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Interview

Der Regisseur Kaleo La Belle präsentiert seinen neuen Film in Luzern

Kaleo La Belle ist auch in seinem neusten Film «Fell In Love With A Girl» Protagonist. Im Gespräch erzählt er ­ von der Verantwortung als Vater und als Filmemacher und ob er sich auf die Luzerner Vorpremiere freut.
Interview: Regina Grüter
Kaleo La Belle (Mitte), 1973 auf Maui, Hawaii, geboren, mit Sohn Alek (rechts) und Tochter Jeanne. (Bild: La Belle Film)

Kaleo La Belle (Mitte), 1973 auf Maui, Hawaii, geboren, mit Sohn Alek (rechts) und Tochter Jeanne. (Bild: La Belle Film)

Der schweizerisch-amerikanische Filmemacher Kaleo La Belle zeichnet in seinem schönen Essayfilm «Fell in Love With A Girl» den gemeinsamen Umzug mit seiner Ex-Frau, den drei gemeinsamen Kindern sowie der neuen Partnerin von Luzern in die USA nach. La Belle hat u. a. an der Hochschule Luzern – Design & Kunst Video studiert und wurde 2011 für «Beyond This Place», den Film über sich und seinen Hippievater, vom «Kulturmagazin» zum Luzerner Kulturkopf gekürt. Er lebt in der Schweiz und arbeitet international als Regisseur, Produzent und Kameramann für Dokumentarfilme.

Kaleo La Belle, nachdem die Utopie eines harmonischen Zusammenlebens Ihrer Patchwork-Familie an der Realität zerbrochen ist, was heisst es heute für Sie, eine Familie zu sein?

Es ist immer noch ein Herausfinden, nichts bleibt fix. Das ist bei allen so, glaube ich. Die Kinder werden älter, sie verändern sich und mit ihnen auch die Bedürfnisse. Das wiederum hat Auswirkungen auf die Familie und wie sie funktioniert. Sie sollen das nicht als Ausrede verstehen, sondern auch in Bezug auf den Versuch, den wir gemacht haben. Wir waren offen für das, was passieren könnte, und haben uns natürlich auch grosse Hoffnungen gemacht. Am Anfang stand die Frage, wie ist es möglich, zusammenzubleiben, wenn die individuellen Bedürfnisse sich unterscheiden?

Kam das Filmprojekt nie an einen Punkt, wo jemand aussteigen wollte?

Nein, ganz aussteigen nicht. Es gab ein paar Konfliktmomente, die im Film auch vorkommen. Natürlich stiess ich an Grenzen, einerseits als Vater innerhalb des Familienprojekts, andererseits als Filmemacher. Es ist ganz wichtig, dass es nicht nur lächelnde Gesichter gibt im Film, sondern dass auch schwierige Situationen einfliessen. Ich halte es für essenziell für den Dokumentarfilm, sich ganz nah an dieser Grenze zu bewegen, und sich als Regisseur zu fragen, ob man Einfluss auf die Situationen hat, nur weil die Kamera da ist, und wie man Verantwortung dafür übernimmt. Der Film ist ganz bewusst aus einer subjektiven Perspektive erzählt. Es ist der Blick des Regisseurs, der selber Teil der Handlung ist und daher auch nicht unabhängig.

Es sei ganz wesentlich zwischen dem Persönlichen und dem Privaten zu unterscheiden, sagen Sie. Wo ziehen Sie da die Grenze?

Es ist eine Gratwanderung. Ich will niemandem das private Fotoalbum zeigen. Es stellt sich die Frage, wann etwas auf einer universellen Ebene auch für andere interessant ist. Wenn ich sage, ich will nichts Privates zeigen, heisst das nicht, dass ich mich vor intimen, verletzlichen Momenten schützen will. Der Film als Ganzes soll grösser sein als das Individuelle. Es geht letztendlich nicht um mich. Es geht um etwas Allgemeines, das sehr persönlich ist.

Weben Sie deshalb Arbeiten des Schweizer Künstlers Yves Netzhammer sowie der Performancekünstler Marina Abramovic und Ulay ein?

Ja, es war mir von Anfang an sehr wichtig, dass das Filmprojekt nicht nur an den privaten Geschichten hängt, sondern auf einer künstlerischen Ebene reflektiert wird. Ich wollte ihre Werke wie Zitate integrieren. Wir werden ständig von Musik und Kunst beeinflusst. Es sind Informationen darin enthalten, wie wir Beziehungen und Familie verstehen, unsere eigenen Liebesgeschichten und Emotionen.

Ist das Filmen für Sie nicht auch ein Stück weit Hilfe, mit dem Leben zurechtzukommen?

Ich empfinde es nicht als Selbsthilfe. Für mich ist es keine Therapieform, aber ich suche über das Filmemachen eine Auseinandersetzung mit dem Leben. Alle meine Filme haben etwas ausgelöst, was sonst nicht passiert wäre. Der filmische Prozess war eine Katharsis, die dann auch eine Entwicklung herbeiführte.

Sie reden von Verantwortung, nehmen sich aber als Filmemacher auch viele Freiheiten in Bezug auf das, was und wann Sie filmen. Einmal missachten Sie den Wunsch Ihres Sohnes, nicht gefilmt zu werden. Ist das nicht ein Stück weit egoistisch?

Es spielt immer ein gewisser Egoismus mit, bei allen Entscheidungen und bei allen Protagonisten. Um auf die Situation mit meinem Sohn zu sprechen zu kommen. In dem Moment, als Alek sagt, er möchte nicht gefilmt werden, passiert etwas zwischen Vater und Sohn, viel mehr als zwischen Filmemacher und Protagonist. Der Moment ist sehr unangenehm, auch für die Zuschauer. Die Entscheidung als Filmemacher, die Szene zu verwenden, egal wie schlecht ich als Protagonist und vielleicht auch als Regisseur rüberkomme, ist eigentlich das genaue Gegenteil von Egoismus. Es ist ein ganz wichtiger Punkt in der Entwicklung der Beziehung zwischen den Figuren Vater und Sohn und damit auch für den Film.

Heute Abend ist die Vorpremiere in Luzern. Ein schöner oder ein schwieriger Moment?

Es ist nie ganz einfach, den Film an Orten zu zeigen, wo man die Protagonisten persönlich kennt. Für Leute, die uns kennen, werden wir nicht zu Figuren. Und das ist für einen Film, der so nah am Leben ist, schwierig. Aber ich finde es schön, da er starke Wurzeln in Luzern hat, er fängt hier an. Ich bin neugierig auf die Reaktionen.

Was sagen Sie Leuten, denen Ihre Filme zu persönlich sind, denen der Blick in Ihr Privatleben zu weit geht?

Es wird sicher solche Reaktionen geben, das habe ich auch an den Filmfestivals in Zürich und Solothurn schon erlebt. Ich bin mir voll bewusst, dass die Grenzen, von denen ich spreche, für manch einen in gewissen Momenten zu weit gefasst sind. Vielleicht geht ihnen der Film auch als Ganzes zu weit. Doch ich hoffe, dass es anstatt zu einer Ablehnung oder Abneigung zu einem Diskurs über das Medium Film und das Thema Familie führt.

«Fell In Love With A Girl», Dienstag, 29. Mai, 18 Uhr, Vorpremiere mit der Filmcrew im Kino Bourbaki, Luzern.

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