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Kinderchöre bieten «neben viel Spass eine Ausbildung»

Die Kinder der Luzerner Kantorei singen mit Spitzenorchestern wie den Berlinern. Doch der Chor ist angeblich für alle offen. Kann dies funktionieren? Wir fragten den Leiter.
Interview: Roman Kühne
Eberhard Rex leitet eine Probe der Luzerner Kantorei in der Kirche Weinbergli Luzern. Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 27. Oktober 2018)

Eberhard Rex leitet eine Probe der Luzerner Kantorei in der Kirche Weinbergli Luzern. Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 27. Oktober 2018)

Eberhard Rex, Sie leiten seit 18 Jahren die Luzerner Kantorei, eines der besten Kinderensembles der Schweiz. Die Programme sind oft sehr anspruchsvoll.

Es ist wunderbar, was mit den Kindern alles möglich ist. Am Mittwoch singen wir im KKL etwa die Chichester Psalms von Leonard Bernstein. Dies ist eine Komposition, die einst geschrieben wurde für drei englische Knabenchöre und ein Profiorchester. Entsprechend sind die klang­lichen und technischen Ansprüche. Die Kinder nehmen aber oft die Schwierigkeiten gar nicht so wahr. Für sie ist es ein mitreis­sendes Stück. Es hat viele Effekte und lyrische Stellen, die man voll ausreizen kann. Das andere grosse Stück «Mass of the Children» des Engländers John Rutter ist viel einfacher.

Wie vor zwei Jahren («Carmina Burana») ist auch der aktuelle Anlass ein Gross­projekt.

Wir haben die ehemaligen Sängerinnen und Sänger eingeladen, wieder mitzusingen. Über 40 haben zugesagt. Teils haben sie schon eigene Kinder, die sie zu uns schicken. Es ist wie ein Kreis, der sich schliesst. Dann haben wir ein grosses Jungendsinfonieorchester, in dem Musikschulen aus Luzern, Uri und Obwalden mitwirken, plus die Bläser vom Jugendblasorchester Luzern.

Die Luzerner Kantorei strebt nach internationaler Qualität und gilt darum als etwas elitär.

Dies stimmt – leider. Das macht es für uns teilweise schwierig, neue Chormitglieder zu bekommen. Aber die Qualität, die Auftritte am Lucerne Festival oder im Fernsehen sind nur die Spitze unseres Schaffens. Der Weg beginnt ganz einfach mit Liedern wie «Rote Röösli im Garte». Die 6-Jährigen, die zu uns kommen, haben einfach mal Freude am Singen. Es wird da nicht schon ein gewisses Niveau erwartet. Das entwickelt sich peu à peu.

Aber die Qualität steht schon im Vordergrund?

Mehr der Ausbildungsgedanke. Wer seinen Nachwuchs zu uns schickt, hat die Garantie, dass wir die Kinder professionell stützen und fördern. Für mich ist es immer wieder ein Phänomen, dass Kinder, die zunächst Mühe haben, ein einfaches Lied zu intonieren, später ganz selbstverständlich schwerste Chorliteratur singen.

Doch der Aufwand für die Kinder ist hoch?

Der Aufwand ist nicht grösser als bei einer Blasmusik. Im ersten Jahr kommen die Kinder einmal pro Woche in die Chorprobe. Ab dem zweiten Jahr besuchen sie die individuelle Stimmbildung bei einer Lehrperson ihrer Musikschule – genau so, wie ein Instrumentalist seine Stunden hat. Frühestens ab 10 Jahren bei den Jungen und ab 12 bei den Mädchen können die Interessierten ein zweites Mal in die Probe kommen und im Kammerchor mitmachen, wo wir auch sehr schwierige Sachen singen. Die Jungen kommen früher, weil wegen des Stimmbruchs die Zeit kurz ist, in der sie auf diesem Niveau im Knabenchor singen können.

Geübt aber wird zu Hause?

Dies ist – im Gegensatz zu einem Instrument – weniger aufwendig. Oft ist es nur das Auswendiglernen von Texten. Die anderen Hausaufgaben aus dem Gesangsunterricht drehen sich meist um die Stimmbildung. Die sind oft in 5 Minuten erledigt. Aber klar, wenn man weitergehen möchte, ist der Aufwand grösser. Dafür kann man spannende, solistische Aufgaben auf grossen professionellen Bühnen oder an Opernhäusern übernehmen. Manche gehen noch weiter und machen später ihre Leidenschaft zum Beruf wie unsere ehemaligen Chormitglieder Regula Mühlemann oder Mauro Peter.

Dies tönt eigentlich ziemlich machbar, aber ...?

Aber wir müssen trotzdem schauen, dass wir genug Nachwuchs haben. Was ich feststelle: Wir trauen den Kindern oft mehr zu als ihre Eltern. Auch haben viele Eltern durch ihre eigene Prägung den Zugang zum Wert des Singens als ein Element für seelische Gesundheit und zum Lernen an sich verloren. In den letzten 30 Jahren wurde viel vernachlässigt. Die Vorstellung dessen, was wichtig ist, hat sich zum rein Ökonomischen hin gewandelt. Für eine Kinderseele ist dies nicht gesund.

In der Musik – ganz allgemein – kann es für die Kinder aber schon auch Druck geben.

Ich habe über 30 Jahre Erfahrung und kann sehr gut abschätzen, wo man die jungen Menschen individuell abholen muss, wie man sie fördert. Aber es ist natürlich so, dass der Erfolg nicht vom Himmel fällt. Hier sind die Erwartungen der Eltern teils zu hoch. Erfolg «on demand» gibt es nicht und erwarten wir nicht. Was wir von einem Kind erwarten, sind Regelmässigkeit und Aufmerksamkeit, wenn es da ist. Dann können wir ziemlich sicher garantieren, dass das Kind irgendwann fähig sein wird, z. B. die h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach zu singen. Bei uns haben die Eltern die Sicherheit, dass ihre Kinder – neben viel Spass – auch eine gute Ausbildung bekommen.

Hinweis

Luzerner Kantorei, Mittwoch, 31. Oktober, 19.30 Uhr, KKL Luzern.Infos: www. luzernerkantorei.ch

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