Interview

Interview mit Kulturpreisträger Fabian Römer: «Filmmusik soll der Story dienen»

Der Innerschweizer Kulturpreis 2020, dotiert mit 25'000 Franken, geht an den Schwyzer Filmkomponisten Fabian Römer. 

Arno Renggli
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Fabian Römer.

Fabian Römer.

Bild: Dorothee Falke

Fabian Römer hat bereits für über 250 TV- und Kinofilmen geschrieben. Der 46-Jährige, der in Zürich Musik studierte, lebt mit seiner Familie in München, ist aber regelmässig in der Schweiz tätig. So hat er etwa für den TV-Zweiteiler «Gotthard», für den Kinofilm «Papa Moll» oder für Luzerner «Tatort»-Folgen komponiert.

Sie haben schon viele Auszeichnungen für Ihre Filmmusik erhalten. Welchen Stellenwert hat für Sie der Innerschweizer Kulturpreis?

Fabian Römer: Die allermeisten Preise waren für bestimmte Werke. Da sich dieser Preis nun auf meine gesamte Arbeit bezieht, ist er besonders wertvoll. Zudem fühle ich mich mit meiner Innerschweizer Heimat immer noch sehr stark verbunden.

Bei Filmmusik denkt man etwa an «Star Wars» mit der mächtigen Hauptmelodie und den auf die Hauptfiguren abgestimmten Motiven. Macht das die Qualität aus?

Das kann, muss aber nicht. Nehmen wir zum Beispiel die Musik der TV-Serie «Chernobyl».

Die habe ich gesehen, und sie hat mich extrem gepackt. Aber an die Musik kann ich mich gar nicht erinnern.

Das meine ich. Man muss solche Musik nicht unbedingt bewusst wahrnehmen. Und doch ist diese Musik, die viele Preise erhalten hat, besonders gut: Sie unterstützt die Handlung und die Atmosphäre perfekt, auch mit passenden Geräuschen.

Aber es gibt doch einen Unterschied zwischen Filmmusik und der Geräuschkulisse?

Früher war dieser Unterschied viel klarer. Inzwischen haben sich diese Grenzen immer mehr verwischt. Gerade auch, weil die Musik zunehmend auch atonale Elemente einsetzt.

Sie lassen durchaus auch mal Orchester erklingen. Basteln Sie das im Studio mit Computersounds zusammen?

Das würde ich nie tun. Wenn es Orchester braucht, setze ich ein echtes ein. Die Emotionalität ist einfach grösser. Schon eher mache ich auch mal das Umgekehrte: Indem ich eine Orchesteraufnahme im Studio verfremde und diese so fast künstlich klingt.

Inwieweit sind auch Sie von der Corona-Krise betroffen?

Sicher deutlich weniger als die vielen Kulturschaffenden, deren Einkommen von der direkten Interaktion mit dem Publikum abhängt. ich arbeite ja meistens zuhause im Studio. Aber auch ich habe bereits Ankündigungen erhalten, dass Dreharbeiten zu Filmen, für die ich komponieren soll, verschoben worden sind. Und auch mein Pensum als Dozent an der Musikhochschule München entfällt derzeit ohne Entschädigung.

Wie sind Sie eigentlich zur Filmmusik gekommen?

Ein Regisseur sagte mir, dass er Musik brauche. Da antwortete ich, dass ich Filmmusik schreibe. Und verschwieg, dass ich das bisher nur im stillen Kämmerlein für mich selber gemacht hatte. Er bestellte eine Arbeitsprobe, was mich ziemlich ins Schwitzen brachte. Aber offenbar war er zufrieden, denn ich bekam den Auftrag. Und so bin ich im Filmgeschäft gelandet.