Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Game of Thrones: Bitte kein Happy End

«Game of Thrones» geht nach acht Jahren zu Ende. Die preisgekrönte Fernsehserie stellte sämtliche Regeln auf den Kopf. Warum wir darauf hoffen, dass die Helden am Schluss verlieren.
Lory Roebuck
Daenerys Targaryen (Emilia Clarke) und Jon Schnee (Kit Harington) haben sich verbündet. Doch was bleibt, wenn die Schlacht gegen die Armee der Untoten ausgefochten ist? (Bild: HBO)

Daenerys Targaryen (Emilia Clarke) und Jon Schnee (Kit Harington) haben sich verbündet. Doch was bleibt, wenn die Schlacht gegen die Armee der Untoten ausgefochten ist? (Bild: HBO)

Am liebsten würden wir die Fernbedienung Richtung Fernseher werfen. Das darf doch nicht wahr sein! Wut, Ratlosigkeit, Verzweiflung: Das sind die drei zermürbenden Gemütslagen der Abermillionen «Game of Thrones»-Zuschauer auf der ganzen Welt. Keine andere Fernsehserie mal-trätiert ihr Publikum dermassen. Lässt reihenweise über Jahre lieb gewonnene Sympathieträger über die Klippe springen, nur um im Gegenzug die fiesesten Schurken zu belohnen. Wie oft haben wir «Game of Thrones» abgeschworen, um eine Woche später doch wieder einzuschalten? «Game of Thrones» war wie Fastfood, Zigaretten, Alkohol oder all die anderen schädlichen Sachen, auf die wir nicht verzichten können. Ein masochistisches Vergnügen, das nun mit seiner achten und letzten Staffel zu Ende geht. Zum Glück. Leider.

Zuschauer- und Preisrekorde

Als «Game of Thrones» im April 2011 auf Sendung ging, lag Fantasy tief im Kurs. «Der Herr der Ringe» lag bereits eine Dekade zurück, die «Hobbit»-Trilogie war zum filmischen Desaster geraten, und die «Harry Potter»-Reihe neigte sich gerade ihrem Ende zu. Wer hatte da noch Lust auf Magier, Drachen und Ritter? Unglaublich viele, wie sich bald herausstellen sollte. Während populäre Fernsehserien wie «Lost» oder «Homeland» mangels neuer Ideen abflachten und mit jeder weiteren Staffel grosse Zuschauereinbussen einsteckten, zeigte die Zuschauerkurve bei «Game of Thrones» stetig nach oben: Schauten bei der ersten Staffel noch knapp zweieinhalb Millionen Menschen zu, lockte das Ende der siebten und bisher letzten Staffel schon weit über 30 Millionen vor den Bildschirm. Nicht eingerechnet die unzähligen Zuschauer im Internet. Zu Buche stehen auch eine Rekordanzahl von 45 Emmy-Auszeichnungen.

Nachvollziehbare Gräueltaten

Die Serie setzte nicht nur punkto Einschaltquoten und Preise neue Massstäbe, sondern vor allem inhaltlich. Nehmen wir als Beispiel die Drachen und Magier, typische Versatzstücke des Fantasy-Genres. In «Game of Thrones» kamen sie anfangs nur spärlich zum Einsatz. George R. R. Martin, der die Romanvorlagen zur Serie schrieb, erklärte das einmal so:

«Wenn du eine Krabbe in heisses Wasser legst, springt sie sofort wieder raus. Legst du sie aber in kaltes Wasser und erwärmst dieses langsam...»

In dieser Analogie, so Martin, steht das heisse Wasser für alles, was mit Fantasy und Magie zu tun hat. Und die Krabbe für das Publikum – vor allem jenen Teil, der mit Fantasy wenig anfangen kann.

In der Welt von «Game of Thrones» ging es vor allem um die Ränkespiele zwischen Königen, Fürsten und ihren Handlangern. Keine Folge ohne Intrigen, Gewalt und Verrat. Solche Zutaten lockten auch Anhänger von Politserien wie «The West Wing» und Mafiadramen wie «The Sopranos» vor den Bildschirm.

