FUMETTO: Comic-Tiere im Wasser und anderswo

Eintauchen heisst die Devise im Neubad Luzern: Drei Ausstellungen sind hier untergebracht – und eine Fülle von Studentenarbeiten.

Urs Bugmann
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Fumetto erlaubt im Luzerner Neubad den Blick auf das Werden eines Comics: «Die Geschichte des Bären» von Stefano Ricci. (Bild Manuela Jans)

Fumetto erlaubt im Luzerner Neubad den Blick auf das Werden eines Comics: «Die Geschichte des Bären» von Stefano Ricci. (Bild Manuela Jans)

Treppauf, treppab kann man sich leicht verlieren im Neubad, dem alten Luzerner Hallenbad. An den Wänden, in den Duschen, in den Garderoben, in Sanitäts- und Lehrerräumen, im Nichtschwimmerbecken und in den Saunakabinen hat sich das Comix-Festival Fumetto eingenistet.

Zettel und Pfeile sorgen hier und dort für Sucherleichterung – es braucht dennoch seine Zeit, sich zurechtzufinden. Viel leichter verliert man sich. Das liegt nicht nur an den labyrinthischen Gängen und Räumen, es liegt auch an der Überfülle von Zeichenarten, Zeichengeschichten, gefilmten Performances, gezeichneten Filmen. Die Kunsthochschulen von Offenbach, Hamburg und Luzern zeigen in Nischen und Räumen, über Milchglasscheiben und an Bretterwänden, neben Duschesäulen und Seifenschalen, was in Sachen Comics und Animation gelehrt und gelernt wird.

Von Glück und Pech

Neun Bildschirme in drei horizontalen Reihen zeigen Arbeiten aus dem Bachelor-Studiengang Animation der Hochschule Luzern, Design und Kunst. Die oberste und die unterste Monitorlinie zeigen Bildstörungen, in der Mitte erzählen Tierfiguren von Glück und Pech, wischt ein Mann die Strasse vor seinem Verkaufsladen, stellt das Topfbäumchen vors Schaufenster und giesst Wasser ins Wurzelreich.

Die drei Hauptausstellungen im Neubad zeigen Werke von Helmut Wietz, von Anke Feuchtenberger und Stefano Ricci und die 999 Buch-Unikate, die von neun Druckgeräten maschinell signiert werden. Der Würfel der noch unverkauften Exemplare der quadratischen Bücher mit je 99 Zeichnungen steht im Nichtschwimmerbecken mit der Wassertiefe von 0.90 Metern. Es kann nichts passieren: Auch diese 90 Zentimeter Wasser sind abgelassen, nicht anders als die Fluten nebenan im tiefen Becken. Eine riesige Küstenlandschaft mit viel wimmelndem Getier, mittendrin zwei Füsse und Beine, prangt an der Wand, wo vormals Hans Ernis Poseidon sein Wasserspiel trieb. Auf den Glasscheiben um das grosse Becken herum realisieren Anke Feuchtenberger und Stefano Ricci ein überdimensionales Comic-Bild für Médecins sans Frontière, das deren Arbeit thematisiert. Verbundene Hände sind schon zu sehen, Gesten der Zuwendung und Barmherzigkeit.

In ihrem Ausstellungsraum, einer Garderobe zeigt Anke Feuchtenberger «Effi redet Blech», eine Folge aus der Serie «Ein deutsches Tier im deutschen Wald». Mit klarem Strich, im kontraststarken Helldunkel erzählt die 1963 in Berlin geborene Künstlerin eine Freundinnengeschichte. Der 1966 in Bologna geborene Stefano Ricci malt mit weicher Kontur in Schwarz und Grau «Die Geschichte des Bären». Beides sind noch nicht abgeschlossene Geschichten. Die Blätter geben Einblick in ein werdendes Werk. Und Helmut Wietz (*1945, Hamburg) zeigt in den Saunazellen einen Spielfilm und an Wänden und in Vitrinen seine pop-orientierten Zeichnungen, Studien und Inspirationsquellen.

Hinweis

Neubad, Bireggstrasse 36, Luzern. Fumetto dauert noch bis zum 24. März, täglich 10–20 Uhr. Festivalzentrum: Kornschütte Luzern.