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FILMPORTRÄT: Film «Gauguin» klammert die pädophilen Neigungen des Malers aus

Regisseur Edouard Deluc zeigt in «Gauguin», welche Opfer der Künstler auf sich nahm, um auf Tahiti seine berühmten Gemälde zu schaffen. Doch klammert der Film dessen pädophile Neigungen aus.
Christina Genova
Eine ungleiche Beziehung: Die blutjunge Tehura ist auf Tahiti Paul Gauguins Geliebte und Muse. (Bild: Frenetic Films)

Eine ungleiche Beziehung: Die blutjunge Tehura ist auf Tahiti Paul Gauguins Geliebte und Muse. (Bild: Frenetic Films)

Christina Genova

Kokay nennt ihn seine Ehefrau Tehura. Stundenlang sitzt sie Paul Gauguin geduldig Modell. Tehura ist die «braune Eva», die Gefährtin im Südseeparadies, die sich der Künstler ersehnt hat. Sie inspiriert ihn zu einigen seiner berühmtesten Gemälde. Doch tatsächlich hat Gauguin die ursprüngliche Idylle am anderen Ende der Welt nicht vorgefunden, wohin er 1891 aufgebrochen ist. Polynesien ist französische Kolonie, die Einheimischen haben sich von ihren Traditionen entfremdet. Die Wut und Enttäuschung des Künstlers darüber zeigt Regisseur Edouard Deluc in seinem Film «Gauguin». Ungeschönt stellt er dar, unter welch prekären Bedingungen jene Werke entstehen, die später Gauguins Ruhm begründen. Der Künstler arbeitet wie ein Besessener, ist gesundheitlich schwer angeschlagen, finanziell abgebrannt. Vincent Cassel spielt Gauguin mit grosser Intensität – der Anblick seines eingefallenen, leidenden Gesichts ist manchmal kaum erträglich.

Syphilis und vier Minderjährige

Diskutabel ist, wie im Film Gauguins Verhältnis zu Tehura dargestellt wird. Darüber und über ­andere «blinde Flecken» ist in Frankreich eine Kontroverse entbrannt. So wird dem Regisseur vorgeworfen, er verschweige den pädophilen Charakter der Verbindung: Tehura, gespielt von der 17-jährigen Tuheï Adams, ist im Film eine starke, schöne Frau. Sehr jung zwar, aber Gauguin durchaus ebenbürtig. In Tat und Wahrheit war das Mädchen aber erst 13 Jahre alt und Gauguin 43, als er es zu sich nahm. Tehura war auch nicht seine einzige minderjährige Geliebte. Der Künstler hatte Beziehungen zu drei weiteren 14-Jährigen. Zwei davon schwängerte er, ausserdem steckte er sie wohl alle mit Syphilis an. Der Grund für Gauguins schlechten Gesundheitszustand war auch die Geschlechtskrankheit und nicht etwa nur sein ­Diabetes, wie im Film mehrmals erwähnt.

Obwohl man argumentieren könnte, dass damals auf Tahiti Beziehungen zu Minderjährigen nicht als anstössig erachtet wurden und es durchaus üblich war, Mädchen «auf Zeit» gegen Geschenke zu verheiraten, waren sie es im Paris des Fin de Siècle sehr wohl. Auch das Machtgefälle zwischen dem weissen erwachsenen Mann, der die Kolonialmacht repräsentiert, und dem heranwachsenden indigenen Mädchen wird im Film nicht the­matisiert: «Freiwillig», mit dem ­Einverständnis der Eltern, geht Tehura mit Gauguin mit.

Mutig und rücksichtslos

Eine weitere Szene, die Delucs mangelndes Gespür für kolonialistische Implikationen aufzeigt, ist jene, in welcher Gauguin dem jungen Tahitianer Jotépha (Pua-Taï Hikutini) wütend vorwirft, seine Holzskulpturen zu kopieren, um sie auf dem Markt an die Kolonialisten zu verkaufen. Im Gegenteil ist es so, dass Gauguin sich für seine Werke von der polynesischen Kunst beeinflussen liess.

Vielleicht krankt der Film ganz grundsätzlich daran, dass Regisseur Deluc gemäss eigener Aussage ausdrücklich keine filmische Biografie drehen wollte. Er habe Lust gehabt, einen Abenteuerfilm zu drehen, einen Western. Die frei adaptierte Vorlage für den Film ist denn auch der Reisebericht «Noa Noa», den Gauguin nach seinem ersten Aufenthalt in Tahiti verfasst hat. Dies ist aber kein reiner Tatsachenbericht, sondern eine «geschönte» Fassung fürs französische Publikum, die zu Gauguins Legendenbildung beitrug. Der Film stellt den Künstler als durchaus ambivalente Figur dar. Er zeigt seinen Mut, alle Zelte abzubrechen und Paris zu verlassen, aber auch seine Naivität. War Gauguin doch überzeugt, in der Südsee lebe man von Luft und Liebe – ein fataler Irrtum. Rücksichtslos opfert er für die Verwirklichung seines Traums seine Familie und lässt Frau und fünf Kinder in Paris ­zurück. Dass der Künstler auch seine Geliebte verlässt, die ein Kind von ihm erwartet, verschweigt der Film hingegen lieber.

Hinweis
«Gauguin» läuft im Kino Capitol (Luzern). Das aktuelle Kinoprogramm der Region finden Sie .

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