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FLÜCHTLINGSGESCHICHTEN: Hoffen auf einen besseren Ort

Warum Familien aus Kriegsgebieten ihre Heimat zurücklassen und sich – oft zu Fuss – auf eine gefährliche Reise ins Ungewisse machen: Davon erzählen derzeit viele Bücher für Kinder.
Bettina Kugler
Schwer wie Steine werden die Füsse unterwegs: Eines der starken, berührenden Steinbilder von Nizar Ali Badr aus dem Buch «Ramas Flucht». (Bild: PD/Gerstenberg)

Schwer wie Steine werden die Füsse unterwegs: Eines der starken, berührenden Steinbilder von Nizar Ali Badr aus dem Buch «Ramas Flucht». (Bild: PD/Gerstenberg)

Bettina Kugler

«Bestimmt wird alles gut», so steht es auf dem kleinen Buch, das Kirsten Boie zuletzt geschrieben hat. Sonst erzählt sie gern von Rittern und Seeräubern, von Meisterdetektiven in der afrikanischen Savanne oder von den Abenteuern deutscher Kindergartenkinder. Doch jetzt hat sie ein Thema angepackt, das dauernd in den Nachrichten ist. Am Beispiel einer syrischen Familie macht sie erfahrbar, was es heisst, alles zurückzulassen, auf der Flucht zu sein und in einem fremden Land neu anzufangen.

Bestimmt wird alles gut: Unter den vier Wörtern, die aussehen wie mit einer alten Schreibmaschine ­getippt, sind schön geschwungene Buchstaben mit Kreisen und Querstrichen drüber, eine fremde Schrift: Arabisch. Und so geht es auf jeder Seite der Geschichte von Rahaf und ihrem jüngeren Bruder Hassan weiter.

Immer wieder versucht sich die Familie Mut zu machen. Wie all die vielen Menschen, die gegenwärtig auf der Suche nach einem Ort zum Überleben sind. Bestimmt wird alles gut! Wer das nicht glaubt und hofft, kann es nicht schaffen. Die meisten denken es lange, bevor sie zum Aufbruch bereit sind. Denn Flucht ist eine Reise ins Ungewisse, unter Lebensgefahr. Stell Dir vor, Du dürftest nur das Nötigste zusammenpacken – und vielleicht nicht einmal den besten Freunden etwas verraten. Abschied nehmen von Oma und Opa, für immer.

Nur ein Rucksack – und der muss zurückbleiben

So ist es bei Rahaf und Hassan in Kirsten Boies wahrer Geschichte. Die Kinder haben mit ihren Eltern die Stadt Homs in Syrien verlassen. Sie waren lange unterwegs. Erst nach Ägypten. Dann haben sie auf einem kleinen, alten Schiff mit viel zu vielen Menschen das Mittelmeer überquert. Für

das Gepäck war da kein Platz. Sie hatten schon wenig dabei, zwei Koffer und jeder einen Rucksack. Doch auch die können nicht mit übers Meer. Als sie in Italien ankommen, müssen sie froh sein, dass sie noch leben. Doch das ist erst der Anfang. Es wird noch lange dauern, bis sie am Ziel sind. Das nächste ist ein «Notaufnahmelager», später leben sie in einem Wohncontainer. Als Rahaf und Hassan in die Schule kommen, verstehen sie nichts und können kein Wort Deutsch.

Darüber schreibt auch Peter Härtling in seinem Kinderroman «Djadi, Flüchtlingsjunge». Anders als die Kinder in Kirsten Boies Geschichte ist Djadi mutterseelenallein in Europa gestrandet; eine Wohngemeinschaft nimmt ihn auf und kümmert sich um ihn: so hat er plötzlich sechs Grosseltern. Die aber sind, wie Eltern manchmal auch, ziemlich überfordert. Djadi kann ja mit ihnen nicht darüber sprechen, was er an Schlimmem erlebt hat. Der alte Wladi aber

erinnert sich wieder an die Zeit, als er selbst ein Flüchtlingskind war – wie der Schriftsteller Peter Härtling. Er hat oft über diese Eindrücke und Ängste geschrieben.

Bei Mehrnousch Zaeri-Esfahani hat es fast dreissig Jahre gebraucht, bis sie den unsichtbaren «Rucksack» an Erinnerungen auspacken und anschauen konnte, was sie mitgebracht hat aus ihren Kinderjahren in Iran. Daraus sind zwei Bücher entstanden: eins für Jugendliche und eins, das sich wie ein Märchen aus 1001 Nacht liest: «Das Mondmädchen».

Kirsten Boie, Jan Birck: Bestimmt wird alles gut, Klett Kinderbuch (ab 6) Peter Härtling: Djadi, Flüchtlingsjunge, Beltz & Gelberg (ab 10) Margriet Ruurs, Nizar Ali Badr: Ramas Flucht, Gerstenberg (ab 6) Francesca Sanna: Die Flucht. NordSüd (ab 5) Mehrnousch Zaeri-Esfahani: Das Mondmädchen, Knesebeck (ab 9)

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