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FREILICHTTHEATER: Selbst der Teufel lässt sich überlisten

Gisela Widmers Stück «Tyyfelsbrigg» wird in der Naturarena hinter der Andermatter Kaserne zum packenden Bilderbogen: der Sagenstoff als Zeitgeschichte.
Urs Bugmann
Da müht sich der Teufel (Manuel Kühne) vergeblich: Mit eingeritztem Kreuz ist der mächtige Felsstein auch ihm zu schwer. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

Da müht sich der Teufel (Manuel Kühne) vergeblich: Mit eingeritztem Kreuz ist der mächtige Felsstein auch ihm zu schwer. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

Bild: Urs Hanhart / Neue UZ
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Bild: Keystone / Urs Flüeler
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Bild: Florian Arnold / Neue UZ
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Bild: Keystone / Urs Flüeler
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Regisseur Livio Andreina gibt Anweisungen. (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)
Bild: Urs Hanhart / Neue UZ
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Bei der Probe am 7. Juni: Ausstatterin Anna Maria Glaudemans Andreina hilft bei der Anprobe der Kostüme. (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)
Bild: Urs Hanhart / Neue UZ
Auch der bekannte Kabarettist Emil Steinberger und dessen Frau Niccel liessen sich die Premiere nicht entgehen. (Bild: Bruno Arnold / Neue UZ)
Warten gespannt auf die Premiere: «Tyyfelsbrigg»-Autorin Gisela Widmer und Clown Dimitri. (Bild: Bruno Arnold / Neue UZ)
Der OK-Präsident der Andermatter Freilichtspiele, Christoph Gähwiler, begrüsst alt Bundesrat Christoph Blocher. (Bild: Bruno Arnold / Neue UZ)
Prominentes Polittrio; von links: Landesstatthalter Heidi Z'graggen, die höchste Schweizerin, Maya Graf, und Landammann Josef Dittli. (Bild: Bruno Arnold / Neue UZ)
Urs Traxel, Direktor des Hauptsponsors UKB, und der Andermatter Gemeindepräsident Roger Nager (links) amüsieren sich. (Bild: Bruno Arnold / Neue UZ)
37 Bilder

Freilichtspiel Tyyfelsbrigg

Auf dem Schilterladewagen markieren zwei Säulen und ein roter Vorhang die Theaterbühne. Der Gemeindepräsident und seine Frau reden über die unüberwindliche Schöllenenschlucht. Eine Brücke über die stiebene Reuss würde dem Tal die weite Welt und die neue Zeit öffnen, den Handel beflügeln und den Reichtum befördern. Die Blasmusik spielt, und die Urschner reihen sich in groben Bauernhemden, Hosenträgern und Holzschuhen, Comic-Masken aufgesetzt, zum Chor: Hoch hinauf die Felsen, tief hinunter die Wasser, echoen sie. Soll man eine Brücke bauen, kann man?

Man kann nicht. «De sell dr Tyyfel ä Brigg buä», entscheidet der Gemeindepräsident. Der Leibhaftige lässt sich nicht lange bitten. Flugs steht die Brücke da. Aber er will seinen Preis: die erste Seele, die darübergeht. Die Urschner sinnen auf eine List und jagen ihm einen Geissbock entgegen. Das lässt sich der Teufel nicht gefallen, er schleppt einen Felsbrocken herbei, sein Werk wieder zu zerstören. Drei alte Weiblein überreden ihn, zu rasten und den Stein abzustellen. Ein kleines Kreuz wird eingeritzt, und schon kann der Teufel den Brocken nicht mehr bewegen.

Unverfrorene Jugend

Mit einem Theater im Theater beginnt Gisela Widmers «Tyygelsbrigg» hinter der Kaserne in Andermatt. Und mit einer Rahmengeschichte, die die Sage aus alten Zeiten mit dem Heute verbindet. Die beiden Teenager Nina (Mahalia Horvath) und Beni (Gian Leander Bättig) rumpeln die Tribünentreppe hinunter. Sie kommen zu spät zur Aufführung und suchen ihre Plätze. Lange bleibt die unverfrorene Jugend da nicht sitzen, Nina klettert auf den Teufelsstein und hänselt den zagenden Beni, bis er sich nachtraut. Über den Teufel lachen die beiden: Den gibt es doch gar nicht.

Denkste: Mit Feuer und Rauch tritt er auf, und Beni hält nur noch Ninas rechten Schuh in der Hand. Den ganzen Abend lang sucht jetzt Beni nach Nina. Erst am Schluss finden sie sich wieder.

Dazwischen spielt der Teufel mit Beni, führt ihn ein in die Sagenwelt. Er lockt und verführt die Urschner zum Brückenbau, ermuntert sie, in die Neuzeit aufzubrechen, den Gotthard als Mitte zu sehen, als Kern einer Schweiz, die sie gründen sollen. Er schwenkt die Fahne und macht sich lustig über die Demokratie, mit der es die Talleute versuchen: Über Brücke oder nicht Brücke, Beharren oder Aufbrechen wird abgestimmt, und die Sage wird Zeitgeschichte. Eine einzige Stimme gibt den Ausschlag: das stumme Meitschi, das Beni helfen will, Nina wiederzufinden. Wieder zaubert der Teufel die Brücke herbei, mit Knall und Rauch und Feuerwerk.

Diesmal geht die Geschichte anders aus: Ein Ziegenbock hat keine Seele, also muss es ein Mensch sein. Aber wer? Gisela Widmer macht in ihrem Stück diese Frage zur bedrängenden Hatz. Ihr Happy End zeigt, dass den Teufel besiegt, wer nicht an ihn glaubt. Das überzeugt nur halb, doch setzt es einen aufgeklärten Schlusspunkt hinter diesen sagenhaft bilderreichen und spektakulären Theaterabend unter freiem Himmel.

Sinnenfreudige Bilder

Zusammen mit dem Choreografen Lukas Schmocker realisiert Regisseur Livio Andreina in der Naturarena ein packendes Spiel. Anna Maria Glaudemans Andreina sorgt mit ihrer Ausstattung für sinnenfreudige Bilder, die ihren Höhepunkt finden, wenn die Urner Sagengestalten das Bühnenrund beleben: die über den Boden jagenden Steine, die Garbenmänner und Sacktuchpuppen, das wilde Tier und die Pferdekopfmenschen.

Der Stimmkünstler Bruno Amstad untermalt diesen Geisterzug mit schauerlichen Klängen und dumpfen Paukenschlägen: Das Augenspektakel wird zum Albtraum.

Die Laienspieler legen sich kräftig ins Zeug und machen ihre Sache glänzend. Manuel Kühne gibt dem Teufel boshafte Spiellust und Verführungskunst, wenn er mit Sportwagen, Oldtimer, Pferdekutsche und Piaggio-Dreiradwägelchen um die Bühne rauscht, wenn er seine Scherze mit den Leuten treibt.

Hinweis

Aufführungen bis 31. August bei jedem Wetter, mittwochs, freitags, samstags, sowie am Donnerstag, 15. August, jeweils um 20 Uhr, bei der Kaserne Andermatt. Am Sonntag, 28. Juli, um 15 Uhr. www.tyyfelsbrigg.ch

Tyyfelsbrigg: Weitere Fotos zum Freilichtspiel finden Sie auf www.luzernerzeitung.ch/bilder

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