Konzert in der Hofkirche Luzern: Frühbarocke Musik zwischen Ruhe und Dramatik

Ludwig Wicki und seine Ensembles zeigen an Allerheiligen, wie sich historische Instrumente und junge Stimmen klangvoll ergänzen. Die Werke von Schütz und Monteverdi passen hervorragend in die weite Akustik der Hofkirche.

Gerda Neunhoeffer
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Wie aus dem herbstlichen Nebel über dem See erheben sich die Stimmen aus den herben Klängen der historischen Instrumente: Werke von Schütz, Gabrieli und Monteverdi erklingen abends an Allerheiligen in der Hofkirche. Stiftskapellmeister Ludwig Wicki, weit über Luzern hinaus bekannt als Dirigent des 21th Century Orchestra und Chorus, mit dem er am 11. November im KKL mit «The Sound of Hans Zimmer & John Williams» auftritt, setzt mit dem Schütz-Zyklus, den er letztes Jahr begann, ganz andere Akzente. Klar strukturiert, vom Nachhall der Kirche verklärt, macht er Vokalwerke aus dem Frühbarock mit seinem Chor Cappella der Hofkirche Luzern und seinem Ensemble für Alte Musik, Il Dolcimelo, Luzern lebendig.

Am Anfang werden die Singstimmen von den bestens intonierten Zinken etwas überdeckt und verlieren sich im Kirchenraum. Langsam aber nähern sich Stimmen und Instrumente einander an, immer deutlicher kann man die Texte verstehen, und durch stets neue Aufstellung der Solisten und des kleinen Chores bekommt jedes Werk seinen ganz eigenen Charakter.

Das Programm ist mit «Gaudeamus» überschrieben, tröstlich und zuversichtlich an Allerheiligen. Die beiden Soprane Carmen Konrad und Muriel Schwarz ergänzen sich klangvoll und mit müheloser Höhe. In ständig wechselnder Besetzung fügen sich Stefan Wieland und David Feldmann, Altus, die Tenöre Robert Reichinek und Livio Schmid sowie die Bassisten Alexandre Beuchat und Jedediah Allen (der auch Zink spielt) in die Musik ein und beeindrucken mit ihren klar geführten Stimmen.

In Giovanni Gabrielis «In ecclesiis» wird das «Deus» mit harmonischen Rückungen zu himmlischer Vision. Der Schütz-Psalm «Wenn Gott einmal erlösen wird» mit sechs Strophen, der vom Chor mit Wohlklang und differenzierter Dynamik gesungen wird, ist wie eine ruhige Insel zwischen den hoch dramatischen, polyfonen Werken. Die chromatischen Abwärtslinien in «Laudate dominus» von Monteverdi scheinen unendlich fortzuschreiten, in «Dixit Dominus primo», ebenfalls von Monteverdi, werden im Solisten-Doppelquartett unglaublich verzahnte Einsätze zu grossem Raumklang.

Die Instrumente sind abwechslungsreich eingesetzt, stabil das Continuo mit Orgel, zwei Lauten, Violone und Fagott. Dazu zwei Violinen, drei Zinken und vier Posaunen, die weich und dunkel mit den Stimmen verschmelzen. Schütz hat in den «Psalmen Davids» vielstimmige Musik geschaffen, drei der Psalmen werden stilsicher interpretiert. Als Solisten, Chor und Instrumente weit verteilt stehen, scheint der Kirchenraum bis in die Nischen von Wohllaut erfüllt. Musik aus dem Frühbarock, die auch beim Publikum nachhallt.