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Luzerner Sinfonieorchester: Freudentaumel nach dem grossen Kuss

Das Luzerner Sinfonieorchester spielt dreimal Beethovens neunte Sinfonie vor insgesamt 5000 Besuchern. Und markierte am Mittwoch triumphal sein neu gewonnenes Selbstbewusstsein als Hausorchester des KKL.
Urs Mattenberger
Grosses Finale: James Gaffigan dirigiert das Luzerner Sinfonieorchester, die Zürcher Sing-Akademie und Solisten. (Bild: Roger Grütter, 6. Juni 2018)

Grosses Finale: James Gaffigan dirigiert das Luzerner Sinfonieorchester, die Zürcher Sing-Akademie und Solisten. (Bild: Roger Grütter, 6. Juni 2018)

Was für eine Anmassung! Dreimal spielt das Luzerner Sinfonieorchester diese Woche Beethovens neunte Sinfonie im KKL vor rund 5000 Besuchern, und das kurz vor dem Konzertsaal-Jubiläum. Denn es war dieses Werk, mit dem vor 20 Jahren der Konzertsaal eingeweiht wurde durch die Berliner Philharmoniker unter Claudio Abbado – eine Aufführung, die die hochgesteckten Erwartungen auch an die Saalakustik nicht erfüllte. Dass das Luzerner Sinfonieorchester zwei Monate vor dem Jubiläum jetzt wieder Beethovens Repräsentationsstück aufs Programm setzt, wirkt da wie eine Nachbesserung.

Benefiz mit Beethoven

Die dritte Aufführung heute Abend ist zudem ein Benefizkonzert für das Probehaus des Orchesters, das nötig geworden ist durch dessen Erfolg im KKL. Und diesen bestätigt das Crowdfunding, das 500 000 Franken für das neue Haus zusammenbringen soll. Intendant Numa Bischof vermeldete am Mittwoch vor Konzertbeginn den Sammelstand von 436 000 Franken.

Dass der Erfolg auch mit einer geschickten Programmierung zusammenhängt, zeigte der Auftakt zu Beethovens Chorsinfonie. So erinnerte die «Nänie» von Brahms/Schiller berührend daran, dass auch «das Schöne vergeht»: Nach einem von der Oboe schwebend intonierten Auftakt mit wunderbaren Holzbläsern sammelten sich das Orchester und die Zürcher Sing-Akademie auf diese Worte zu einer Klangsteigerung, die bereits auf Beethoven verwies.

Dann also, nach der Pause, die Neunte. Da musste man zunächst die Ohren spitzen, so gespannt leise liess Chefdirigent James Gaffigan die Quinten ins Leere fallen. Und im weiteren Verlauf kamen gar Zweifel, ob das Orchester über das nötige Volumen und die Kraft verfügte auch für die monumentalen Züge dieser Sinfonie. Die explosiven Kraftballungen blieben verhalten, stattdessen kostete Gaffigan die lyrischen Passagen im Kontrast schwelgerisch aus wie Kammermusik. Und da wurde einem klar: Ein Beethoven-Orchester sind die Luzerner nicht zuletzt wegen der Bläser, die hier in der Balance mit den schlank agierenden Streichern (mit Gregory Ahss vom Lucerne Festival Orchestra als Konzertmeister) wunderbar atmend zur Geltung kamen.

Freudenhymnus mit Schwung statt Pomp

Im weiteren Verlauf entpuppte sich die Zurückhaltung als Teil einer zwingenden Dramaturgie. Die Orientierung an Beethovens raschen Tempi ermöglichte im Scherzo musikalische Blitzgewitter. Im Adagio molto e cantabile förderte die flüssige Gangart ein kantabel singendes, ja tänzerisches Musizieren, hinterliess aber bei dieser ersten der drei Aufführungen auch einen etwas unsteten Eindruck.

Die Adagio-Feierlichkeit war damit nicht in eine andere Welt entrückt, sondern führte mitten hinein ins Chor-Finale. Hier mobilisierte das Orchester ungeahnte Klang- und Energiereserven, ohne die feinnervigen kammermusikalischen Qualitäten zu vernachlässigen. Ja, selbst wo der Freudenhymnus im vollen Orchester erscheint, bewahrten ihn die schwungvollen Trompeten vor jedem Pomp.

Auch der Chor greift nach den Sternen

Eine Aufführung also, die nicht durch Monumentalität, sondern durch Intensität überwältigte: Das galt auch für den vorzüglichen Chor. Die Zürcher Sing-Akademie trumpfte in der Ode an die Freude mit kerniger Strahlkraft auf und machte mit der Transparenz eines Kammerchors die Klangvisionen zum Ereignis, mit denen Beethoven nach den Sternen greift. Einzig das prominent besetzte Solistenquartett (grossartig die Sopranistin Rahel Harnisch und der Luzerner Tenor Mauro Peter) fügte sich nicht homogen in dieses Konzept.

Spätestens nach dem «Kuss der ganzen Welt» war kein Halten mehr, geriet die Aufführung, angepeitscht durch den Revolutionslärm von Trommel, Becken, Triangel und scharfem Piccolo, zum frenetischen Freudentaumel ausser Rand und Band. Keine Anmassung also. Eher die Bestätigung, dass, wenn der Konzertsaal jetzt eröffnet würde, dieses Orchester auf der Bühne stünde. So wie es im Jubiläumskonzert für den Konzertsaal am 14. August der Fall ist: Da treten das Lucerne Festival Orchestra und das Luzerner Sinfonieorchester mit je eigenen Werken gemeinsam auf.

Wiederholung als Benefizkonzert: heute Abend, 19.30, Konzertsaal, KKL Luzern.

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