FRANKFURT: Das Motto lautet: Mehr Inhalt, weniger Show

An der Buchmesse, die morgen startet, sollen Autoren und Texte im Zentrum stehen. Flucht, Meinungsfreiheit und Extremismus sind prägende Themen.

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Salman Rushdie gehört zu den vielen Starautoren, die in Frankfurt erwartet werden. (Bild: Keystone)

Salman Rushdie gehört zu den vielen Starautoren, die in Frankfurt erwartet werden. (Bild: Keystone)

Die Buchmesse wolle sich wieder mehr um Inhalte kümmern, sagt Direktor Juergen Boos. Auf der weltgrössten Bücherschau, die am 13. Oktober eröffnet wird, rechnet man bis Sonntag mit rund 300 000 Besucherinnen und Besuchern. Boos verspricht «die politischste Messe seit langem».

Salman Rushdie kommt

Zur morgigen Eröffnungsmedienkonferenz wird Salman Rushdie erwartet. «Seine Biografie und sein literarisches Werk verleihen ihm eine gewichtige Stimme in der weltweiten Diskussion über Meinungsfreiheit im Publizieren», erklärte Boos. Der indisch-britische Autor war 1989 mit einer «Fatwa» belegt worden. Radikale Muslime hatten seinen Roman «Die satanischen Verse» als gotteslästerlich empfunden. Über sein Leben unter der Todesdrohung hatte Rushdie 2012 in dem autobiografischen Roman «Joseph Anton» berichtet. Vor einer Woche erschien sein jüngster Roman «Zwei Jahre, acht Monate und achtundzwanzig Nächte». Wegen Rushdies Präsenz boykottiert der Iran die Buchmesse.

Knapp 7200 Aussteller haben sich in diesem Jahr angemeldet, etwa so viele wie im Vorjahr. Auch Verlage aus Krisengebieten sind darunter, sogar aus dem Bürgerkriegsland Syrien. Osteuropa ist so stark vertreten wie seit langem nicht mehr. Mehr Verlage kommen auch aus Lateinamerika und Südostasien.

Muschg und weitere Promis

Der Schweizer Diogenes-Verlag hat erstmals keinen Stand auf der Messe. Als Grund nannte der Verlag bei der Absage im April wirtschaftliche Gründe. Diogenes vertritt unter anderen Ian McEwan, Martin Suter und Ingrid Noll.

Frankfurt trägt die Absage mit Fassung: Insgesamt kämen sogar mehr Verlage aus der Schweiz. Ausserdem sei Diogenes «natürlich» auf der Messe, zum Beispiel im Agenten-Zentrum, wo an inzwischen 460 Tischen Rechte gehandelt werden. Ehrengast ist 2015 Indonesien. 70 Autoren wollen nach Frankfurt reisen, mehr als 100 Bücher aus Indonesien erscheinen in diesem Jahr auf dem deutschen Buchmarkt, 500 Veranstaltungen sind geplant.

Prominente Namen geben sich in Frankfurt ein Stelldichein – darunter die Sextherapeutin Ruth Westheimer und Erfolgsautoren wie Ken Follett, Isabel Allende, Jussi Adler-Olsen, Anna Enquist oder Zeruyah Shalev. Aus der Schweiz wird unter anderen Adolf Muschg erwartet.

Weltrekordversuch

Auch wenn die Devise «Mehr Inhalt, weniger Show» lautet: Medienwirksame Events gehören einfach dazu. Das Presseteam kündigte einen Weltrekordversuch im Bücher-Domino an. Mehr als doppelt so viele Bücher wie beim bisherigen Rekord sollen in Frankfurt nacheinander fallen: 4000. Wer anstupsen darf, ist noch nicht entschieden.

Sandra Trauner, dpa

Hinweis

Einen Beitrag über die Literatur von Indonesien lesen Sie in den nächsten Tagen auf der Kulturseite.