«Game of Thrones» war die Antithese zu «Der Herr der Ringe» und räumte mit Fantasy-Klischees auf. Eine Figur wie Gandalf, die in einer aussichtslosen Schlacht die entscheidende Wende für die Helden herbeiführt, gibt es hier nicht. Eine Einteilung des Figurenensembles in Helden und Schurken ist unmöglich. Zu komplex wird das Innenleben der Figuren geschildert, sodass selbst Gräueltaten für das Publikum nachvollziehbar werden. George R. R. Martin erklärt:

«An einer schwarz-weissen Welt bin ich nicht interessiert, ich schreibe lieber über Figuren mit verschiedenen Grautönen.»

Martin habe das Fantasygenre neu definiert, schreibt Stefan Servos in seinem Buch «Gewalt, Götter und Intrigen – Die Welt von Game of Thrones»: «Wurde der literarischen Gattung der Fantasy bisher vor allem eine Befriedigung der ursprünglichen Sehnsüchte nach Mythologie und Romantik zugesprochen, so bricht George R. R. Martin mit diesem Bild. Er bringt den Realismus in die Geschichte.»

Bangen um jede einzelne Figur

Ein ehrenhafter Protagonist wie Ned Stark, der sich für Gerechtigkeit einsetzt und als einzige Figur der Serie einen moralischen Kompass zu besitzen scheint, wurde in der ersten Staffel geköpft. Ab dieser Folge war klar: In «Game of Thrones» kann jeder sterben, ohne Vorwarnung.

Das brach radikal mit dem wichtigsten Gesetz jedes Fernsehdramas, das besagt: Die Protagonisten geraten zwar in die schlimmsten Notlagen, finden aber immer einen Weg hinaus. Das ist marketingtechnisch unerlässlich: Wer als das Gesicht einer Serie etabliert ist, bleibt ihr bis zum Schluss erhalten. Dass man um jede einzelne Figur bangen muss, ist revolutionär. Genau hier drin wurzelt die Hassliebe. Trotzdem schauten alle weiter. Oder gerade deshalb. Wann war eine Serie jemals so spannend?

Da verzeiht man «Game of Thrones» die vielen Unzulänglichkeiten in den letzten Jahren. Seit die Fernsehserie die Ereignisse in den Romanvorlagen überholt hat – George R. R. Martin arbeitet noch an den zwei letzten Bänden, hat sein geplantes Ende allerdings den Serienschöpfern verraten –, ziehen in «Game of Thrones» vermehrt Fantasy-Klischees ein. Da erwachen Tote wieder zum Leben, Auftragskiller zaubern sich ein neues Gesicht und Untote reiten auf Eisdrachen in die Schlacht... Sechs Episoden noch, dann ist der Kampf um den Eisernen Thron, nach dem in «Game of Thrones» alle trachten, entschieden. Wer wird ihn erobern? Jon Schnee, der Anführer im Kampf gegen die Eiszombies? Daenerys Targaryen, die verstossene Thronerbin und Drachenreiterin? Oder doch der untote Nachtkönig? Bleibt «Game of Thrones» seiner Linie treu, sollten wir kein Happy End erwarten. Die vermeintlichen Helden verlieren. Keine andere Serie könnte sich das erlauben.

Andererseits: Was würde uns mehr schockieren als ein versöhnlicher Ausgang?

Wer überlebt, wer stirbt? Das sind die Tipps der Redaktion

Die Drachenkönigin

Daenerys Targaryen hat Drachen, ist aber nicht unverwundbar. Ihre Gefühle für Jon Schnee könnten ihr zum Nachteil geraten. Überlebenschancen: ***

Der Zwerg

Tyrion Lennister hat den smartesten Kopf aller Figuren. Doch kann er die Armee der Untoten überlisten? Überlebenschancen: ****

Die Egomanin

Cersei Lennister denkt nur an ihr eigenes Schicksal. Am meisten fürchtet sie ihren Bruder Tyrion.
Überlebenschancen: *

Die Killerin

Arya Starks Ausbildung zur Profikillerin hat sie abgestumpft. Taugt sie noch zu mehr als zu einer Waffe? Überlebenschancen: **

Game of Thrones – Staffel 8: RTS überträgt die neuen Folgen ab 15. April wöchentlich und zeitgleich mit der US-Ausstrahlung um 3 Uhr nachts.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.