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Ausstellung im Haus für Kunst Uri: Die Furka in Altdorf ganz auf der Höhe

60 Künstler machten ab 1983 die Furka zu einem Laboratorium. Eine Ausstellung zeigt nun den avantgardistischen Geist jener Zeit. Darunter sind Werke, die erstmals ans Licht kommen.
Edith Arnold
Ungefähr so präsentiert sich das Hotel Furkablick derzeit. Abgesehen von den 8,7 Zentimeter breiten Streifen an den Fensterläden (von Daniel Buren) ist die Kunst noch im Schnee verborgen. (Bild: Christof Hirtler)Ungefähr so präsentiert sich das Hotel Furkablick derzeit. Abgesehen von den 8,7 Zentimeter breiten Streifen an den Fensterläden (von Daniel Buren) ist die Kunst noch im Schnee verborgen. (Bild: Christof Hirtler)
Die Zimmerschlüssel: «Keywork» von Lawrence Weiner. (Bild: Christof Hirtler)Die Zimmerschlüssel: «Keywork» von Lawrence Weiner. (Bild: Christof Hirtler)
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Furka in Altdorf ganz auf der Höhe

Initiiert wird «Furk’art» spektakulär am 24. Juni 1983. James Lee Byars, in goldenem Anzug und schwarzem Hut, begeht das Gelände. Der amerikanische Künstler tröpfelt Parfum auf Felsbrocken. Seiner Zeremonie «A Drop of Black Perfume» folgen Jünger mit Schirmen. Es regnet und windet am herben Ort, wie ein Video zeigt. Und der Duft verflüchtigt sich natürlich sofort – in alle Kunstwelt.

Die Performance ist zunächst nur als Teil einer Ausstellung in der Galerie von Marc Hostettler in Neuenburg gedacht. Dann zieht er die Furka zu einem Ort der internationalen Kunstavantgarde auf: «Die besondere Situation und der Erfolg des letztjährigen Anlasses (50 Personen waren anwesend) haben Marc Hostettler dazu bewogen, hier regelmässig Veranstaltungen stattfinden zu lassen, bei denen eingeladene Künstler sich mit dem Ort ausein­andersetzen können», schreibt der Visionär 1984. Er kauft das leerstehende Hotel Furkablick.

Wenig später sitzen im Speisesaal Ulay und Marina Abramović einander stundenlang gegenüber. Jene Performancekünstlerin also, der 2010 im Museum of Modern Art in New York alle gegenübersitzen wollen, und deren «Talk» Ende März im Kaufleuten in Zürich längst ausverkauft ist.

Mehrere Objekte ins Tal gebracht

Doch hier und jetzt: Die Ausstellung im Haus für Kunst Uri ist perfekt geplant. Bis der Furkapass offen ist, kann man sich in Altdorf auf informative Höhen begeben. Auf drei Etagen ist «Kunst auf dem Pass ab 1983» zu entdecken. Als Kuratoren wirken Barbara Zürcher (Direktorin des Hauses), Thomas Bolli (freier Journalist) und Christof Hirtler (Fotograf und Gestalter). Vor dem grossen Schnee haben sie Bilder, Objekte, Installationen, Dokumente, Möbel, sogar einen Fensterladen ins Tal chauffieren lassen. Performances sind über Videos sichtbar.

Interessierte bekommen im Haus für Kunst Uri also einen garantierten Zutritt zum magischen Furkablick: Im Hotel kann nicht mehr übernachtet werden und die Restauration ist auf kurze Zeit und Wirtelaunen beschränkt. Überhaupt gibt man sich unaufgeregt auf dem Pass. Die Werke in den Nebengebäuden und auf dem Gelände sind kaum ausgeschildert. Und vielleicht ist im Nebel auch schon jemand über das Exponat von Max Bill gestolpert: seine Feuerstelle besteht aus vier Steinquadern.

Symbolisch ist ein Video im Foyer. Es zeigt Marc Hostettler und Rem Koolhaas bei einem Helikopterflug im Winter 1987/88. Der Kunstvermittler gewinnt den holländischen Stararchitekten vom Office for Metropolitan ­Architecture für eine Renovation am Haus. 1990/91 wird das Restaurant schlicht und urban umgebaut. Und wenn man danach als Gast eine Mahlzeit bekommt, dann auf einem «Tischset mit 100 Truisms», gestaltet von der amerikanischen Wort- und Lichtkünstlerin Jenny Holzer. Derweil werden die Rechnungen von Hand auf Postkarten mit abgebildeten Kunstwerken ausgestellt.

Ein Ausstellungsraum verbreitet Hotelatmosphäre: An der Wand ist «Keywork» von Lawrence Weiner angebracht. Der Amerikaner hat «Covered by clouds» in die Metallringe zu den Zimmerschlüsseln eingravieren lassen. In einer Vitrine befindet sich der Filzhut von Joseph Beuys. Für die Performance «Introduction of the Sages to the Alps» mit James Lee Byars 1984 schickt er Kleidungsstücke ins Hotel Furkablick vor. Ob er selber vor Ort ist, bleibt Spekulation. Jedenfalls klettern zwei Männer so fern an einem Fels herum, dass sie von den Zuschauern kaum erkannt werden können.

Ungestümes Wetter auf der Passhöhe

Auf dem Boden liegt der zerborstene «Tisch mit Raketen» des Schweizer Aktionskünstlers Roman Signer. Und im grossen Saal hängt eine Fahne mit rot-weissen Längsstreifen von Daniel Buren: «La Visée» gibt es in Variationen, immer neu geformt vom ungestümen Wetter auf der Passhöhe. Neben dem Franzosen sind Positionen von Westschweizern ausgestellt: drei «Furniture Paintings» von John Armleder und «Giuseppe», eine Schubkarre mit grün leuchtender Neonröhre, von Jean-Luc Manz.

Nonchalance und Aufbruchstimmung gehen von den Werken aus. Nach der «Documenta» in Kassel noch kurz auf den Furkapass, sagt Thomas Bolli. 2017 öffnet der Journalist, Strahler und Co-Initiant der Ausstellung eine Schublade im Hotel Furkablick und entdeckt zwölf unbekannte «War Drawings» des US-Künstlers Kim Jones. Im Korpus ruhen die grossformatigen Zeichnungen später weiter. Alle Werke werden vom ­«Institut Furkablick im Auftrag der Alfred-Richterich-Stiftung zurückhaltend konserviert und in ihrer Gesamtheit bewahrt», wie es diskret heisst. 2004 hat man die «Furk’art» von Marc Hostettler übernommen.

Mit der Schneeschmelze kommt dann die Kunst auf der Furka zum Vorschein. Und sollte beim Besuch ausgerechnet Nebel über dem Gelände auftauchen: Den Code zu den Werken hat man in der Ausstellung in Altdorf erhalten.

«Kunst auf dem Pass ab 1983» im Haus für Kunst Uri in Altdorf, bis 26. Mai, www.hausfuerkunsturi.ch. Führung mit Janis Osolin im Hotel Furkablick auf der Passhöhe: 28. Juli, 1. und 29. September.

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