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FRANZISKANERKIRCHE: Bach-Ensemble Luzern spielte exquisite Chormusik

Das Bach-Ensemble Luzern überzeugte mit selten gehörter Chormusik. Musik von Johann Sebastian Bach und seinem jüngsten Sohn umrahmten ein Cellokonzert von Carl Stamitz.
Gerda Neunhoeffer
Das Bach-Ensemble Luzern bei seinem Auftritt am Sonntag in der Franziskanerkirche. (Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 11. März 2018))

Das Bach-Ensemble Luzern bei seinem Auftritt am Sonntag in der Franziskanerkirche. (Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 11. März 2018))

Gerda Neunhoeffer

kultur@luzernerzeitung.ch

Franz Schaffner überrascht mit seinem Ensemble immer wieder mit selten aufgeführten Werken und kann in dieser Saison unter dem Motto «Cello, Bach und ­Söhne» die Musik vielfältig kombinieren. Es wird jeweils eine Kantate oder Motette von Johann Sebastian Bach mit Werken seiner Söhne erklingen, dazu ein Cellokonzert von Haydn, Bach-Söhnen oder Stamitz, das von Jürg Eichenberger gespielt wird.

Im ersten Konzert am Sonntag setzte Schaffner ganz auf Kon­traste, und die vielen Zu­hörer in der Franziskanerkirche erlebten ein Wechselbad an Stimmungen, die von Chor und Orchester des Bach-Ensembles Luzern vielschichtig in Szene gesetzt wurden. Die Kantate BWV 25 «Es ist nichts Gesundes an meinem ­Leibe» von Johann Sebastian Bach führt mit ihren dissonanten Anfangsakkorden, die wie Seufzer klingen, in den schwermütigen Text über Elend, Krankheit und das Gift der Sünden.

Strahlend und tröstlich

Es gelang Franz Schaffner eindrucksvoll, den ausgedehnten Eingangschor mit seinen gestaffelten Einsätzen und den auskomponierten Klagen zu gestalten. Nur der Choral «Herzlich tut mich verlangen», der von den Bläsern gespielt zwischen den Seufzer-Motiven und Klagen leise erklang, deutete Erlösung an. Und im Schlusschoral kam diese Zuversicht strahlend und tröstlich zum Ausdruck. Die dazwischenliegenden Arien und Rezitative begleitete Franz Schaffner am Cembalo, das Continuo-Cello spielte Marina Cotallo.

Ganz gegensätzlich dazu war das Konzert für Cello und Orchester A-Dur von Carl Stamitz. Schwungvoll spielte das Orchester mit Konzertmeisterin Naomi Lozano-Tolksdorf die Einleitung im «Allegro con spirito», die Jürg Eichenberger mit vollem, dabei weichem Ton aufgriff. Die Einheit zwischen Orchester und Solist war spürbar, und die Freude am gemeinsamen Musizieren sprang unmittelbar auf die Zuhörer über. Kein Wunder, ist Eichenberger doch seit vielen Jahren Solo­cellist im Bach-Ensemble.

Nun zeigte er sich als versierter Solist, virtuos und einfühlsam, schwelgerisch im Adagio und spritzig im raschen Rondo. Filigran begleitete das Orchester, Schaffner liess sich ganz auf die Interpretation von Eichenberger ein, folgte kleinsten Nuancen und liess dem Solisten viel Freiraum. Die leicht fliessende Musik, im Adagio fast schon romantisch, gelang spielerisch und heiter, und die Zuhörer dankten mit kräftigem Applaus.

Der jüngste Sohn der Bach-Familie, Johann Christian Bach, schrieb mit 22 Jahren eine Totenmesse, die er aber nicht vollendete. Schon 2013 führte Schaffner diese Musik erstmals auf, deren Noten im Kloster Einsiedeln aufbewahrt werden. Die bisweilen prachtvolle Klangsprache des Bach-Sohnes kam vor allem in den Chorsätzen der «Missa da Requiem «zum Ausdruck. Vielstimmig fächerte sich der Chor im Introitus auf, strahlend klang das Tutti, unerwartet prunkvoll, fast fröhlich auch im Kyrie. Dass dieser Bach in Mailand studiert hat, ist durch das ganze Werk zu hören, und die Arien und Chöre könnten genauso gut in einer Oper erklingen. Das zeigte sich stark im «Dies irae, dies illa» mit dramatischer Orchestereinleitung, die von den Musikern lebhaft ausgespielt und dann vom Chor mit kraft­voller Steigerung aufgenommen wurde. Und wie die Streicher das Zittern in «Quantus tremor est futurus» ausspielten und Wolf H. Latzel dazu den Text mit volltönendem Bass gestaltete, war eindrucksvoll.

Echoartige Sequenzen

Dass das «Tuba mirum» hier vom Sopran gesungen wurde, mag ein Kunstgriff des Komponisten sein; die Tonwiederholungen der Hörner als letzte Posaunen klangen stark zu dem weichen Sopran von Martina Fausch. Die Solisten fanden sich in Duett, Terzett und Quartett zusammen, Reto Hof­stetter mit manchmal etwas ­forciertem Tenor, Susanne Puch­egger mit klangvollem Alt, der nur in der Tiefe leicht verdeckt wurde. In den weiteren Chor­sätzen bewies der Chor seine ­Flexibilität, nur manche Einsätze klangen nach den langen Arien etwas unsicher. Besonders klangschön gelangen im «Lacrimosa» die lang ausgehaltenen Akkorde, die sich doppelchörig in echoartige Sequenzen auffächerten, um wieder in unglaubliche Ruhe zurückzufinden. Mit leicht geführten Stimmen steigerte sich der Chor bis in das vielstimmige «Dona nobis pacem», das sich weit im Kirchenraum ausbreitete.

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