GALERIEN: Alltagsobjekte in neue künstlerische Form gegossen

Surrealistischer Humor, Landschaftsmalerei und vom Zufall geformte Plastiken: Drei Ausstellungen zeigen künstlerische Vielfalt und gestalterische Fantasie.

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Fesselndes Handy: Zinnguss-Objekt des Künstlers Patrik Brida. (Bild: PD)

Fesselndes Handy: Zinnguss-Objekt des Künstlers Patrik Brida. (Bild: PD)

Geld, Apfel, Pistole, Handy, Schraubenschlüssel, Glühbirne – alles, was wir im Alltag brauchen und nutzen, ist Material für die Objekte, die der in Luzern lebende Künstler Patrik Brida (43) zu eigenartigen Kunstobjekten verarbeitet. Die Objekte, die er zurzeit in der Galerie K25 in Luzern ausstellt, sind Nachbildungen, die aus Zinn gegossen sind. Trotzdem erwecken sie den Anschein, als wären sie echte, aber ein wenig angestaubte Ware. Jedenfalls muss man schon genau hinschauen, um zu erkennen, dass es sich bei den gestapelten Fünflibern im Werk «Bussola» nicht um echtes Geld handelt. Beim Apfel oder beim Cervelat ist die Künstlichkeit offensichtlich. In ihrer Umformung verlieren die Dinge ihre Selbstverständlichkeit, und aus dem alltäglichen Kontext gerissen sind sie nicht mehr der Normalfall, sondern höchst ambivalente Objekte, welche Fragen nach Sinn und Identität aufwerfen.

Malerei und Objekte

Kommt hinzu, dass der Künstler kombiniert, was im Alltag nicht zusammengehört: Das Handy ist an Handschellen gekettet, aus dem Pistolenlauf hängt eine Zunge, und im Apfel steckt ein Finger. Witz und surrealistischer Humor stecken in den Werken von Patrik Brida, die Gewohntes hinterfragen.

In der Doppelausstellung «Herzstück» in der Galerie K25 zeigt Patrik Brida auch einige Bilder. Ebenfalls als Maler und Plastiker präsentiert sich Cosimo Gritsch. Zahlenmässig dominiert beim zehn Jahre jüngeren Berner Künstler die Malerei. Seine geometrisierend abstrakten Bilder fallen durch ihre kräftige Farbigkeit und die starken linearen Muster auf.

Malerisch sind allerdings auch die Objekte von Cosimo Gritsch. Seine rätselhaften, mit Draht und Holzlatten verpackten Bündel strotzen vor Farbe und stehen als imposante Malobjekte im Raum, bereitgestellt zur Entsorgung – beinahe wie Abfall. Darum handelt es sich vermutlich: Leinwände, Farbreste und anderes Material, das der Künstler zusammengepackt und gebündelt hat.

Poetische Landschaften

Weit weniger brachial sind die Malereien der Luzerner Künstlerin Eva Amrein-Degen, die mehr als zwanzig Bilder in der Galerie im Zöpfli in Luzern ausstellt. Inspiration und Motive gewinnt die Künstlerin in der Natur. Die passionierte Fotografin hält ihre Impressionen mit der Kamera fest. Im Atelier sind die Aufnahmen dann Ausgangspunkt ihrer Malerei. Allerdings sind ihre Bilder keine naturalistischen Abbilder. Schicht um Schicht entwickelt die Künstlerin ihre Bilder, die sich im Malprozess von der Ursprungsform zu imaginären Landschaften, zu poetischen Impressionen wandeln.

Dabei verschwindet der konkrete Kontext und macht Platz für abstrakte Räume der Imagination, magische Sphären, welche die Vorstellungskraft der Betrachter beflügeln.

Fotografie spielt auch im Werk des 60-jährigen Plastikers Uwe Karlsen eine wichtige Rolle. Beim in Meggen lebenden deutschen Künstler steht die Fotografie nicht am Anfang des künstlerischen Prozesses, sondern als eine Weiterentwicklung eines abgeschlossenen Werks in einem anderen Medium. Bewegung, Dynamik und faszinierende Lichteffekte prägen die Fotodrucke, die der Künstler in seiner aktuellen Ausstellung im Raum für zeitgenössische Kunst in Meggen zeigt. Es sind Aufnahmen von eigenhändigen Plastiken des Künstlers, die allerdings nicht in einem statischen Zustand abgelichtet worden sind, sondern in doppelter Bewegung: Das plastische Objekt dreht sich während der Aufnahme, und auch die Kamera wird dabei bewegt.

Bizarre Wendungen

Als Plastiker ist Uwe Karlsen ein Dekonstrukteur, dessen Arbeiten vom Zufall mitgeformt werden. Seinen Objekten gibt er als Künstler eine erste Gestalt, etwa in Form des Monte-Rosa-Massivs oder einer Büste, die er dann zerstörerischen Kräften aussetzt, indem er sie beispielsweise auf den Boden knallen lässt. Dabei entstehen aussergewöhnliche Formen, die der Künstler in geplanter Handarbeit nicht realisieren könnte. Schrundige Brüche, verknäuelte Binnenräume, bizarre Windungen und dramatische Lichteffekte machen aus den wohlgeformten Plastiken spannende, rätselhafte Objekte, die in Bronze oder Neusilber gegossen eine besonders strahlende Wirkung erzielen.

Kurt Beck

Hinweis

Galerie K25, Kellerstrasse 25, Luzern. Do, Fr 16–19, Sa 14–17 Uhr. Bis 7. November. Galerie im Zöpfli, Im Zöpfli 3, Luzern. Do/Fr/So 13–16, Sa 10–16 Uhr. Bis 8. November. Raum für zeitgenössische Kunst, Benzeholz, Seestrasse, Meggen. Do/Sa/So 14–18 Uhr. Bis 1. November.