FILMPRÄSIDENTEN: Präsidiale Auftritte à la Hollywood

Fast so beliebt wie die Rolle des kampferprobten Helden ist jene des US-Präsidenten. Eine Auflistung.

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Kevin Spacey mimt den US-Präsidenten Francis Underwood in der TV-Serie «House of Cards». (Bild: PD/outnow.ch)

Kevin Spacey mimt den US-Präsidenten Francis Underwood in der TV-Serie «House of Cards». (Bild: PD/outnow.ch)

Als der damalige Zweitklassschauspieler Ronald Reagan zum US-Präsidenten gewählt wurde, soll er beim Einzug ins Weisse Haus nach dem «War Room» gefragt haben, den er aus Stanley Kubricks Satire «Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben» (1964) kannte. Diese Anekdote, ebenso wie die Ironie der Geschichte, dass ein Schauspieler die Rolle des Staatenlenkers übernahm, sind ein schönes Beispiel für die enge Liaison zwischen US-Politik und Hollywood. Die Showeffekte des Politbetriebs beziehen sich auf die Inszenierungstechniken des Filmgeschäfts und umgekehrt. Wer von wem lernt oder abkupfert, ist kaum zu sagen. Echte Präsidenten und Präsidentschaftskandidaten studieren die Kinorollenbilder ebenso, wie sich die Drehbuchautoren und Schauspieler von realen Staatsmännern inspirieren lassen. Es gibt ein Wortspiel in den USA, das lautsprachlich diese Verwischung von realen und fiktiven Präsidenten auf den Punkt bringt: «Reel President/Real President» – Rolle und Realität sind in ihrer Inszenierung nur schwer zu unterscheiden. Als George W. Bush 2003 in Pilotenmontur auf dem Flugzeugträger U.S.S. Lincoln den Irak-Krieg für beendet erklärte, spielte der Auftritt deutlich auf Bill Pullman an, der sich als US-Präsident im Blockbuster «Independence Day» (1996) in den Kampfjet setzte, um Aliens zu besiegen.

Das präsidiale Image im US-Kino hat sich immer wieder als ein Barometer gesellschaftlicher und politischer Stimmung erwiesen. So bröckelten die politischen Heldenbilder beispielsweise in den 1960er-Jahren im Zuge des Vietnamkriegs.

Machtmonster im Weissen Haus

Seither wird auch immer wieder von Machtmonstern im Oval Office erzählt, wobei die finstersten Szenarien von Intrigen, Lügen und Missgunst in US-Fernsehserien zu bestaunen sind. Besonders «House of Cards» mit Kevin Spacey (hier im Bild, er hat auch Präsident Nixon im Kinofilm «Elvis/Nixon» verkörpert) lässt gar einen Verbrecher ins Weisse Haus einziehen. Der jüngste TV-Präsident heisst Tom Kirkman, gespielt von von Kiefer Sutherland («24»). Er tritt in der Serie «Designated Survivor» an, das Vertrauen in die zuletzt attackierte politische Elite wieder herzustellen. Ein integrer Staatsführer, wie er auch in den Serien «The West Wing» (1996–2006) mit Martin Sheen und «Commander in Chief» (2005–2006) mit Geena Davis präsentiert wird.

Prophetisches Hollywood

In der fiktiven Geschichtsschreibung wachsen Präsidenten oft zu Übervätern und idealisierten Führungsfiguren. Einen sanften, liebenden Präsidenten gibt beispielsweise Michael Douglas in «The American President» (1995), und Kevin Kline verkörpert in «Dave» einen Doppelgänger, der den besseren Präsidenten abgibt als der Amtsinhaber. Manchmal eilt Hollywood der Realität voraus. Einen schwarzen Präsidenten sahen die USA 1998 mit Morgan Freeman in «Deep Impact» und ab 2001 mit Dennis Haysbert als Präsident David Palmer in der Serie «24» – bevor 2008 Barack Obama zum Staatsoberhaupt gewählt wurde. Auf die erste Frau im Oval Office, die Hollywood bereits mehrfach inthronisiert hat, muss man in der Realität allerdings noch warten.

Andreas Stock
kultur@luzernerzeitung.ch