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FILMMUSIK: Stimme lässt Rom und Erde brennen

Das 21st Century Orchestra geht nahtlos in den starken «Gladiator»-Bildern auf. Aber mit der Solistin Lisa Gerrard hebt es mit diesen im KKL auch mystisch ab.
Urs Mattenberger
Stimme voller Feuer und Leidenschaft: Lisa Gerrard in der «Gladiator»-Vorführung des 21st Century Orchestra. (Bild Philipp Schmidli)

Stimme voller Feuer und Leidenschaft: Lisa Gerrard in der «Gladiator»-Vorführung des 21st Century Orchestra. (Bild Philipp Schmidli)

Man kennt das von normalen Konzerten: Dass die Zugabe in gelöster Stimmung dem Abend nochmals ein Highlight aufsetzt. Und Vergleichbares geschieht im Kino, wenn der Abspann über die Leinwand gleitet, gedämpft das Licht angeht und man noch etwas abhängen kann, während der Soundtrack weiterläuft.

Am Freitag in der jüngsten «Live to Projection»-Aufführung des 21st Centu­ry Orchestra kam im KKL-Konzertsaal beides zusammen. Drei Stunden lang hatten die gewalttätig bedrängenden Bilder von Ridley Scotts «Gladiator» einen derart in Beschlag genommen, dass man das Orchester und den Chor auf der Bühne mitunter nicht mehr bewusst wahrnahm. Und das, obwohl beide unter der Leitung von Ludwig Wicki mit der grossen Kelle anrührten und den Bildern auf der Leinwand punkto Monumentalität und Gewalttätigkeit in nichts nachstanden.

Überwältigendes Gesamterlebnis

Aber am Schluss, während des Abspanns, hatte dieses Orchester sein grosses Solo ohne Konkurrenz der Bilder: Samtige Streicher, farbiges Holz und Schlagwerk, süffig strömende Blechbläser gaben hier quasi die Visitenkarte ab. Für die Idee, mit Livemusik zu Filmprojektionen dem Publikum den Besuch von Orchesterkonzerten auch ohne Film schmackhaft zu machen, dürften diese Minuten zum Schluss zentral sein. Die Filmvorführung selbst dagegen sensibilisiert umgekehrt für den Film – beziehungsweise für die Rolle, die die Musik darin spielt. Nächstes Mal werde er im Kino ganz anders auf die Musik hören, meinte treffend einer der 1800 begeisterten Konzertbesucher im restlos ausverkauften Konzertsaal.

Nach Arthouse-Filmen wie «The Artist» steht in vier Aufführungen bis heute mit «Gladiator» tatsächlich ein Streifen auf dem Programm, bei dem die packende Story alles andere in den Hintergrund drängt. Klar gehört da die Musik von Hans Zimmer zum überwältigenden Gesamterlebnis mit dazu. Dass der Feldherr Maximo (Russel ­Crowe), der sich am Kaiser-Sohn und -Mörder Commodus rächen will, auf Umwegen über Marokko zum Gladiator und Retter Roms wird, inspirierte den Komponisten zu einer stilistisch schillernden Musik, die von einer solchen Liveaufführung nach allen Seiten profitiert.

Für die Blechbläser- und Schlagwerk-Kaskaden zu den Schlacht- und Kampfszenen bot der Konzertsaal die nötige Kapazität, wie sie kein Kinosaal bietet. Und die von Cymbalon, orientalischen Oboen und Lauten urtümlich beschworenen Gegenwelten zu dem mit Wagner-Pomp ausstaffierten Rom entwickelten in der Saalakustik wunderbare Atmosphären.

Archaischer Gesang

Dass der Sound dennoch über weite Strecken massiv und plakativ wirkte, lag nicht nur an Zimmers Vorliebe für pathetischen Bombast. Die teilweise Verstärkung der Soloinstrumente (ein Highlight das Cello von Gerhard Pawlica) verstärkte diesen Zug, verhalf dem Abend aber auch zu einem überragenden Höhepunkt: Die archaischen Gesänge der Co-Komponistin Lisa Gerrard flammten im Saal warm und weit auf wie verbrannte Erde und lichtdurchflutete Sonnenuntergänge, wie sie Scott auf der Leinwand zeigt.

Es waren solche, vom Chor machtvoll ins Sakrale gesteigerten mystischen Momente, in denen man der Musik tatsächlich zuhörte, als wäre man im Konzert. Ansonsten ging hier die Musik über weite Strecken nahtlos in den Bildern und der Story auf. Und half mit, dass sie noch weit mehr überwältigte und überzeugte, als man es vom Kino oder vom Fernsehen in Erinnerung hat.

Hinweis

«Gladiator – Live to Projection» mit dem 21st Century Symphony Orchestera & Chorus: Heute, 11 Uhr (Restkarten) und 17 Uhr (ausverkauft), Konzertsaal KKL Luzern. VV: Tel. 041 226 77 77.

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