Künstlerin Robin Carnes: «Jede Provokation braucht eine Beruhigung»

In der Galerie Adligenswil stellen aktuell zwei konträre Künstlerinnen aus. Natürlicher Farbfluss und Widersinn.

Susanne Holz
Hören
Drucken
Teilen
Robin Carnes: «Sunflower», Wasserfarbe auf Aquarellpapier.

Robin Carnes: «Sunflower», Wasserfarbe auf Aquarellpapier.

PD

Seit Januar 2019 ist Zsuzsa Cserhati Inhaberin und Galeristin der Galerie «zsuzsa’s grunder perren» in Adligenswil. Zsuzsa Cserhati, die lange für die Galerie Urs Meile gearbeitet hat, verfügt über viele Kontakte in der Kunstszene und setzt in Adligenswil auf das Besondere.

«Ich möchte auch jungen Künstlern eine Plattform bieten», erklärt die Galeristin. Sie suche immer wieder bewusst nach Künstlern am Beginn ihrer Karriere. Cserhati arbeitet sowohl mit regionalen als auch mit nationalen Künstlern. Es reizt sie vor allem, Neues zu zeigen. «Ich mag das Spezielle», sagt sie und verweist etwa auf die Scherenschnitt-Bilder von Marlis Spielmann, die dieses Jahr bereits bei ihr zu sehen waren.

Ob denn der Standort Adligenswil ein Nachteil sei, möchte man von Zsuzsa Cserhati wissen. «Nein», antwortet die Galeristin. Die Galerie sei nicht nur an Vernissagen gut besucht. «Die Leute, die kommen, möchten wirklich Kunst sehen. Wir sind kein Drop-in.» Es finde eine echte Auseinandersetzung mit Kunst statt. Und natürlich seien die Fixkosten in Adli­genswil nicht so hoch wie in Luzern – ein Vorteil, den man nicht unterschätzen dürfe.

Adligenswil als künstlerischer Hotspot

Aktuell freut sich Zsuzsa Cserhati über ein «Gleichgewicht der Gegensätze» in ihrer Galerie: Die in der Schweiz lebende amerikanische Künstlerin Robin Carnes und die Zürcher Installationskünstlerin Andrea Steiner stellen zusammen bei ihr aus. Adligenswil werde damit einmal mehr zum Hotspot für experimentelle Gegenwartskunst.

Die gewagte Kombination der beiden Künstlerinnen gelinge, «weil jede Provokation auch eine Beruhigung braucht». Robin Carnes stelle mit Wasserfarbe auf Aquarellpapier die Veränderlichkeit der Form als natürlichen Prozess dar. «Pigment und Wasser dienen ihr als Ausgangspunkt für einen leidenschaft­lichen Verlauf, der bald einmal nicht mehr kontrollierbar ist, aber immer natürlich bleibt. Ihre Bilder entstehen aus einem Fluss, der die Substanz der Farben zum Leuchten bringt.»

Licht wird zu Körper – und umgekehrt

Andrea Steiner wiederum setze sich kritisch mit alltäglichen Gegenständen auseinander, so die Galeristin. «Ein schmissig gemalter Stromstecker springt uns gross und laut an – eine pure Attacke!» Kreuzstiche auf Vinylplatten verwiesen zum einen auf Transformation, zum anderen auf das Alltägliche im Kunstkontext. Was in unserer Realität Licht ist, wird zu Körper, und was Körper ist, wird zu Licht: «Aus dem puren Widersinn erahnen wir die Superstarqualitäten des Gewöhnlichen, stets mit einem Augenzwinkern», sagt Cserhati.

Andrea Steiner hat ihren Master of Arts in Fine Arts an der Hochschule Luzern – Design und Kunst erworben, Robin Carnes ihren Bachelor of Arts und Master of Fine Arts in den USA. Die Künstlerinnen leben in Zürich.

Hinweis
«Robin Carnes & Andrea Steiner», bis 14.12. bei «zsuzsa’s grunder perren». Bus Nr. 73 ab Luzern bis Adligenswil Dorf. Do/Fr 14–18.30 Uhr; Sa 13–16 Uhr. www.grunderperren.ch