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FUMETTO: Der Mann, der die Geschichten aus Comics schneidet

55 Satelliten- Ausstellungen umkreisen das Comic-Festival. Der Ausflug an die Ränder lohnt sich. Etwa zum Argentinier MartÍn Vitaliti in die Galerie f5.
MartÍn Vitaliti: «#93», 2013. (Bild: PD)

MartÍn Vitaliti: «#93», 2013. (Bild: PD)

Der argentinische Semiotiker und Kunstkritiker Oscar Masotta (1930–1979) hatte den Comic einst als Mondlandschaft bezeichnet. Wer in diese Bildwelten eintauche, erfahre nichts als Stille und Bewegungslosigkeit. Erst dank grotesker Übertreibungen und anderen Effekten entständen aus den stehenden Bildern lebendige Geschichten.

Formale Besonderheiten

Der in Spanien lebende Argentinier MartÍn Vitaliti hat sich in seiner Satelliten-Ausstellung «Light Ink» am ­Fumetto ganz auf diese Mondkraterlandschaft zurückgezogen. Vor Jahren hatte sich der bildende Künstler an einem autobiografischen Comic versucht. Seither faszinierten ihn vor allem die formalen Besonderheiten des Comic-Genres.

Wie bringt man durch Polarisierung von Hell und Dunkel eine Story zum Laufen? Wann verrinnt die Zeit zwischen den Einzelbildern einer Sequenz schneller, wann wird sie gedehnt? Die von Felicitas Rausch und Katja Jaisli kura­tierte Ausstellung in der Galerie f5 am Franziskanerplatz zeigt Vitalitis Comic-Dekonstruktionen erstmals in der Schweiz.

Schwebender Astronaut

Polarisiert wird bereits in den beiden Galerieschaufenstern. Vitaliti hat sie zu Comic-Panels umfunktioniert. Während man im Innenraum der Galerie durchs geöffnete Fenster zum Schaufenster­innenraum in ein schwarzes Gerüst entleerter Comic-Rahmen blickt, schwebt uns im anderen Fenster von aussen ein Astronaut entgegen.

Er ist der einzige Protagonist, der nicht Vitalitis Schere zum Opfer gefallen ist. Der Künstler hat sämtliche Bildinhalte einer 1980er-Jahre-Comic-Seite bis auf den Astronauten entfernt, das Ergebnis auf Kartons vervielfältigen lassen und dieselben fächerförmig angeordnet ins Schaufenster gehängt. Für den Betrachter entsteht so der Eindruck, der Astronaut würde in einer Spirale schweben.

Den Comic «verbiegen»

«Ich versuche, die Comic-Regeln mittels eines Dialoges mit dem Medium zu ‹verbiegen› und zu manipulieren», sagt der Künstler, der sich inspirieren liess von Comics, die ihr eigenes Genre mitreflektieren, etwa von der amerikanischen Comic-Reihe «Little Nemo in Slumberland» von Winsor McCay (1871–1934). «In diesem Klassiker des frühen Comics verbiegt der Protagonist auch mal einen Bilderrahmen», sagt Vitaliti. Solche metareflexiven Elemente seien in der Comic-Geschichte viel früher anzutreffen als etwa im Kino.

Vitaliti führt diese Tradition fort, und ergänzt das Fumetto mit einer spannenden Meta-Arbeit aus dem Bereich der bildenden Kunst. Im Innern der Galerie liegen die entleerten Comic-Buchseiten im Galerieraum zum dreidimensionalen Kunstobjekt gestapelt. An den Wänden präsentiert Vitaliti schwarz-weisse Drucke, auf welchen er die formale Besonderheiten fremder Comics isoliert hat.

Die teilweise stark vergrösserten Comic-Elemente erzeugen nebeneinander angeordnet eine eigene Dynamik, die abwechselnde Dominanz von weiss oder schwarz setzt eine Narration in Gang, die nicht auf Gegenständlichkeit, sondern auf rein formalen Mitteln aufbaut. Zur gesamten Fumetto-Ausstellung verhält sich diese spannende Ausstellung wie eine Art Anatomieunterricht über die neunte Kunst.

Julia Stephan

Hinweis

Martín Vitaliti, «Light Ink», Galerie f5. Bis 24.4., täglich zwischen 12 und 20.00. www.galerie-f5.ch

Die meisten Satelliten-Ausstellungen haben bis 24 April geöffnet. Infos auf www.fumetto.ch

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