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GALERIE URS MEILE: Kraftvolles Material von Li Gang

Die Arbeiten des chinesischen Künstlers Li Gang haben eine starke Präsenz: Skulpturen und Ölmalereien sind derzeit in der Galerie Urs Meile in Luzern zu sehen.
Die Galerie Urs Meile in Luzern (Archivbild). (Bild: Daniel Tischler/LZ)

Die Galerie Urs Meile in Luzern (Archivbild). (Bild: Daniel Tischler/LZ)

Da steht eine Gruppe schweigender, aus rostigen Teekannen, Kesseln und Töpfen wachsender Wesen – sie sind einfach da, gesichtslos, anonym. Tritt man näher, überkommt einen ein leichter Schauder. Der Gips, aus dem die Formen gemacht sind, ist vermischt mit unzähligen Haaren. Wem gehören sie?

Bei der Wahl des Materials überlässt der in Peking lebende Künstler Li Gang nichts dem Zufall. Die Haare in der Arbeit «Desserts» (2015) stammen von Wanderarbeitern, die Technik des Mischens von Gips und Haaren ist in China eine traditionelle Herstellungsmethode für Baustoff. Auch die Teekannen und Kessel gehörten einst den Wanderarbeitern – auf Baustellen liessen sie die Utensilien zurück. Li Gang schafft ein Sinnbild für diese zeitgenössischen Arbeiternomaden, die in Chinas Gesellschaft funktionieren müssen, aber nicht wahr­genommen werden.

Überall in der Ausstellung ist eine drängende Kraft des Materials wahrnehmbar. Zum einen sind es die klaren, reduzierten Formen, die dem Material zu seiner sprechenden Präsenz verhelfen. Zum anderen erwächst diese faszinierende Kraft aus Li Gangs wachem Geist für Veränderungen und gesellschaftliche Zusammenhänge in China. Der Künstler thematisiert diese, indem er etwa besonders symbolträchtige Materialien wie Beton oder Eisen verarbeitet.

In der skulpturalen Arbeit «False or True» (2011–2016) ruhen vier von Eisenstäben gerahmte Steinbrocken auf einem Podest. Sind das zur Kunst erhobene Findlinge? Den Anschein des zufällig Gefundenen hat Li Gang in einem langen Prozess erwirkt. Bei den Steinen handelt es sich um Beton, den er mit einer selbst konstruierten Maschine fertigte.

Gang spielt in der Arbeit mit der Wahrnehmung der Betrachtenden und zeigt auf, was für unterschiedliche Bedeutungen Materialien transportieren können und wie sie auf uns wirken. Hier ruht der Beton in Form eines Findlings in sich, er ist in einem langsamen Prozess entstanden, durch das Einwirken verschiedener Kräfte, Li Gang verleiht ihm etwas Zauberhaftes – da steht ­Beton für die rasanten Veränderungen in China.

Dieses Doppelbödige lässt sich in allen Werken Li Changs entdecken: das Formschöne, das Selbstbewusste des Materials, das aber nie reiner Selbstzweck ist, sondern aus einer kritischen Auseinandersetzung mit gegenwärtigen Phänomenen entsteht.

Andrea Portmann

kultur@luzernerzeitung.ch

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