Cirque du Soleil in Zürich: Froschmenschen im Zirkuszelt

Der Cirque du Soleil gastiert auf dem Hardturm-Areal in Zürich. Mit «Totem» widmet er sich der menschlichen Evolution und inszeniert Neandertaler, Amphibien und ein Liebespaar.

Laura Widmer
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Amphibien stellen den Anfang des Lebens dar. Bild: PD

Amphibien stellen den Anfang des Lebens dar. Bild: PD

Wie Papageien auf der Stange sitzt das Künstlerpaar in gelb-grünen Kostümen nebeneinander, bevor das Trapez in die Luft gezogen wird. Mehrere Meter über Boden turteln die Artisten und lassen sich akrobatisch an den Hacken vom Trapez hängen. Sie umschlingen sich mit ihren Körpern und werden zum Liebespaar. Diese Szene aus «Totem» zeigt: Shows des Cirque du Soleil sind farbenfrohe und spektakuläre Inszenierungen.

Das neue Programm «Totem» stellt die Geschichte der menschlichen Evolution dar, von ihren amphibischen Anfängen bis in die Gegenwart. Die Szenen mit Primaten, Neandertalern oder Amphibien stellen den vielfältigen Entwicklungsprozess des Menschen dar. Ein gewölbtes Gerüst erinnert mit seiner Form an einen Schildkrötenpanzer. Das Tier spielt in den Sagen vieler alten Kulturen eine Rolle: Mythen zufolge soll die Schildkröte die Welt auf ihrem Rücken tragen.

«Totem» wurde vom kanadischen Theaterregisseur Robert Lepage inszeniert und feierte 2010 Premiere. Seither ist die Show auf Tour und gastiert nun für einen Monat in Zürich. Das Zirkuszelt Grand Chapiteau steht seit vergangenem Donnerstag auf dem Hardturm-Areal und bietet 2600 Zuschauern Platz.

Artisten zeigen ihre akrobatischen Leistungen im Zirkus Cirque du Soleil im Programm Totem. (Bild: Ennio Leanza / Keystone (Zürich, 5. September 2018))
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(Bild: Ennio Leanza / Keystone (Zürich, 5. September 2018))
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(Bild: Ennio Leanza / Keystone (Zürich, 5. September 2018))
Artisten zeigen ihre akrobatischen Leistungen im Zirkus Cirque du Soleil im Programm "Totem", aufgenommen am Mittwoch, 5. September 2018 auf dem Hardturm Areal in Zuerich. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Artisten zeigen ihre akrobatischen Leistungen im Zirkus Cirque du Soleil im Programm Totem. (Bild: Ennio Leanza / Keystone (Zürich, 5. September 2018))

Ein kanadisches Grossunternehmen

Seit über 30 Jahren zeigt der Cirque du Soleil aus Montreal Fantasieshows, die Menschen auf der ganzen Welt begeistern. Er entstand 1984 in Quebec als Gruppe von 20 Strassenkünstlern unter der Leitung von Guy Laliberté. Seither hat sich der Zirkus zu einem globalen Unterhaltungsunternehmen entwickelt. Es beschäftigt weltweit über 4000 Mitarbeiter, davon 1300 Künstler aus über 50 Ländern. Zurzeit touren elf verschiedene Shows auf der ganzen Welt, darunter auch «Ovo», die im vergangenen Jahr in Zürich zu sehen war. Sieben Produktionen sind alleine in Las Vegas zu sehen. Zwei Produktionen als Hommage an den Popstar Michael Jackson und die von James Camerons Blockbuster «Avatar» inspirierte Show zeigen: Der Zirkus kennt keine Berührungsängste mit der Populärkultur. Sogar der in Amerika berühmte Magier Criss Angel hat eine eigene Show.

Der Cirque du Soleil verzichtet im Gegensatz zum klassischen Zirkus auf die mit Sägespänen ausgestreute Manege und Showeinlagen mit Tieren. Im Mittelpunkt der Produktionen steht ein Motto, das eine nonlineare Geschichte erzählt. Damit ähneln sie eher Theaterstücken als einer Aneinanderreihung von Zirkusnummern. Die Künstler sind nicht mehr nur klassische Zirkusartisten, der Cirque rekrutiert sie verstärkt auch aus dem Leistungssport oder der Freestyle-Szene. Darsteller sind zum Teil jahrelang bei einer Show dabei und reisen mit dem Zirkus von Stadt zu Stadt. Sie sehen sich eher als Künstler denn als Akrobaten. «Der Ausdruck ist sehr wichtig», sagt die in Zürich auftretende Chinesin Yorung Wu.

Handbuch fürs Schminken

Über tausend Kleidungsstücke und Accessoires sind im Inventar der Kostümabteilung von «Totem». Die Kleidung der Artisten ist massgeschneidert, die Schuhe speziell angefertigt. Nichts wird dem Zufall überlassen. Die Zirkusbühne wird von interaktiven Videoprojektionen, Kostümen und eigenem Soundtrack unterstützt.

Der Aufwand hinter den spektakulären Auftritten ist enorm. Die Produktionen des Cirque du Soleil sind Grossereignisse und werden dementsprechend vorbereitet. Alle Shows werden im Firmensitz in Montreal konzipiert und einstudiert. Mehr als zwei Jahre vergehen zwischen der Planung eines Stücks und dem Moment, bevor auf der Bühne zum ersten Mal das Licht angeht. Über sechs Monate dauern alleine die Trainingslager für die Künstler. Jede Sekunde des Programms ist durchgetaktet. «Diese Präzision ist uns äusserst wichtig», sagt Olivier Fillion Boutin vom Cirque du Soleil. Selbst für das Make-up der Artisten, die für das Schminken eine Stunde brauchen, gibt es ein Handbuch. So magisch leicht die Auftritte auf der Zirkusbühne wirken: Hinter der glitzernden Märchenwelt des Cirque de Soleil steckt vor allem viel harte Arbeit.

Hinweis: Cirque du Soleil «Totem»: vom 5.9. bis 14.10., Hardturm-Areal Zürich, www.cirquedusoleil.com/totem