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Frankreichs Conchita Wurst

Frankreich wird am nächsten Eurovision Song Contest in Israel durch einen maghrebinischen, homosexuellen Sänger vertreten. Da Bilal Hassani massiv angefeindet wird, muss nun die Regierung eingreifen.
Stefan Brändle, Paris
Freut sich auf den ESC in Tel Aviv: Bilal Hassani (19). (Bild: PD)

Freut sich auf den ESC in Tel Aviv: Bilal Hassani (19). (Bild: PD)

Er wusste, was auf ihn zukommt. In seinem Lied «Roi» (König), mit dem er sein Land am Eurovision Song Contest im Mai vertreten wird, singt Bilal Hassani selbst: «Ich entspreche nicht der Norm, und das stört viele.» Er sei sich der «Blicke und Ansichten» der anderen wohl bewusst, fährt der 19-jährige Sänger mit dem weiblichen Look fort, um halb auf Französisch, halb auf Englisch klarzustellen: «Je suis free» – «Ich bin frei».

Nicht alle mögen das. Zahllose und teils sehr gehässige Reaktionen flirren seit Hassanis Vorwahlsieg am vergangenen Samstag durch die sozialen Medien. Die Tageszeitung «Midi Libre» zeichnete Hassani unter einer Guillotine. Der Influencer Hatoum Night wurde von seiner Agentur auf die Strasse gestellt, als er dazu aufrief, den androgynen Sänger zu «töten».

Frankreich macht Ähnliches durch wie Österreich mit Conchita Wurst (30). Dessen Siegertitel «Rise Like a Phoenix» von 2014 war der Ausgangspunkt für Has­sanis Durchbruch: Mit diesem Song eroberte der unscheinbare Teenager 2015 die französische TV-Sendung «The Voice Kids». Schon damals hagelte es feindliche Kommentare. Hassani hat marokkanische Eltern und tritt selbst für europäische Verhältnisse eher extravagant auf – mit langem platinblondem Haar, altmodischer Nickelbrille und fingerdicken Schminkzügen. Sein neues Songvideo «Roi» ist schon über sieben Millionen mal angeklickt worden. Auf Facebook, Instagram und Twitter kommt Hassani zusammengenommen auf über eine Million Anhänger.

Daran gemessen sind seine Gegner nicht sehr zahlreich. Aber überaus aggressiv. Eine Internetgruppe namens «Bilal Protectors» sucht ihn nun online zu schützen. Vor Gericht nimmt sich das Komitee «Stop Homophobie» des Falles an. Diese Woche hat es über 200 Einzelan-zeigen gegen Hassani-Gegner eingereicht.

Gesetz gegen Online-Belästigung

Am Freitag haben die zwei Regierungsvertreter Marlène Schiappa und Mounir Mahjoubi mehrere Anwälte und Supportervereine Hassanis empfangen, um ihnen die Solidarität der Behörden im Hinblick auf den Eurovision Song Contest (ESC) – ehemals Eurovision – auszudrücken. Mahjoubi, der selbst marokkanischer Herkunft ist und sich Mitte 2018 als homosexuell geoutet hat, kündigte dabei noch für dieses Jahr ein Gesetz gegen Online-Belästigung an.

In diese ohnehin sehr gereizte Polemik mischt sich eine weitere, die mit dem ESC-Austragungsort zu tun hat. Hassani wird in Frankreich aufgrund seiner arabischen Wurzeln angehalten, die Eurovision in Tel Aviv zu boykottieren. Eine regionale Sektion der militanten Anti-Aids-Organisation Act Up forderte den französischen Kandidaten auf, nicht nach Israel zu reisen, um auf diese Weise gegen die Diskriminierung «palästinensischer Queers» zu protestieren.

Bilal Hassani erteilte ihnen diese Woche eine Absage. Er sei gegen eine Politisierung des Events und könne es nicht erwarten, nach Tel-Aviv zu reisen, wo ein «sehr aufregendes Leben» und viel «Sonne» auf ihn warte. Auch sei er ein grosser Fan von Netta Barzilai, der israelischen ESC-Siegerin von 2018.

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