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Ganz nah an Barack Obama: Ein Buch aus Perspektive eines Insiders

Ben Rhodes gewährt Einsichten ins Weisse Haus und zeigt eine neue Facette von Barack Obama. Auch weitere politische Bücher der Saison überzeugen mit überraschenden Einblicken nach China und Russland - und über die Ungerechtigkeiten des Kapitalismus.
Arno Renggli, Rolf App
Barack Obama war von 2009 bis 2017 Präsident der USA. Der langjährige Mitarbeiter Ben Rhodes berichtet in seinem Buch «Im Weissen Haus. Die Jahre mit Barack Obama» darüber. (Bild: AP Photo/Rick Bowmer)

Barack Obama war von 2009 bis 2017 Präsident der USA. Der langjährige Mitarbeiter Ben Rhodes berichtet in seinem Buch «Im Weissen Haus. Die Jahre mit Barack Obama» darüber. (Bild: AP Photo/Rick Bowmer)

Von 2009 bis ­Anfang 2017 war Barack Obama Präsident der USA. In diesen acht Jahren war Ben Rhodes an seiner Seite, zunächst junger Redenschreiber, später als stellvertretender Nationaler Sicherheitsberater. Praktisch alle Auslandreisen Obamas hat er begleitet, war in neuralgischen Momenten dabei, etwa als Obama und sein Stab mitverfolgten, wie Osama bin Laden in Pakistan von einem US-Kommando getötet wird. Oder in der entscheidenden Phase, in der Obama über die Aufstockung der US-Truppen in Afghanistan befand.

Das Buch bietet die Perspektive eines ausgewiesenen Insiders auf das wichtigste Machtzentrum der Welt. An manchen Stellen ist es vielleicht sogar etwas zu insiderisch, da es politische Prozesse schildert, die nur Spezialisten interessieren. Aber es gibt auch Einsicht in Entscheidungen von enormer Tragweite, die aufgrund einer ungeheuren Menge kumulierter Fachkompetenz, aber auch oft erstaunlich softer Faktoren geschehen. Gerade Obama war ein Präsident, der die Dossiers sehr genau kannte, aber sich auch auf Instinkt und Intuition verliess. Es ist spannend, wie er dann zu seinen Entscheidungen kam.

Ganz offensichtlich ist der Autor ein Bewunderer Obamas. Insofern sind seine Schilderungen vielleicht nicht immer ganz objektiv. Aber zumindest zeigt er, dass auch dieser fast immer sehr ­souverän und sicher wirkende Präsident Selbstzweifel hatte. Gerade auch bezüglich der Frage, ob seine progressive Politik für die USA nicht zu früh komme. Was sich dann in der Wahl von Trump gewissermassen bewahrheitet hat. Auch an Obama liegt es, dass das Buch vor allem Aussenpolitik thematisiert. Was für Nicht-US-Leser eher von Vorteil ist.

Ben Rhodes: Im Weissen Haus. Die Jahre mit Barack Obama. C. H. Beck. 376 S., Fr. 42.–

China erkunden, aber anders

Für uns, die wir weit entfernt im Westen leben, ist China oft nur ein Schlagwort. Viele unserer ­Waren kommen von dort, doch was ­wissen wir wirklich über das Reich der Mitte und seine Bewohner? Wenig. Dem ein bisschen abhelfen wollen Matthias Messmer und Hsin-Mei Chuang. Der Journalist aus der Schweiz und die Kulturwissenschafterin aus Taiwan erkunden gemeinsam China. Aber nicht jenes China, das wir schon kennen, sondern die Grenzgebiete. Dort, wo China an andere Länder stösst, wird es interessant. Dort leben Menschen, die, überrascht oft von den zwei Fremdlingen, ihnen einzigartige Einblicke gewährt haben.

Matthias Messmer/Hsin-Mei Chuang: China an seinen Grenzen. Reclam, 318 S., Fr. 28.–.

Persönliche Blicke auf Russland

Beide haben in Moskau gelebt, ohne eine Ahnung voneinander zu haben. Heute ist der Journalist Fritz Pleitgen zurück in der Heimat, und Michail Schischkin lebt in der Schweiz. Doch Russland und die Russen haben sich tief eingebrannt in ihre Herzen. Genau davon handelt dieses sehr persönliche Buch. Im Wechsel schildern Pleitgen und Schischkin ihre Erfahrungen, Eindrücke und Gedanken. Persönliches verbindet sich zwanglos mit grosser Politik. «Die Menschen im Westen haben oft keine Vorstellung davon, wie angespannt die Situation im Land wirklich ist», schreibt Schischkin. Genau dazu dient dieses Buch – dies zu vermitteln.

Fritz Pleitgen/Michail Schischkin: Frieden oder Krieg. Ludwig, 382 S., Fr. 32.-

Jean Ziegler spricht zur Enkelin

Es ist wenig Neues, was der grosse Genfer Soziologe Jean Ziegler im neuen Buch schreibt. Dies macht dies die Ungerechtigkeiten, die unser Wirtschaftssystem zur Folge hat, nicht weniger relevant. Anders als in früheren Büchern ist die Vermittlung: Ziegler beantwortet quasi die Fragen seiner Enkelin Zohra. So wird das Vermittelte portioniert und gut verständlich. Die Enkelin fragt nach den Auswirkungen der Globalisierung oder des Kapitalismus. Fragt, warum wir die Augen vor offensichtlicher Not oder Ungerechtigkeit verschliessen. Wie Konzerne oder Medien funktionieren. Und Ziegler gibt seine Antworten. Anklagend hart – wie schon immer.

Jean Ziegler: Was ist so schlimm am Kapitalismus? Antworten auf die Fragen meiner Enkelin. Bertelsmann, 128 S., Fr. 25.–

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