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Filmkritik: Ein investigativer Journalist untersucht eine heilige Erscheinung

Xavier Giannolis Film über eine Marienerscheinung und die Arbeit einer kanonischen Kommission forscht Fragen von Glaube und Glaubwürdigkeit nach. „L’apparition“ ist spannend wie ein Krimi.
Irene Genhart
Die junge Anna soll eine Marienerscheinung gehabt haben. (Bild: Praesens Film)

Die junge Anna soll eine Marienerscheinung gehabt haben. (Bild: Praesens Film)

Jacques Mayano – wach, agil, solid charismatisch: Vincent Lindon – ist Reporter und zwar einer Besten: kein Krisenschauplatz, kein Krieg, über den er in der französischen Tageszeitung, für die er arbeitet, in den letzten Jahren nicht berichtet hat. Doch als sein langjähriger Kompagnon in Syrien vor seinen Augen getötet wird, ist Mayano derart traumatisiert, dass an einen weiteren Einsatz im Feld nicht zu denken ist. Eines Tages dann erreicht ihn eine Anfrage aus dem Vatikan. Er soll im Auftrag der katholischen Kirche eine Kommission leiten, die eine Marienerscheinung untersucht.

Zur Einführung in seine Aufgabe gewährt man Mayano im vatikanischen Archiv Einblick in frühere Studien. Von Erscheinungen, Wundern, Heiligsprechungen ist da die Rede, aber auch von Irrführung, Hochstaplern und Exorzismen. Zudem warnt man Mayano, dass, weil in Glaubensfragen immer auch mit Fanatismus zu rechnen ist, die Aufgabe schwierig sein könne.

Anatole Taubman spielt herrlich zwiespältige Rolle

Unmittelbare Assoziationen an einen Dan Brown-Thriller weckt Xavier Giannolis „L’apparition“ in seinen Anfängen, führt in der Folge dann aber leicht den Tonfall ändernd in ein kleines Dorf im Südosten Frankreichs, gedreht hat man in der hügeligen Umgebung von Gap. Hier soll einer Sechzehnjährigen mehrmals die Muttergottes erschienen sein. Anna, wie sie heisst – sie wird mit Hang zum Ephemeren gespielt von Galatéa Bellugi – hat eine bewegte Kindheit hinter sich und lebt als Novizin in einem Kloster. Sie wird beschützt von Pfarrer Borrodine (Patrick d'Assumçao) und einem gewissen Erleuchteten namens Anton Meyer (einmal mehr herrlich zwiespältigen Rolle: Anatole Taubman). Das tut Not, denn selbstverständlich wird Annas Dorf überrannt von Gläubigen, welche den Ort der Erscheinung, vor allem aber sie sehen wollen.

Es wirkt überzeugend realistisch, was Giannoli sich an ähnlichen Ereignissen orientierend auf dem Hintergrund der heutigen Gegenwart als pure Fiktion entwirft. Da sind zum einen Heerscharen von zum Teil verzückten Pilgern und das ganze dazugehörige Brimborium mit Extra-Messen und dem zum Kitsch neigenden Erinnerungskommerz. Da sind zum anderen der Journalist und die mit Psychiatern, Ärzten und Historikern besetzte Kommission, die ernsthaft herauszufinden versucht, was Anna wirklich widerfahren ist.

Im syrischen Flüchtlingslager gedreht

Die Story indes, eine überraschende Wendung nach der anderen nehmend, baut sich clever auf um die Figur des sozusagen das ganze Elend der Welt in sich vereinigenden Mayano und seiner letztlich persönlichen Begegnung mit der für andere Werte wie Liebe, Friede, Glaube stehende Anna. Das weitet unabhängig von den Ergebnissen der immer nebensächlicher erscheinenden Untersuchung das Feld für das, was in „L’apparition“ wirklich Thema ist: Die Frage nach dem Stellenwert und dem Funktionieren von Religion und Glaube, aber auch von Menschlichkeit und dem Zusammenprall der Kulturen in der heute kriegs- und krisengeschüttelten, globalisierten Welt; die letzten Szenen übrigens hat Giannoli in einem grossen Flüchtlingslager an der Grenze zu Syrien gedreht. Welch ein mutiger, kluger und lang nachhallender Film!

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