufgeführt worden. Die SRG-Grossproduktion läuft im Dezember als Zweiteiler im Fernsehen.

Viele Filme, viele von Frauen

Das Filmfestival läuft noch bis Samstag in einer Woche. Über 250 Filme sind zu sehen. Davon laufen 17 im Wettbewerb, alles Weltpremieren. Während anderswo Regisseurinnen unterrepräsentiert sind, wurden acht der Filme im Hauptwettbewerb von Frauen inszeniert.

Zwei Filme im Concorso internazionale stammen von Schweizern: «La idea de un lago» von Milagros Mumenthaler, die in Locarno 2011 mit «Abrir puertas y ventanas» den Pardo d’oro gewonnen hat, sowie «Marija» von Michael Koch. Sie treten gegen internationale Konkurrenz an wie João Pedro Rodrigues’ «O Ornitologo» aus Portugal oder «Mister Universo» der Österreicher Tizza Covi und Rainer Frimmel. Die Schweiz ist allgemein heuer stark vertreten am Festival. Auf der Piazza Grande läuft «Moka» von Frédéric Mermoud mit dem französischen Star Nathalie Baye. Und im deutschen Biopic «Paula» über die Malerin Paula Modersohn-Becker spielt die Schweizerin Carla Juri («Eine wen iig, dr Dällebach Kari», «Feuchtgebiete») die Hauptrolle. Ausserhalb des Wettbewerbs wird Nicolas Wadimoffs Dok «Jean Ziegler – L’optimisme de la volonté» gezeigt.

Bill Pullman vertritt Hollywood

Carlo Chatrian hatte ein «Festival der Entdeckungen» versprochen. Vielleicht meinte er damit auch, dass Hollywood eher schwach vertreten ist. US-Schauspieler Bill Pullman holte gestern Abend seinen Excellence Award Moët & Chandon ab. Er ist quasi der Hauptvertreter Hollywoods dieses Jahr.

Dafür sind renommierte Schauspielerinnen aus Frankreich und Deutschland dabei. Zu den Gästen zählen unter anderen Isabelle Huppert und Bulle Ogier, die Luc Bondys «Les Fausses Confidences» ausserhalb des Wettbewerbs präsentieren, sowie die deutsche Schauspielerin und Regisseurin Maria Schrader und ihre Kollegin Barbara Sukowa, die den Piazza-Film «Vor der Morgenröte – Stefan Zweig in Amerika» an den Lago Maggiore begleiten. Der Brite Ken Loach präsentiert persönlich seinen in Cannes mit der Goldenen Palme prämierten Film «I, Daniel Blake». Eine Retrospektive mit dem Titel «Geliebt und verdrängt» ist dem Kino der jungen Bundesrepublik Deutschland von 1949 bis 1963 gewidmet. Gezeigt werden über 80 Filme, wie etwa die Dürrenmatt-Verfilmung «Es geschah am helllichten Tag» oder die Familienschnulze «Die Trapp-Familie in Amerika».

Ein Titel aus der Retrospektive, «Am Tag als der Regen kam» (1959), läuft auf der Piazza Grande. Der Hauptdarsteller Mario Adorf nimmt bei dieser Gelegenheit einen Pardo alla Carriera entgegen.

Angesichts der Bedrohungslage in Europa hat das Festival seine Sicherheitsvorkehrungen verstärkt. Bei den Eintrittskontrollen kommen mobile Metalldetektoren zum Einsatz. Auch die Polizeipräsenz und die Videoüberwachung auf der Piazza wurden verstärkt.

Der Schweiz-Österreichische Schauspieler Max Simonischek auf dem roten Teppich in Locarno. (Bild: Keystone)
Alain Berset kommt mit seiner Frau Muriel nach Locarno. (Bild: Keystone)
Den Excellence Award räumte der Schauspieler Bill Pullman ab. (Bild: Keystone)
Die britische Schauspielerin Gemma Arterton auf dem roten Teppich in Locarno. (Bild: Keystone)
Zahlreiche Gäste besuchen das Filmfestival in Locarno. Der Empfang fand auf dem roten Teppich statt. (Bild: Keystone)
Der Eröffnungsabend auf der Piazza Grande in Locarno. (Bild: Keystone)
Spannung am Filmfestival in Locarno: 8000 Plätze gibt es auf der Piazza Grande. (Bild: Keystone)
Eine Installation zeigt das fürs Filmfestival typische Leopardenmuster rund um die Piazza Grande. (Bild: Keystone)
Die 69. Ausgabe des Filmfestivals in Locarno wurde am Mittwoch eröffnet. (Bild: Keystone)
Täglich und bei jedem Wetter findet eine Openair-Vorstellung auf der Piazza Grande statt. (Bild: Keystone)
Mit dem Regenschirm auf die Piazza Grande. (Bild: Keystone)
Ein Lichterspiel auf der Piazza Grande in Locarno. (Bild: Keystone)
Auf der Piazza Grande ist das Leopardenmuster ständiger Begleiter. (Bild: Keystone)
Noch sind die Stühle leer: Am Abend ist die Piazza Grande mit 8000 Sitzplätzen oft bis auf den letzten Platz besetzt. (Bild: Keystone)
Der Tag vor der Eröffnung: Die Stühle auf der Piazza Grande stehen bereits. (Bild: Keystone)
Marco Solari ist Präsident des Filmfestivals. Er begrüsst die britische Schauspielerin und Sängerin Jane Birkin am Eröffnungstag. (Bild: Keystone)
Auch Alain Berset ist in Locarno zu Gast. (Bild: Keystone)
Die japanische Schauspielerin Yuki Mamiya auf dem roten Teppich der Piazza Grande. (Bild: Keystone)
Die französische Schauspielerin Emmanuelle Devos (von links) mit dem Schweizer Filmemacher Frederic Mermoud und der ebenfalls französischen Schauspielerin Nathalie Baye auf dem roten Teppich. (Bild: Keystone)
Hohe Absätze und schöne Kleider: Der rote Teppich in Locarno. (Bild: Keystone)
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Filmfestival Locarno

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