Rosengart Luzern: Ein frischer Blick auf Picasso und Co.

Im Museum Sammlung Rosengart rückt neu Kunsthistorikerin Kerstin Bitar die Kunst ins rechte Licht.

Susanne Holz
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Kunsthistorikerin Kerstin Bitar hat als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Museum Sammlung Rosengart die Nachfolge von Martina Kral angetreten. Im Hintergrund Pablo Picassos Gemälde «Personnage rembranesque et amour» (1969).

Kunsthistorikerin Kerstin Bitar hat als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Museum Sammlung Rosengart die Nachfolge von Martina Kral angetreten. Im Hintergrund Pablo Picassos Gemälde «Personnage rembranesque et amour» (1969).

Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 4. März 2020)

Eigentlich ist Marc Chagall ihr Lieblingsmaler. Doch Kerstin Bitar, die kürzlich als wissenschaftliche Mitarbeiterin die Nachfolge von Martina Kral im Luzerner Museum Sammlung Rosengart angetreten hat, mag auch Paul Klee sehr gern. «Für mich ist es ein Geschenk, in einem Haus zu arbeiten, das so viele Werke von Paul Klee zeigt», sagt die Kunsthistorikerin. Kerstin Bitar führt uns in einem Rundgang durchs Museum, obwohl es ja eigentlich um ihre Person geht, die hier vorgestellt werden soll.

«Bei Paul Klee machen Kinder immer besonders gut mit.»

«Paul Klee ist die Basis des Hauses», erklärt Bitar im Untergeschoss. 125 Werke des deutschen Malers zeigt die Sammlung Rosengart. Kerstin Bitar hat sich in ihrer Forschung mit dem Musik- und Bach-Liebhaber Klee beschäftigt. Und weiss als Kunstvermittlerin zudem aus Erfahrung: «Bei Klee machen Kinder immer besonders gut mit.» Erst gerade sei wieder eine Schulklasse hoch motiviert bei der Sache gewesen.

Führungen für Teenager geplant

Die 50-Jährige führt die Innovationen ihrer Vorgängerin im Museum Rosengart fort. Ganz gemäss dem berühmten Klee-Zitat: «Kunst gibt nichts Sichtbares wieder, Kunst macht sichtbar», freut sich Bitar auf viele Führungen mit und von Kindern, auf die Formate der «Blickpunktführung» und der «Kunst zu Mittag», auf Workshops und auf Führungen für Blinde und Sehbehinderte.

Auch die beliebten Konzerte im Museum Sammlung Rosengart wird es weiterhin geben. Neu wird Kerstin Bitar zweimal im Jahr eine spezielle Einführung für Lehrpersonen anbieten. Und sie plant Führungen für Teenager sowie einen Jugendclub, genannt «Museums-Plus», der Literatur, Kunst und Musik verbinden soll.

Die Kunsthistorikerin selbst verbindet in ihrer Vita Kunst und Literatur, hat sie doch in Bonn Kunstgeschichte sowie italienische und französische Philologie studiert. Bitar kam 1969 in Frankfurt am Main zur Welt, ganz passend dazu fotografieren wir sie beim Rundgang auch vor Pablo Picassos Gemälde «Personnage rembranesque et amour» von 1969, das sie sehr schätzt. Dass Kunst schon die Jüngsten begeistern kann, weiss Kerstin Bitar aus eigener Erfahrung: Als kleines Kind hat sie Malkurse in der Liebieghaus Skulpturensammlung in ihrer Heimatstadt besucht.

Und schon als Kind habe Chagall sie fasziniert, «der Pionier der Moderne und Maler des Lichts». Man bleibt vor Chagalls «Le soleil rouge» von 1983 stehen, und Bitar meint: «In diesem kleinen Werk ist alles vorhanden.» Während ihres Studiums in Bonn legte Bitar Wert darauf, sich nicht nur mit flämischer Malerei – Thema ihrer Magisterarbeit – und Ähnlichem zu beschäftigen, sondern auch früh praxisrelevant zu arbeiten. «Kunst vermittelte ich schon mit 20, 21 Jahren – in Bonn, Potsdam, Brüssel, Berlin, Essen.»

Bitar promovierte in Basel im Bereich Kunstkritik und Kunstliteratur, bei Gottfried Boehm. Sie sei Professor Boehm dankbar für seine besondere Art des Sehens – «Boehm ist Kunsthistoriker und Philosoph». Und: Ihre Promotion habe von ihrer damaligen Arbeit bei der Fondation Beyeler profitiert.

Nun ist die Kunsthistorikerin zu 50 Prozent im Museum Sammlung Rosengart angestellt. Die verheiratete Mutter zweier Kinder arbeitet zudem noch frei als Kunstvermittlerin im Kunsthaus Zürich und im Kunstmuseum Basel. Zudem ist sie seit 2016 mit dem Erschliessen des schriftlichen Nachlasses des Künstlers August Deusser beschäftigt. Langweilig wird es Kerstin Bitar da wohl kaum.

Mit dem Mut zu sehen, was man wahrnimmt

Ob sie bedauert, dass ihre neue Arbeitsstätte keine Wechselausstellungen kennt, das möchte man noch wissen, zwischen all den Picassos und Klees. «Nein», sagt Bitar, «wir zeigen hier eine solche Vielfalt an Kunst. Und die lässt sich unter den verschiedensten Aspekten betrachten: mit Fokus auf den Menschen oder auf die Verbindung zur Musik oder auch auf die Entwicklung der Sammlung.»

Was Kerstin Bitar wie Museumsdirektorin Angela Rosengart aktuell sehr freut: Dank einer grosszügigen Spende wird man 100 Führungen für Schulklassen vom ersten Kindergarten bis zur neunten Klasse zum sehr niedrigen Preis anbieten können. Bitar wird die Schüler wohl im Sinne Picassos durchs Museum begleiten: Mit dem Mut zu sehen, was man wahrnimmt, und nicht nur das zu sehen, was die Kunstkritik gerne möchte. «So wie Picasso das malte, was er persönlich wahrnahm.»

Hinweis: Blickpunktführung «Edouard Vuillard und die Nabis», morgen, Sonntag, 11.30 - 12.30Uhr. Kunst zu Mittag «Le relais de poste, Louveciennes» (1872) – zur Erinnerung an den 190. Geburtstag von Camille Pissarro, Montag, 6.April, 12.15 - 12.45Uhr. Öffentliche Rundgänge durch die Sammlung sonntags, 11.30 bis 12.30Uhr. www.rosengart.ch