FRAME-LESETIPP: Früher verkaufte Emma Stone Hundefutter, heute Träume

Emma Stone sagt, auch sie sei zu Beginn in Hollywood in eine Krise geraten. Diese Erfahrung sei in ihre Rolle in «La La Land» eingeflossen, für die sie jetzt für den Oscar als Beste Hauptdarstellerin nominiert ist. Ein Porträt.

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Emma Stone, 28 Jahre alt, und zum zweiten Mal für den Oscar nominiert. (Bild: PD/nzz.ch)

Emma Stone, 28 Jahre alt, und zum zweiten Mal für den Oscar nominiert. (Bild: PD/nzz.ch)

Zuerst war ihr schlecht, dann brach Emma Stone in Tränen aus. Die begeisterte Reaktion des Publikums auf «La La Land» von Damien Chazelle am Filmfestival in Venedig überwältigte die Schauspielerin: «Mein Herz zersprang fast vor Freude», erinnert sie sich an die Standing Ovations ein paar Tage später in Toronto.

«Dann streckte Damien seine Hand nach mir aus – sie war patschnass. Was für eine Szene: Er schwitzte, und ich schluchzte!» Am Ende gewann die 28-Jährige die Coppa Volpi als beste Schauspielerin, danach einen Golden-Globe in der Musical-Kategorie, und jetzt ist sie für den Oscar als Beste Hauptdarstellerin nominiert.

«La La Land» erzählt von einer Schauspielerin und einem Musiker zwischen dem Anfang ihrer jeweiligen Karrieren und dem Ende ihrer Träume in der Stadt, in der alles möglich ist, aber manche Hürden zu hoch sind. Stone kann sich an ihre eigenen Anfänge in Los Angeles noch gut erinnern.

In Scottsdale, Arizona, aufgewachsen und begeistertes Mitglied einer Kindertheatergruppe, überzeugte sie als Teenager ihre Eltern mit einer Powerpoint-Präsentation, dass ein Umzug nach L. A. das Beste für sie sei. «Mein erstes Casting war für eine Sitcom», so Stone über ihr Hollywood-Debüt. «Ich hatte keine Ahnung, was die Kamera bewirkt. Der Casting-Leiter sagte, ich brauchte nicht zu schreien, damit mich die Leute in den hinteren Reihen hörten.»

Wie im Film, so gab es auch bei ihr Tränen in einem Casting: Einmal las Stone ihren Text vom Blatt ab, weil sie ihn nicht rechtzeitig bekommen hatte, um ihn auswendig zu lernen. «Die Casting-Agentin stauchte mich so zusammen, dass ich zu heulen anfing. Das war schlimm, ich war 16 und wollte nicht unprofessionell erscheinen.» Die schlimmste Zeit folgte drei Monate später: keine Einladungen zu weiteren Castings. Totale Funkstille. Das habe ihr seelischen Schmerz zugefügt.

Damals noch als Blondine unterwegs, passte Stone mit ihrer tiefen Stimme weder in die Schablone der braven Tochter noch in die der sexy Cheerleaderin. Sie sei ein komischer Typ gewesen, schätzt sich die Tochter eines Baumeisters und einer Hausfrau ein: «Ich lebte mit meiner Mutter in einem Apartment, wurde zu Hause unterrichtet und jobbte in einer Hunde-Bäckerei. Ich verkaufte teure Hundebiskuits an die Damen aus Beverly Hills.»

Nach mehreren Nebenrollen in TV-Shows schaffte sie 2007 den Durchbruch als Jonah Hills Traumfrau in der Komödie «Superbad», und mit der Teenie-Komödie «Easy A» landete sie 2010 ihren ersten Hit als Hauptdarstellerin. Im Südstaaten-Drama «The Help» und in der Showbiz-Satire «Birdman», die ihr ihre erste Oscar-Nomination einbrachte, stellte Stone ihr Talent auch im dramatischen Fach unter Beweis.

«La La Land» ist nach «Crazy, Stupid, Love» und «Gangster Squad» der dritte Film, in dem sie an der Seite von Ryan Gosling spielt: «Die Vertrautheit zwischen uns war sicher ein Vorteil, aber mit dem Musical-Genre betraten wir beide Neuland», erklärt Stone, die «Grease» 60 000 Mal («das ist die genaue Zahl, das können Sie so zitieren»), «Flashdance» und «Footloose» aber noch nie gesehen hat.

Seit Kindheit ein Fan von Bühnen-Musicals, trat sie 2014 erstmals in «Cabaret», einem Broadway-Musical, auf. Auch in «La La Land» wird meist live gesungen. Das besonders herausfordernde Duett im Griffith Park wurde jedoch zu Playback gedreht: «Das ist eine sechsminütige Einstellung, bei der es zuerst bergauf geht und dann direkt in die Tanznummer. Das mussten wir monatelang üben!»

Stone, die in L. A. und New York lebt und sich letztes Jahr von ihrem «Spider-Man»-Co-Star Andrew Garfield getrennt hat, kann die Beziehungshürden des «La La Land»-Künstlerpaars nachvollziehen: «Ich finde Los Angeles nicht romantisch, aber ich glaube, man kann die grosse Liebe finden und trotzdem seinen Träumen nachgehen.»

Obwohl ihre Träume wahr wurden, fragt sie sich, wie ihr Leben verlaufen wäre, hätte sie nicht alles auf eine Karte gesetzt. «Als meine Freunde ihren Uni-Abschluss machten, hatte ich eine Krise. Wie wäre mein Leben wohl verlaufen, wenn ich weiter zur Schule gegangen wäre? Jetzt bin ich über dieses Grübeln hinweg. Ich weiss, dass ich heute nicht das tun könnte, was ich immer machen wollte, wenn ich aufs College gegangen wäre.»

Marlène von Arx
kultur@luzernerzeitung.ch

Emma Stone und Ryan Gosling als Traumpaar in einer traumhaften Welt. (Bild: PD)

Emma Stone und Ryan Gosling als Traumpaar in einer traumhaften Welt. (Bild: PD)

Auch in «Crazy, Stupid, Love» mimen Ryan Gosling und Emma Stone ein bezauberndes Duo. (Bild: PD/outnow.ch)

Auch in «Crazy, Stupid, Love» mimen Ryan Gosling und Emma Stone ein bezauberndes Duo. (Bild: PD/outnow.ch)

Emma Stone als blonde Gwen Stacy an der Seite des «Amazing Spider-Man» Andrew Garfield. Szene aus Teil zwei «Rise of Electro». (Bild: PD/outnow.ch)

Emma Stone als blonde Gwen Stacy an der Seite des «Amazing Spider-Man» Andrew Garfield. Szene aus Teil zwei «Rise of Electro». (Bild: PD/outnow.ch)