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Luzerner Freudenhymnus mit grossem Ton

Mit Beethovens Neunter Sinfonie feierte das Luzerner Sinfonieorchester im KKL einen dreifachen Grosserfolg. Jetzt bestehen die Live-Aufnahmen auf CD auch gegen aktuelle Konkurrenz.
Roman Kühne
Grosses Finale: James Gaffigan dirigiert das Luzerner Sinfonieorchester, die Zürcher Sing-Akademie und Solisten. (Bild: Roger Grütter (6. Juni 2018))

Grosses Finale: James Gaffigan dirigiert das Luzerner Sinfonieorchester, die Zürcher Sing-Akademie und Solisten. (Bild: Roger Grütter (6. Juni 2018))

Es war der spektakulärste Auftritt des Luzerner Sinfonieorchesters in diesem Jahr. Gleich drei Mal hat es im Juni die 9. Sinfonie von Beethoven aufgeführt, drei Mal war das KKL komplett ausverkauft. 5000 Menschen wollten diese Hymne an Leben und Freiheit sehen.

Jetzt, pünktlich zu Weihnachten, liegt eine Aufnahme dieser Konzerte auf CD vor. Ein mutiger Entscheid. Denn die Neunte ist eine der wichtigsten Messlatten für Sinfonieorchester, ja ein Statement. Denn es gibt wohl nur ­wenige Menschen, die zumindest den viel verwendeten Freuden-Hymnus des Finales nicht kennen.

Konkurrenz aus Basel

Entsprechend ist die Sinfonie im Konzertsaal und auf CD stark präsent. So hat erst vor zwei Monaten auch das Kammerorchester Basel unter Giovanni Antonini seinen viel beachteten Beethoven-Zyklus mit der Einspielung der Neunten abgeschlossen. Doch man kann es sorglos vorwegnehmen: Die Fassung des Luzerner Sinfonieorchesters unter ihrem Chefdirigenten James Gaffigan überzeugt auch und gerade im Vergleich mit den Baslern.

Giovanni Antonini, Spezialist für die historische Aufführungspraxis, legt zwar einen grandiosen ersten Satz hin. Seine klangliche Reinigung, die Schlankheit des Sounds, die federnden Akzente und der Vorwärtsdrang geben dem Werk eine lebendige, ja neue und überraschende Qualität.

Eine Idee, die Beethovens Neunte klar an einer vom Barock herkommenden «Klassik» orientiert – und ihr so vieles ihrer ­Romantik raubt. Denn gerade der zweite Satz ist wegen der ständigen Akzente eher auf der nervösen Seite. Die kurzen Noten, die ständige Verve der Interpretation hat auch etwas Anstrengendes. Nach dem Adagio, dessen leichter Puls ein Vergnügen ist, bringt der letzte Satz (mit dem Wroclaw Philharmonic Choir) einen zwar frischen, ja fast höfisch tänzelnden Charakter. Vor allem am Anfang fehlt jedoch, wegen des trockenen Klanges und den etwas marinierten Pausen, der letzte Fluss. Die Vokalsolisten mit der Adligenswilerin Regula Mühlemann überzeugen hingegen.

Morgendämmerung der Romantik

Das Luzerner Sinfonieorchester spielt zwar ebenfalls schlank, geht die Sinfonie auf kammermusikalischem Weg an. Aber Chefdirigent James Gaffigan positioniert die Musik mehr als Brücke zwischen der Klassik und der Romantik, scheut sich nicht, auch einen grossen Ton in die Waagschale zu werfen. Dies vor allem im Schlusssatz, wo die Musiker und die Sänger der Zürcher Sing-Akademie über die ganze Palette, vom Pianissimo bis zum jauchzenden Finale klanglich überzeugen. Auffallend ist der strahlende Ton der Trompeten. Die Sängersolisten singen für diese Lesart mit etwas viel Vibrato. Aber im Quartett um die Sopranistin ­Rachel Harnisch und den Luzerner Tenor Mauro Peter entfaltet sich ein inniges Wechselspiel.

Oder im herrlichen Adagio, wo James Gaffigan mit Weite die Konturen in den Streichern zeichnet. Luftig und sinnreich, schlichtweg ergreifend ist die erste kleine Steigerung. Die Holzbläsersolisten sind in Höchstform, interpretieren mit kammermusikalischer Leichtigkeit und sprechenden Soli. Der erste Satz ist vielleicht weniger überraschend als bei den Baslern. Aber auch hier punkten die Luzerner mit einer geschlossenen Weite, einer grossen finalen Steigerung, elegant und verführerisch.

Es ist eine homogene Aufnahme, die schlüssig die vier Sätze zu einem Ganzen zusammenbringt. Dramaturgisch spannend ist die Doppel-CD, weil die 9. Sinfonie mit dem «Chor der Gefangenen» aus «Fidelio» und der seltener gespielten «Nänie» von Johannes Brahms – ebenfalls nach einem Text von Schiller – ergänzt wird.

Neunte Sinfonie von Beethoven:

Luzerner Sinfonieorchester, Zürcher Singakakademie, Leitung James Gaffigan. (Sony)

Kammerorchester Basel, Wroclaw Philharmonic Choir, Leitung Giovanni Antonini, u. a. mit Regula Mühlemann. (Sony)

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